Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

Brasilien: Verstärkte Zuwanderung

13.12.2011
Brasilien wird aufgrund der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung zu einem wichtigen Einwanderungsland. Dies gab das brasilianische Justizministerium Ende November bekannt. Laut dem Ministerium stieg die Zahl der Einwanderer 2010 im Vergleich zum Vorjahr um das Doppelte. Gleichzeitig kehren ausgewanderte Brasilianer verstärkt zurück.

Brasilien ist geografisch gesehen das fünftgrößte Land der Erde und hat rund 195 Mio. Einwohner. Es ist weltweit die siebtgrößte Volkswirtschaft und die größte in Lateinamerika. Brasilien war in der Vergangenheit ein klassisches Einwanderungsland. Dies änderte sich im 20. und frühen 21. Jahrhundert, als Brasilien zu einem Auswanderungsland wurde.

2010 war der Wanderungssaldo nun erstmals seit 20 Jahren wieder positiv, das heißt die Zahl der Zuzüge war höher als die der Fortzüge. Der Ausländeranteil in Brasilien ist mit 0,4% noch sehr gering. Die Herkunftsregionen der Einwanderer sind vor allem Europa, Lateinamerika und Asien. Portugiesen sind die am stärksten vertretene Einwanderungsgruppe, gefolgt von Bolivianern, Paraguayanern, Chinesen und Japanern.

Nach Angaben des Arbeitsministeriums waren die wichtigsten Herkunftsländer von Arbeitsmigranten mit unbefristeten Arbeitsvisa 2010 die USA (7.550, 2009: 5.590), die Philippinen (4.969, 2009: 6.531) und das Vereinigte Königreich (3.809, 2009: 3.496). Deutschland lag an fünfter Stelle (2.904, 2009: 1.454). Wer sich in Brasilien niederlassen und ein Unternehmen gründen will, muss mindestens 50.000 US-Dollar investieren. Für Arbeitnehmer unter 50 Jahren gilt die Regel, dass jeder mit einem monatlichen Mindesteinkommen von 2.000 Dollar einwandern und zwei Familienangehörige mitbringen darf.

Brasilien ist auch ein Einwanderungsland für hochqualifizierte Arbeitskräfte geworden. Wie das Arbeitsministerium Ende November bekannt gab, stieg die Zahl der Arbeitsvisa für Hochqualifizierte wie etwa Ingenieure, Informatiker und Ärzte in der ersten Hälfte dieses Jahres auf 26.545 an (+ 20% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). Durch die teils steigende bzw. auf hohem Niveau stagnierende Arbeitslosigkeit in den Industrieländern wird Brasilien für Hochqualifizierte interessanter.

Wegen des vergleichsweise schlecht entwickelte Bildungssystem fehlen Brasilien heute rund 2 Mio. Arbeitskräfte in den technischen Berufen. Wirtschaftswissenschaftler befürchten ein verlangsamtes Wachstum in den kommenden Jahren. Diese Entwicklung sei kurzfristig nur durch Zuwanderung zu lösen, da Bildungsreformen ausblieben bzw. erst in rund 10 Jahren Erfolge zeigten.

Nach Plänen der Regierung will Brasilien daher pro Jahr 20.000 Ingenieure aufnehmen, die in den Bereichen Geologie, Straßenbau und Ausbau von Häfen und Flughäfen qualifiziert sind. Außerdem sollen zusätzliche Visa für Hotelmanager, Programmierer, Medizintechniker, Architekten und Biologen erteilt werden.

Das Justizministerium schätzt, dass derzeit rund 2 Mio. undokumentierte Zuwanderer in Brasilien leben. Schätzungsweise 600.000 von ihnen kamen in den vergangenen drei Jahren ins Land. 40% stammen aus Bolivien, dem ärmsten Land in Südamerika. Die meisten irregulären Migranten kommen mit Touristenvisa nach Brasilien und arbeiten, sofern sie Arbeit finden, im Baugewerbe. Wer nachweislich mindestens 6 Monate gearbeitet hat und dies belegen kann, kann die Legalisierung seines Aufenthaltsstatus beantragen. Allerdings beklagen Medien in Brasilien seit einigen Jahren, dass undokumentierte Einwanderer auf Baustellen ausgebeutet würden und dass ihnen der Zugang zum Gesundheitssystem versagt bleibe.

Rund 4 Mio. Brasilianer lebten laut dem brasilianischen Statistikamt IBGE im Jahr 2005 außerhalb Brasiliens, 1,2 Mio. davon in den USA. Die Hälfte von ihnen, rund 2 Mio., war bis 2010 nach Brasilien zurückgekehrt. Anziehungsfaktor war die wirtschaftliche Entwicklung des Schwellenlandes, zu der auch die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und der Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio beitragen. chw

Weitere Informationen




 
Teaserbild Newsletter Migration und Bevölkerung

Newsletter Migration und Bevölkerung abonnieren

Hier können Sie den Newsletter Migration und Bevölkerung abonnieren oder sich aus der Mailingliste austragen. Weiter... 

Logo werkstatt.bpb.de

Wo liegen deine Wurzeln?

Was bedeutet Migration für Dich? Die 9. Klasse der Sophie-Scholl-Oberschule Berlin näherte sich dem Thema Migration auf einem Workshop von werkstatt.bpb.de mit persönlichen Zugängen und methodischer Vielfalt. Weiter...