Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

Ostafrika: Hungersnot und Massenflucht

6.9.2011
Die seit mehreren Wochen anhaltende Hungersnot in Somalia hat zu massiven Fluchtbewegungen innerhalb der Region geführt. Etwa 800.000 Menschen sind derzeit auf der Flucht. Auslöser ist die schwerste Dürre seit 60 Jahren. Flüchtlingslager in den Nachbarstaaten Äthiopien und Kenia sind überfüllt. Die Hungersnot droht auch andere Regionen Ostafrikas zu erfassen.

Bereits seit Monaten weisen die Vereinten Nationen (UN) sowie zahlreiche Hilfsorganisationen auf die anhaltende Dürre und die Gefahr einer Hungerkatastrophe in Ostafrika hin. Am 20. Juli schließlich erklärte die UNO Teile des Südens Somalias zu Hungersnotgebieten. Anfang August breitete sich die Hungersnot nach Einschätzung des UN-Büros für Lebensmittelsicherheit und Ernährungsanalyse (FSNAU) auf weitere Regionen Somalias aus.

Ausmaß



UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres bezeichnete die Situation bereits Mitte Juli als die "schlimmste humanitäre Katastrophe der Welt". Anfang August waren nach UN-Angaben am Horn von Afrika (Äthiopien, Dschibuti, Eritrea, Somalia) und in Teilen von Kenia mehr als 12,4 Mio. Menschen von der Hungerkatastrophe betroffen. Zu den am schwersten betroffenen Regionen zählen neben Zentral- und Südsomalia auch der Südosten Äthiopiens sowie Nordostkenia.

In Somalia sind rund 3,7 Mio. Menschen auf Hilfe angewiesen, davon 3,2 Mio. auf lebensrettende Sofortmaßnahmen. In Äthiopien sind rund 4,8 Mio. und in Kenia 3,7 Mio. Menschen hilfsbedürftig. Die Hungersnot weitete sich inzwischen auch auf Regionen in Dschibuti, Eritrea, Ruanda und Uganda aus.

Die Hungersnot trifft Kinder besonders schwer. In der Region leiden etwa 2 Mio. Kinder an Unterernährung. Laut UN-Kinderhilfswerk UNICEF könnten in den nächsten Wochen bis zu 500.000 Kinder den Hungertod sterben, wenn keine ausreichende Hilfe geleistet werde. Allein in Somalia sind zwischen Mai und Juli fast 30.000 Kinder unter fünf Jahren durch Unterernährung gestorben.

Hintergrund



Das Horn von Afrika war bereits mehrfach von schweren Hungersnöten betroffen. Da die Regenzeiten Ende 2010 und im Frühjahr 2011 besonders niederschlagsarm waren, kam es zu erheblichen Ernteausfällen, einer Verringerung des Viehbestands und damit zu einem Rückgang der für Kinder besonders wichtigen Milchproduktion. Dem folgte eine erhebliche Verteuerung der Grundnahrungsmittel. Auch der globale Klimawandel wirkt sich negativ auf die Region aus. In den letzten fünf Jahren blieb die ohnehin kurze Regenzeit in der Region mehrfach aus (vgl. MuB 1/09).

Konflikt



In Somalia kommen erschwerend das Fehlen staatlicher Strukturen hinzu sowie der bewaffnete Konflikt zwischen der vom Westen unterstützten Zentralregierung in Mogadischu und den radikal-islamischen Al-Schabaab-Milizen. Letztere kontrollieren weite Gebiete im Süden und Zentrum des Landes, die von der Hungersnot betroffen sind, und erschweren die Arbeit internationaler Hilfsorganisationen. Angesichts der anhaltenden Gewalt sind Nahrungsmittellieferungen in viele Regionen derzeit nahezu unmöglich.

Flüchtlinge



Ende Juli schätzten die Vereinten Nationen, dass etwa 2. Mio. Somalier ihre Heimatorte aufgrund der Hungersnot verlassen haben. Die Einwohnerzahl Somalias wird auf etwa 7,5 bis 10 Mio. Menschen geschätzt. Der Großteil der Fluchtbewegungen findet innerhalb des Landes statt. Allein die Hauptstadt Mogadischu hatte in den letzten zwei Monaten einen Zuzug von etwa 100.000 Flüchtlingen zu verzeichnen. Täglich kommen etwa 1.000 weitere hinzu. Zunehmend fliehen die Hungernden auch in die Nachbarstaaten, vor allem nach Äthiopien und Kenia. Laut dem Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) hat die Flucht auf dem Seeweg in Richtung Jemen zugenommen. Im August kamen etwa 4.000 Somalier an der jemenitischen Küste an.

