Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

19.7.2011

UNHCR: Zahl der Flüchtlinge weltweit gestiegen

Die Zahl der Flüchtlinge weltweit ist 2010 auf den höchsten Stand seit 15 Jahren gestiegen. Die ärmeren Länder tragen die Hauptlast bei ihrer Aufnahme. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR appellierte erneut an die Industriestaaten, mehr Flüchtlinge aufzunehmen.

Laut dem jährlich erscheinenden Flüchtlingsbericht des UNHCR "Global Trends 2010", der Ende Juni in Rom vorgestellt wurde, ist die Zahl der Flüchtlinge weltweit Ende 2010 auf 43,7 Mio. gestiegen (2009: 43,3 Mio.; vgl. MuB 6/10 ). Damit setzt sich seit 2005 ein steigender Trend fort (2005: 37,5 Mio.).

Von den 43,7 Mio. Menschen waren 15,4 Mio. anerkannte Flüchtlinge. Weitere 27,5 Mio. waren so genannte Binnenflüchtlinge, also Personen die innerhalb ihres Landes in einer anderen Region Zuflucht suchen mussten. Dazu kamen ca. 838.000 Asylbewerber, über deren Status noch nicht entschieden war. So genannte Klimaflüchtlinge wurden in dem Bericht des UNHCR nicht berücksichtigt (vgl. MuB 6/09).

Hauptherkunftsländer

Mit 3 Mio. Personen machten im vergangenen Jahr Afghanen weltweit die größte Flüchtlingsgruppe aus (2009: 2,9 Mio.). Danach folgten Iraker (2010: 1,7 Mio., 2009: 1,8 Mio.), Somalier (2010: 770.000, 2009: 680.000) und Kongolesen (2010: 477.000, 2009: 456.000).

Hauptaufnahmeländer

Drei Viertel aller Flüchtlinge weltweit leben in einem Nachbarland ihres Herkunftslandes. Entwicklungsländer sind Zufluchtsort für 80 % aller grenzüberschreitenden Flüchtlinge. Die Länder mit der größten Flüchtlingsbevölkerung waren 2010 wie auch im Vorjahr Pakistan (1,9 Mio.), Iran (1,1 Mio.) und Syrien (1 Mio.).

Deutschland folgt mit 594.000 Personen auf Platz vier. Wie im Vorjahr waren die größten Flüchtlingsgruppen serbische (122.000), türkische (98.000) und irakische Staatsbürger (50.000; vgl. MuB 6/10 ).

Asyl

Die Zahl der Asylsuchenden weltweit ging 2010 im Vergleich zum Vorjahr deutlich auf 846.000 zurück (2009: 948:000, -11 %; vgl. MuB 4/11). 729.000 davon waren Erstanträge.

Wie in den beiden vorangegangenen Jahren wurden mit Abstand die meisten Asylanträge in Südafrika gestellt. Von den 181.000 Asylsuchenden in Südafrika (2009: 222.000, –13 %) kamen 80 % aus Zimbabwe (vgl. MuB 1/11).

Die USA war mit 54.000 Asylanträgen das zweitwichtigste Antragsland. Der Anstieg um 13 % im Vergleich zum Vorjahr (48.000) war v. a. auf die vermehrten Anträge von Chinesen und Mexikanern zurückzuführen. Frankreich verzeichnete im Jahr 2010 mit 48.000 Anträgen die dritthöchste Anzahl an Asylsuchenden (2009: 42.000, +14 %). Vor allem Anträge von Georgiern (+188 %), Bangladeschern (+118 %) und Haitianern (+38%) nahmen stark zu. In der UNHCR-Statistik belegte Deutschland bei der Zahl der Asylsuchenden mit 41.300 Asylerstanträgen Platz vier (vgl. MuB 1/11). Die meisten Asylerstanträge wurden von Afghanen, Irakern und Serben gestellt.

2010 wurden weltweit 223.000 Personen als Flüchtlinge anerkannt oder erhielten einen anderen Schutzstatus (2009: 274.500).

Binnenflüchtlinge

Die Zahl der vom UNHCR versorgten Binnenflüchtlinge sank 2010 auf 14,7 Mio. Personen (-6 %, 2009: 15,6 Mio.). Große Gruppen von Binnenflüchtlingen, die vom UNHCR betreut wurden, gab es Ende 2010 in Kolumbien (3,6 Mio. Personen), im Kongo (1,7 Mio.), im Sudan (1,6 Mio.), in Somalia (1,5 Mio.) und im Irak (1,3 Mio.).

Rückkehr und Umsiedlung

2,9 Mio. Binnenflüchtlinge kehrten 2010 in ihre Herkunftsregion zurück, so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die meisten Rückkehrer gab es innerhalb Pakistans (1,2 Mio.) und des Kongos (461.000).

Die Zahl der internationalen Flüchtlinge, die 2010 freiwillig zurückkehrten, fiel mit knapp 200.000 Personen dagegen so gering aus wie seit 20 Jahren nicht mehr (2009: 252.000, -21 %).

Die Zahl der vom UNHCR umgesiedelten Flüchtlinge ging 2010 ebenfalls leicht zurück (2010: 98.800; 2009: 112.400). Im Rahmen des UNHCR-Umsiedlungsprogramms (Resettlement) nehmen Staaten Flüchtlinge auf, für die mittelfristig keine Aussicht auf Rückkehr in ihr Herkunftsland besteht und die in ihrem Erstaufnahmeland nicht ausreichend versorgt werden können. Die meisten Flüchtlinge wurden 2010 in die USA (71.000), Kanada (12.000) und Australien (8.500) umgesiedelt. Deutschland nahm 469 dieser Flüchtlinge auf.

Nach Angaben des UNHCR lag der Bedarf an Umsiedlungsplätzen um ein Vielfaches höher, bei ca. 747.000. Für 2011 erhöht sich der Bedarf voraussichtlich auf 805.000.

Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge António Guterres sagte anlässlich der Vorstellung des Berichts: "Ängste vor angeblichen Massenbewegungen von Flüchtlingen in den Industrieländern sind stark übertrieben." Stattdessen würden die ärmeren Länder die größten Belastungen tragen. Er forderte die Industrieländer dazu auf, sich stärker an der Aufnahme von Flüchtlingen zu beteiligen. Die Umsiedlungsquote müsse erhöht und Friedensinitiativen in lang anhaltenden Konflikten müssten beschleunigt werden, so dass Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren könnten.