Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

6.9.2011

OECD-Länder: Migration sinkt, Arbeitslosigkeit von Migranten steigt

Die verschlechterte Wirtschaftslage in den meisten OECD-Ländern hat die langfristige Einwanderung 2009 im Durchschnitt um 7% sinken lassen. Ausländer waren in vielen Staaten besonders stark von der steigenden Arbeitslosigkeit betroffen. Eine Ausnahme dabei ist Deutschland.

In dem Mitte Juli in Paris veröffentlichten "Migrationsausblick 2011" legt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Daten und Analysen der Auswirkung der Wirtschaftskrise auf Einwanderung und Beschäftigung in den Industriestaaten vor.

Einwanderung

Die langfristige Einwanderung in die Industriestaaten, d. h. für mindestens zwei Jahre, ist im Jahr 2009 durchschnittlich um 7% auf 4,25 Mio. gesunken (2008: 4,57 Mio.). In Deutschland ging die langfristige Einwanderung laut OECD um rund 13% von 228.300 auf 197.500 Personen zurück.

Die temporäre Einwanderung, z. B. von Saisonarbeitern, Ferienarbeitern und Praktikanten, sank 2009 um rund 16% im Vergleich zum Vorjahr (2009: 1,9 Mio., 2008: 2,3 Mio.). Im Gegensatz zum allgemeinen Trend verzeichnete Deutschland hier einen leichten Anstieg von 2%.

Die OECD hält den Rückgang der Einwanderung jedoch für geringer als zu Beginn der Wirtschaftskrise erwartet (vgl. MuB 6/09). Die Alterung der Bevölkerung in vielen OECD-Staaten hat die Nachfrage nach Arbeitsmigranten erhöht. Die Anzahl von Familienzusammenführungen und die Zuwanderung von Flüchtlingen waren kaum von der Wirtschaftskrise betroffen. Diese Faktoren wirkten dem Rückgang der Einwanderung entgegen.

Arbeitslosigkeit

Infolge der Wirtschaftskrise 2008 bis 2010 waren im Ausland Geborene in vielen Staaten überdurchschnittlich stark von Arbeitslosigkeit betroffen. Im Durchschnitt der europäischen OECD-Staaten stieg die Arbeitslosigkeit von im Ausland Geborenen um 3,4 Prozentpunkte und damit doppelt so stark wie die der Einheimischen. Als Hauptgrund nennt der Bericht, dass im Ausland Geborene in Branchen überrepräsentiert sind, die besonders von der Wirtschaftskrise betroffen waren, wie das Baugewerbe, das Finanzgewerbe, die Industrie und der Groß- und Einzelhandel. Im Gegensatz zu diesem Trend entwickelte sich die Arbeitslosigkeit von Zuwanderern in Deutschland im Einklang mit der der einheimischen Bevölkerung: Sie stieg von 12,3 % im Jahr 2008 (Inländer: 6,7 %) auf 12,8 % im Folgejahr (Inländer: 6,9 %) und sank 2010 auf 11,8 % (Inländer 6,5 %).

Geschlechterunterschied

Eingewanderte Frauen waren in den meisten Ländern weniger stark von Arbeitslosigkeit betroffen als eingewanderte Männer. Sie waren meist in Branchen beschäftigt, die weniger von der Krise betroffenen waren, wie z. B. im Sozialwesen und in privaten Haushalten. Außerdem stieg die Erwerbstätigkeit von im Ausland geborenen Frauen an. Die OECD führt dies darauf zurück, dass in vielen Fällen Frauen erwerbstätig wurden, um den Verdienstausfall ihrer arbeitslosen Männer auszugleichen.

In Deutschland sank die Arbeitslosenquote von im Ausland geborenen Frauen zwischen 2008 und 2010 von 12,4% auf 10,7%. Bei im Ausland geborenen Männern stieg sie dagegen von 12,3% (2008) auf 12,6% (2010). Laut OECD kann die stärkere Erwerbstätigkeit von Migrantinnen einen langfristig positiven Effekt auf die Integration dieser Frauen in den Arbeitsmarkt haben.

Jugendarbeitslosigkeit

Junge Migranten zwischen 15 und 24 Jahren waren in den meisten europäischen OECD-Staaten besonders stark von der Wirtschaftskrise betroffen. Sie waren 2010 mit 24,5% deutlich häufiger arbeitslos als im Inland geborene Jugendliche (19,6%). Besonders hoch war die Jugendarbeitslosigkeit bei Migranten in Spanien (44%), Schweden und Belgien (je 35%).

Langzeitarbeitslosigkeit

Migranten waren in fast allen Staaten überproportional von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. In den meisten OECD-Ländern waren zwischen dem ersten Quartal 2008 und dem dritten Quartal 2010 über 30% der im Ausland geborenen Arbeitslosen für mehr als 12 Monate auf der Suche nach einem Job. In Deutschland waren es sogar über 50%, mit einer leicht sinkenden Tendenz im Jahr 2010.

Fazit

Die OECD forderte ihre Mitgliedstaaten auf, besondere Maßnahmen gegen Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit von Migranten zu ergreifen, damit diese sich nicht verfestigen.

EU-Kommissar für Arbeit und Soziales Lázló Andor sagte bei der Vorstellung des Berichts: "Wir können die soziale Situation vieler Migrantengruppen verbessern, indem wir Jugendarbeitslosigkeit breiter bekämpfen". EU-Kommissarin für Inneres Cecilia Malmström stellte fest: "Auch wenn die Wirtschaftskrise den Bedarf an Arbeitsmigranten in bestimmten Branchen vermindert hat, wird es wahrscheinlich einen fortgesetzten stabilen Bedarf nach Arbeitskräften geben, der nicht ohne Weiteres von EU-Bürgern gedeckt werden kann."

Weitere Informationen:
OECD (2011): International Migration Outlook: SOPEMI 2011, OECD Publishing,
dx.doi.org/10.1787/migr_outlook-2011-en