Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

6.9.2011

Deutschland: Studie zur Arbeitsmarktbeteiligung von Zuwanderern

Qualifizierte Zuwanderer sind besser in den Arbeitsmarkt integriert als oftmals angenommen. Vor allem bei ausländischen Frauen sowie Migranten aus den neuen EU-Mitgliedstaaten ist der Beschäftigungsanteil in allen Wirtschaftszweigen angestiegen. Erkennbar ist insbesondere eine Zunahme der Beschäftigung in den Wachstumsbranchen des Dienstleistungssektors.

Eine Anfang August veröffentlichte Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) untersuchte die Arbeitsmarktbeteiligung von Zuwanderern im Dienstleistungssektor, besonders in qualifizierten und sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen. Dabei wurden in erster Linie Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) zu deutschen und ausländischen Beschäftigten im Zeitraum 1999 bis 2008 analysiert. Hintergrund der Studie war auch die anhaltende Debatte um einen steigenden Fachkräftebedarf in Deutschland (vgl. MuB 6/11, 7/10) sowie um die Integration von Zuwanderern in den Arbeitsmarkt (vgl. MuB 3/11).

Die Studie mit dem Titel "Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Ausländerinnen und Ausländer in qualifizierten Dienstleistungen" zeigt, dass zugewanderte Arbeitskräfte in hohem Maße am Arbeitsmarkt beteiligt sind. Gerade in Wachstumsbranchen ist sowohl die Beschäftigung von deutschen als auch von ausländischen Arbeitskräften überproportional angestiegen. Diese Branchen zeichnen sich dadurch aus, dass ein hohes Qualifikationsniveau notwendig ist.

Ein besonders hoher Anstieg der Beschäftigtenzahlen von Ausländern war in den Branchen Grundstücks- und Wohnungswesen, Vermietung, Datenbanken sowie Forschung und Entwicklung zu verzeichnen. 2008 waren hier rund 3,5 Mio. Deutsche (1999: 2,5 Mio.) und etwa 350.000 Ausländer (1999: 217.000) beschäftigt. Dies entspricht 20,4% bzw. 28,9% der im Dienstleistungssektor insgesamt beschäftigten Deutschen bzw. Ausländer.

Seit 1999, dem Beginn des Untersuchungszeitraums, hat sich laut BAMF der Anteil der Ausländer in den oben genannten Branchen von 8% auf 9,1% erhöht und liegt somit über dem Gesamtdurchschnitt im Dienstleistungssektor (6,6%). Insbesondere in den Teilbereichen Datenbanken und Datenverarbeitung sowie in der Forschung konnten ausländische Beschäftige weitaus höhere Zuwächse verzeichnen, als dies bei deutschen Beschäftigten der Fall war.

Dagegen ist der Beschäftigungsanteil von ausländischen Arbeitskräften in Branchen wie dem Gaststättengewerbe oder dem Gesundheitswesen rückläufig. Der Gastronomiebereich ist dennoch weiterhin das Gewerbe mit dem höchsten Ausländeranteil unter den Beschäftigten (2008: 21,6%).

Die Studie weist auch darauf hin, dass sowohl der Anteil der Migrantinnen im Dienstleistungssektor als auch der Beschäftigten aus den neuen EU-Staaten Mittel- und Osteuropas im Untersuchungszeitraum deutlich gestiegen ist. Im Fall der Migrantinnen war eine Zunahme von durchschnittlich 19,8% zu verzeichnen, während die Zunahme bei zugewanderten Männern mit 17% etwas darunter lag. Bei deutschen Beschäftigten war der Anstieg mit 8,4% bei Männern bzw. 6,2% bei Frauen deutlich niedriger.

Besonders stark angestiegen ist die Beschäftigung ausländischer Frauen in den Bereichen Grundstücks- und Wohnungswesen, Vermietung, Datenbanken, Forschung und Entwicklung, Erziehung und Unterricht sowie Verkehr und Nachrichtenübermittlung. Hier muss jedoch einschränkend beachtet werden, dass Frauen häufiger teilzeitbeschäftigt sind als Männer.

Die in der Studie vorgenommene Auswertung der Arbeitsmarktdaten zeigt, dass die Beschäftigung von Ausländern in vielen Wirtschaftszweigen nicht parallel zur Entwicklung der Beschäftigung von Deutschen verläuft. Nicht alle profitieren in gleichem Maße von Neueinstellungen bei guter wirtschaftlicher Lage. Dennoch seien durchaus positive Signale zu erkennen. Die Autorin der Studie Barbara Heß hebt hier vor allem die steigende Beschäftigung ausländischer Frauen sowie die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen in Wachstumsbranchen des Dienstleistungssektors hervor.

Weitere Informationen:

Barbara Heß: "Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Ausländerinnen und Ausländer in qualifizierten Dienstleistungen", Download unter: www.bamf.de