Flüchtlingscamps



Der dramatische Anstieg der Flüchtlingszahlen wird vor allem in den grenznahen Flüchtlingslagern in Äthiopien und Kenia spürbar. Im kenianischen Auffanglager Dadaab waren Mitte August bereits mehr als 400.000 Flüchtlinge untergebracht, damit ist es das größte der Welt. 70% der in Dadaab Untergebrachten sind UN-Angaben zufolge Frauen und Kinder. Ursprünglich war das Flüchtlingslager für maximal 90.000 Personen ausgelegt. Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen und Care schätzen, dass sich die Zahl der Flüchtlinge bis Jahresende auf bis zu 500.000 Menschen erhöhen könnte.

Hilfszahlungen



Laut den Vereinten Nationen sind insgesamt 2,5 Mrd. US-Dollar notwendig, um den Menschen in der Region zu helfen. Europäische Staaten hatten bis Ende August rund 800 Mio. US-Dollar an Hilfszahlungen zugesagt, die Vereinigten Staaten 500 Mio. und die Organisation der Islamischen Konferenz 350 Mio. Bei einer Geberkonferenz der Afrikanischen Union wurde ebenfalls ein Sammlungsziel von 350 Mio. US-Dollar vereinbart. Die deutsche Bundesregierung erhöhte ihre Zusagen für Hilfszahlungen Mitte August von bisher geleisteten 33,5 Mio. auf 151,5 Mio. Euro.

Ausblick



Angesichts der Ausweitung der Hungersnot auf weitere Regionen Ostafrikas und der bislang unzureichenden internationalen Finanzzusagen ist derzeit kein Ende der Hungerkatastrophe und der damit verbundenen Fluchtbewegungen abzusehen. Die Vereinten Nationen kündigten Anfang August den Aufbau von so genannten "Sicherheitsnetzen" an, in deren Rahmen sowohl die afrikanischen Regierungen als auch die internationale Gemeinschaft verstärkt in Nahrungsreserven und Wassermanagemeent investieren sollen. Dadurch soll Lebensmittelknappheit in Dürrezeiten vorgebeugt werden.



 
Teaserbild Newsletter Migration und Bevölkerung

Newsletter Migration und Bevölkerung abonnieren

Hier können Sie den Newsletter Migration und Bevölkerung abonnieren oder sich aus der Mailingliste austragen. Weiter... 

Logo werkstatt.bpb.de

Wo liegen deine Wurzeln?

Was bedeutet Migration für Dich? Die 9. Klasse der Sophie-Scholl-Oberschule Berlin näherte sich dem Thema Migration auf einem Workshop von werkstatt.bpb.de mit persönlichen Zugängen und methodischer Vielfalt. Weiter... 

zum Fragebogen >

Ihre Meinung ist uns wichtig


Vielen Dank für Ihren Besuch von bpb.de!

Wir wollen unseren Internetauftritt verbessern - und zwar mit Ihrer Hilfe. Dazu laden wir Sie herzlich zu einer kurzen Befragung ein. Sie dauert etwa 10 Minuten. Die Befragung führt das unabhängige Marktforschungsinstitut SKOPOS für uns durch.

Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Teilnahme. Ihre Meinung ist uns sehr wichtig!

Ihre Bundeszentrale für politische Bildung

Information zum Datenschutz und zur Datensicherheit


Als unabhängiges Marktforschungsinstitut führt SKOPOS Institut für Markt- und Kommunikationsforschung GmbH & Co. KG im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung diese Befragung durch.

Zur Durchführung der Befragung erhebt SKOPOS Ihre IP-Adresse. Diese wird umgehend anonymisiert und getrennt von den Befragungsdaten verarbeitet, deshalb ist eine Identifizierung von Personen nicht möglich. Weitere personenbeziehbare oder personenbezogene Daten werden nicht erhoben.

Die Befragung entspricht den gesetzlichen Bestimmungen zum Datenschutz und den Richtlinien des Berufsverbandes Deutscher Markt- und Sozialforscher e.V. sowie der Europäischen Gesellschaft für Meinungs- und Marketingforschung. Es erfolgt keine Weitergabe an Dritte.

Weitere Informationen und Kontaktdaten finden Sie hier.