30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

18.5.2011

Argentinien: Mehr Zuwanderung

Argentinien entwickelt sich zunehmend zu einem Zielland internationaler Migration. Dies geht aus Statistiken des argentinischen Migrationsamtes hervor, die Ende April veröffentlicht wurden. Neben der Einwanderung aus südamerikanischen Nachbarstaaten, allen voran aus Bolivien und Paraguay, ist insbesondere die Zuwanderung junger und hochqualifizierter Spanier angestiegen.

In den letzten zwei Jahren (2009/10) sind nach Angaben der argentinischen Generaldirektion für Migration etwa 34.000 Spanier eingewandert. Die meisten von ihnen kamen als Touristen und sind dann in Argentinien geblieben. Mit einer Gesamtzahl von rund 346.000 Spaniern ist Argentinien das Land mit der größten Zahl an spanischen Staatsbürgern außerhalb Spaniens. Dabei handelt es sich vor allem um junge Spanier im Alter von 25 bis 40 Jahren, die über ein hohes Bildungsniveau verfügen. Hauptzielregion ist Buenos Aires.

Migrationsforscher erklären die steigende Zuwanderung aus Spanien mit den Folgen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise. In Argentinien seien die Chancen auf dem Arbeitsmarkt besser als in Spanien. Dies hänge nicht zuletzt mit dem starken Wirtschaftswachstum zusammen, das sich seit 2003 jährlich zwischen 7,5% und 10% bewegt. Die spanische Wirtschaft hatte 2009 hingegen eine Rezession zu verkraften (-3,7%). Auch kehrten viele Argentinier zurück, die vormals nach Spanien ausgewandert waren – allein im Jahr 2010 waren es 12.237 Argentinier.

Die Besonderheit der spanischen Zuwanderung nach Argentinien ist der zirkuläre Charakter in historischer Perspektive. Die argentinische Bevölkerung setzte sich zunächst aus europäischen Zuwanderern, vor allem Italienern und Spaniern, zusammen. Auch heute stammen der offiziellen Statistik zufolge etwa 90% der insgesamt rund 40,5 Mio. Argentinier von europäischen Zuwanderern ab, davon 36% von Italienern, 29% von Spaniern und etwa 3 bis 4% von Deutschen.

Eine Besonderheit der deutschen Zuwanderung ist der Umstand, dass in den 1930er Jahren zunächst deutsche Juden und andere Verfolgte des Nazi-Regimes nach Argentinien flohen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hingegen fanden viel Nazis Zuflucht in dem südamerikanischen Land, darunter auch hochrangige Vertreter des Regimes.

Etwa 10% der Bevölkerung sind so genannte Mestizen, also Nachfahren von Europäern und der indigenen Bevölkerung. Die indigene Bevölkerung wird auf 1 bis 1,5 Mio. Personen geschätzt.

Im Zuge der argentinischen Wirtschaftskrise zwischen 1998 und 2002 verließen zehntausende Argentinier das Land, überwiegend in Richtung Italien und Spanien. Dabei profitierten viele Auswanderer von den italienischen bzw. spanischen Staatsangehörigkeitsgesetzen. Demnach wird die Staatsangehörigkeit auch an Nachfahren von italienischen bzw. spanischen Emigranten verliehen (vgl. MuB 8/08, 9/06).

Verglichen mit der Einwanderung aus den südamerikanischen Nachbarstaaten Argentiniens ist die spanische Zuwanderung weiterhin eher gering. Diversen Schätzungen zufolge beläuft sich die Gesamtzahl der Paraguayer in Argentinien auf etwa 2,5 Mio. Personen und die der Bolivianer auf 1,5 bis 2 Mio. Personen.

Seit der Volkszählung 2001 gibt es zwar keine offiziellen Zahlen zu einzelnen Nationalitäten, aber Daten der Generaldirektion für Migration spiegeln die Vergabe von Aufenthaltsgenehmigungen für die Jahre 2004 bis 2010 wider. Demnach erhielten in diesem Zeitraum 309.304 Personen aus Paraguay (33,4%), 270.655 aus Bolivien (29,2%) und 154.888 aus Peru (16,7%) eine Aufenthaltsgenehmigung.

Während die europäische Zuwanderung von der argentinischen Bevölkerung im Allgemeinen als unproblematisch angesehen wird, kam es im Laufe der letzten Jahre zu wachsender Fremdenfeindlichkeit gegenüber südamerikanischen Einwanderern. Letztere leben zumeist ohne Aufenthaltsgenehmigung im Land, teilweise unter schlechten Lebensbedingungen. Beispielsweise kam es in der Hauptstadt Buenos Aires im Dezember 2010 zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen argentinischen Sicherheitskräften und größtenteils undokumentierten Migranten aus südamerikanischen Nachbarstaaten, vier Migranten starben dabei. Die Migranten hatten durch die Besetzung eines öffentlichen Parks auf ihre problematischen Lebensumstände hinweisen wollen.