Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

13.12.2011

IOM-Bericht 2011: Migration und Kommunikation

Kommunikation, Berichterstattung und öffentliche Diskurse sind wichtig für die Wahrnehmung von Migration als gesellschaftliche Herausforderung. Dies hebt der diesjährige Jahresbericht der International Organization for Migration hervor. Trotz der hohen globalen Mobilität würden die Folgen von Migration häufig missinterpretiert. Daher sei ein grundsätzlicher Wandel in der Art und Weise der Kommunikation von Migration notwendig.

Der Bericht der International Organization for Migration (IOM) ist unter dem Titel "Communicating effectively about migration" am 6. Dezember veröffentlicht worden. Neben der Bedeutung von Kommunikation für das Verständnis von Migrationsprozessen geht er auf die neuesten Trends interner und internationaler Migrationsbewegungen sowie migrationspolitische Antworten in den einzelnen Weltregionen ein.

Hintergrund

Der IOM-Bericht weist darauf hin, dass angesichts demografischer Ungleichheiten, neuer globaler Dynamiken sowie technologischer Neuentwicklungen und sozialer Netzwerke künftig von einer Zunahme internationaler Migration auszugehen ist (vgl. MuB 10/10). Der Bericht betont die positiven Potenziale internationaler Migrationsbewegungen. Diese führten zum Austausch von Talenten und Fähigkeiten und würden somit wirtschaftliches Wachstum stimulieren.

Im Gegensatz dazu werde Migration in den öffentlichen Debatten der Zielländer nach wie vor häufig als Belastung wahrgenommen. Die Wahrnehmung von Migration ist dabei oft ungenau und basiere auf Fehlinterpretationen und vorgefertigten Meinungen. Dies führe schließlich dazu, dass negative Einstellungen gegenüber Migranten aufrechterhalten oder gar verstärkt werden.

Rolle von Umfragen

Das Schwerpunktthema des diesjährigen Berichts – Kommunikation und öffentliche Wahrnehmung von Migration – basiert auf einer Analyse bereits vorhandener Umfragen und Studien, die von unterschiedlichen Instituten auf nationalstaatlicher und globaler Ebene durchgeführt wurden. Dabei ist einer der beständigsten Befunde die quantitative Überschätzung der Zuwanderung. So haben Umfragen in Italien ergeben, dass der Anteil der ausländischen Bevölkerung auf 25% der Gesamtbevölkerung geschätzt wurde, während er tatsächlich bei nur 7% lag. Auch in den Vereinigten Staaten wurde der Ausländeranteil gravierend überschätzt (39% zu 14%). Zudem unterstreicht der Bericht, dass in Zeiten ökonomischer und politischer Unsicherheiten ein Trend zu einer negativeren Bewertung von Zuwanderung zu beobachten sei (vgl. MuB 2/11).

Politik und Medien

Insbesondere Politik und Medien spielen dem Bericht zufolge eine zentrale Rolle in der Kommunikation von Migration und ihren Herausforderungen, da diese die Hauptquellen für die Meinungsbildung der Bevölkerung darstellen. Hier weisen die Autoren darauf hin, dass der Informationsfluss zwischen der Wissenschaft einerseits sowie Politik, Medien und breiter Öffentlichkeit andererseits oft nicht gewährleistet sei. Empirisch erhobene Daten zu Migration würden daher nur unzureichend oder gar fehlerhaft vermittelt.

Handlungsansätze

Die IOM fordert, dass sich die Art und Weise, in der über Zuwanderung berichtet wird, grundlegend ändern müsse. Sie schlägt vier zentrale Ansätze vor:
  • Die Diskussionen rund um Migration konzentrierten sich zu sehr auf Probleme. Daher sei ein ausgewogener Diskurs auf nationaler und internationaler Ebene anzustreben.

  • Laut IOM müsse die Migrationsdebatte zudem entpolitisiert werden. Es sollte vielmehr die gesamtgesellschaftliche Dimension von Zuwanderung und nicht etwa die Interessen von Teilen der Gesellschaft in den Vordergrund gestellt werden.

  • Der dritte Ansatz umfasst die Förderung ausgewogener Medienberichterstattung. Eine engere Zusammenarbeit von Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und privatwirtschaftlichen Akteuren mit den Medien solle dazu beitragen, diese besser über die Komplexität von Migrationsprozessen zu informieren. Damit soll dem Problem der einseitigen oder verkürzten Berichterstattung entgegen gewirkt werden. Hierzu zählen auch Maßnahmen wie Weiterbildungen zu Migrationsfragen und die Erstellung von Leitlinien zur Behandlung des Themas in den Medien. - Nicht zuletzt gelte es die Vielfältigkeit in den Medien selbst zu erhöhen, etwa durch eine stärkere Präsenz von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund.

  • Die vierte und laut Bericht größte Herausforderung ist die Anerkennung von Migranten als aktive Mitgestalter. Sowohl in Herkunfts- als auch in Zielländern würden Zuwanderer eher als passiv wahrgenommen. Je mehr Migranten jedoch aktiv in Erscheinung träten und je mehr persönliche Beziehungen zwischen Migranten und Nicht-Migranten aufgebaut würden, desto größer sei die Chance, bestehende Vorurteile abzubauen. Ziel müsse es sein, dass Migranten in einen stärkeren Kontakt mit einem breiteren Publikum treten. Dadurch könnten realistische Bilder von Migranten transportiert und somit auch die gesellschaftliche Akzeptanz für Migration erhöht werden.

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