30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

19.7.2011

Deutschland: Mehr Einbürgerungen

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Einbürgerungen im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen. Sie liegt aber weiterhin deutlich unter dem Niveau der 1990er Jahre.

Im Jahr 2010 wurden 101.600 Ausländer in Deutschland eingebürgert. Dies entspricht einem leichten Anstieg um 5.500 Einbürgerungen im Vergleich zum Vorjahr (2009: 96.100; +5,7%). Die meisten Eingebürgerten waren wie in den vergangenen Jahren türkeistämmig (26.600). Es folgten Personen aus Serbien, Montenegro und Kosovo (6.500), dem Irak (5.200) und Polen (3.800). In zwölf Bundesländern wurden mehr Einbürgerungen als im Vorjahr registriert, in vier Bundesländern sank die Zahl der Einbürgerungen. In absoluten Zahlen verzeichneten Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Hessen den größten Anstieg an Einbürgerungen, Berlin und das Saarland den größten Rückgang.

Zwischen 2008 und 2009 wurde erstmals seit Einführung des neuen Staatsangehörigkeitsrechts im Jahr 2000 wieder ein leichter Anstieg der Einbürgerungen festgestellt (vgl. MuB 6/10). Seit 2000 waren die Einbürgerungszahlen mit Ausnahme von 2006 kontinuierlich zurückgegangen und erreichten 2008 einen Tiefstand (2000: 186.700; 2008: 94.500).

Die Eingebürgerten waren im Durchschnitt knapp 30 Jahre alt und lebten seit rund 15 Jahren in Deutschland. Seit 2000 erhebt das Statistische Bundesamt auch das so genannte ausgeschöpfte Einbürgerungspotenzial. Dabei wird die Zahl der tatsächlichen Einbürgerungen zur Zahl der möglichen Einbürgerungen, also der Ausländer, die die Voraussetzungen erfüllen, ins Verhältnis gesetzt. Auch im vergangenen Jahr lag dieses Einbürgerungspotenzial mit 2,2% auf sehr niedrigem Niveau (2009: 2,1%).

Der migrationspolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen Memet Kilic sagte, der leichte Anstieg könne nicht als Erfolg gewertet werden: "Die Einbürgerungszahlen in Deutschland waren jahrelang so rückläufig, dass ein tiefes Tal erreicht wurde. Weniger Einbürgerungen waren kaum möglich." Die Sprecherin für Migrationspolitik der Linken Sevim Dagdelen kritisierte, dass die Einbürgerungsvoraussetzungen gezielt so erhöht worden seien, dass sie von vielen gar nicht erfüllt werden könnten. Sowohl Kilic als auch Dagdelen forderten eine Erleichterung der Einbürgerungsvoraussetzungen, etwa kürzere Aufenthaltsfristen oder die Anerkennung von Mehrstaatigkeit.