Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

27.10.2011

Mehr Menschen mit Migrationshintergrund

Etwa ein Drittel aller Kinder in Deutschland und nahezu die Hälfte der Kinder in Großstädten lebt in Familien mit Migrationshintergrund. Der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung stieg im vergangenen Jahr erneut leicht an.

Auf der Grundlage von Mikrozensusdaten veröffentlichte das Statistische Bundesamt Ende September seinen jährlichen Bericht zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Dazu zählen Personen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit, eingebürgerte Deutsche, Spätaussiedler sowie jeweils deren Kinder. Der Mikrozensus ist eine jährlich durchgeführte Haushaltsbefragung von 1 % der deutschen Privathaushalte. Seit dem Jahr 2005 werden auch Daten zu Personen und Familien mit Migrationshintergrund erhoben (vgl. MuB 5/06, 10/08).

Gesamtzahl



Die Zahl der Personen mit "Migrationshintergrund im engeren Sinn" stieg im vergangenen Jahr um etwa 43.000 Personen an (2009: 15,7 Mio.). Die Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund "im weiteren Sinn" umfasst laut Statistischem Bundesamt zusätzlich "in Deutschland geborene Deutsche mit Migrationshintergrund, die nicht mehr mit ihren Eltern in einem Haushalt leben." Im Jahresbericht 2010 wurden keine Angaben zu dieser Gruppe gemacht, da diese Daten nur alle vier Jahre erfasst werden. 2009 lag diese Zahl bei rund 16,05 Mio. Menschen (vgl. MuB 7/10).

Seit der ersten Erhebung 2005 ist ein kontinuierlicher Anstieg der Bevölkerung mit Migrationshintergrund zu verzeichnen (2005: 15,06 Mio. bzw. 18,3 %; 2010: 15,75 Mio. bzw. 19,3 %).

Charakteristika



Zwei Drittel der Personen mit Migrationshintergrund sind zugewandert, ein Drittel ist in Deutschland geboren. Mehr als die Hälfte hat die deutsche Staatsbürgerschaft (8,6 Mio.), während 7,1 Mio. keinen deutschen Pass besitzen. In den alten Bundesländern und Berlin leben 15,1 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund gegenüber lediglich 605.000 in den neuen Ländern (ohne Berlin). Mit einem Durchschnittsalter von 35 Jahren ist die Bevölkerung mit Migrationshintergrund wesentlich jünger als die einheimische deutsche Bevölkerung (45,9 Jahre).

Menschen mit Migrationshintergrund sind im Vergleich zur Bevölkerung ohne Migrationshintergrund häufiger arbeitslos (11,5 % zu 5,8 %). Ihnen fehlt häufiger ein Schulabschluss (15,3 % zu 2,0 %) oder ein berufsqualifizierender Abschluss (45,0 % zu 19,6 %). Diese Nachteile spiegeln sich in einem höheren Armutsrisiko (26,2 % zu 11,7 %) wider. Das Armutsrisiko ist dabei v. a. von der Aufenthaltsdauer abhängig. Zuwanderer, die seit weniger als fünf Jahren in Deutschland leben, weisen eine Armutsgefährdungsquote von 32 % auf. Bei Migranten, die bereits vor 1971 nach Deutschland eingewandert sind, liegt diese Quote hingegen bei 18 %.

Knapp zwei Drittel der Menschen mit Migrationshintergrund (64,4 %) stammen aus Europa einschließlich der Türkei (29,4 % aus der EU, 35 % aus anderen europäischen Staaten), gefolgt von Asien, Australien und Ozeanien (13,6 %), Afrika (3,1 %) und Amerika (2,5 %). Bei 16,3 % ist die Herkunft nicht näher zuzuordnen. Bei einer Betrachtung einzelner Herkunftsländer sind vor allem die Türkei, Polen, die Russische Föderation, Italien und Kasachstan von Bedeutung (siehe Tabelle).

Kinder

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Etwa 4 Mio. der insgesamt 13,1 Mio. Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund (2005: 4,1 von 14,4 Mio.). Dies entspricht einem Anteil von 30,9 % (2005: 28,5 %). Während der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in den 14 größten Städten Deutschlands (mehr als 500.000 Einwohner) besonders hoch ist (46 %), liegt er in kleinen Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern bei nur 13 %. Bei den unter Fünfjährigen macht die Gruppe der Kinder mit Migrationshintergrund inzwischen 34,9 % aus.