Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

20.4.2011

UNHCR-Bericht: Rückgang der Asylbewerberzahlen

Die Zahl der Asylbewerber in Industrieländern ist 2010 weiter gesunken. Im Zehnjahresvergleich hat sich die Zahl fast halbiert. Dies teilte das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) Ende März in seinem aktuellen Bericht "Asylum Levels and Trends in Industrialized Countries 2010" mit. In Deutschland ist die Zahl der Asylsuchenden jedoch gestiegen.

2010 beantragten insgesamt 358.800 Menschen Asyl in 44 Industrieländern. Das sind etwa 5% weniger als 2008 und 2009 und 42% weniger im Vergleich zu 2001. Im vergangenen Jahr wurde mit 620.000 Asylanträgen der Spitzenwert des vergangenen Jahrzehnts erreicht.

Zu den 44 Ländern, deren Asyldaten das UNHCR für seinen Bericht jährlich auswertet, zählen die 27 EU-Staaten sowie Albanien, Australien, Bosnien und Herzegowina, Kanada, Kroatien, Island, Japan, Liechtenstein, Montenegro, Neuseeland, Norwegen, Serbien (inkl. Kosovo), die Schweiz, Südkorea, die Türkei, die USA und die Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien.

Zielländer

Vor allem in den südeuropäischen Ländern ging die Asylbewerberzahl zurück. 2010 wurden hier 33.600 Anträge gestellt, das entspricht einem Rückgang um 33% im Vergleich zu 2009 (50.100 Anträge), im Vergleich zu 2008 (74.400 Anträge) sogar um 55%. So fiel die Zahl der Asylsuchenden in Griechenland um 36%, in Italien um 53% und auf Malta um 94%.

In Nordeuropa standen Zuwächse in Schweden (+32%) und Dänemark (+30%) starken Rückgängen in Norwegen (-42%) und Finnland (-32%) gegenüber. Im weltweiten Vergleich gab es die meisten Asylbewerber in den USA (55.500). Dort ist vor allem ein Anstieg von chinesischen und mexikanischen Asylbewerbern festzustellen. Auf Platz zwei rangiert Frankreich mit 47.800 Asylsuchenden. Mit 41.330 Neuanträgen folgt Deutschland auf Platz drei. Dies ist der höchste Wert seit 2003 und bedeutet eine Steigerung um 49% im Vergleich zu 2009 (27.650, Platz 5). Danach folgen Schweden (31.800) und Kanada (23.200) in der Statistik der 44 Industrienationen.

Herkunftsländer

Weltweit waren 2010 Asylsuchende aus Serbien/Kosovo mit 28.900 die größte Gruppe (+54% im Vergleich zu 2009). Als Grund wird die Aufhebung der EU-Visumspflicht für Serben, Montenegriner und Mazedonier seit Januar 2010 genannt. Auch in Deutschland stammten die meisten Asylbewerber aus Serbien/Kosovo (6.600), gefolgt von Asylsuchenden aus Afghanistan (5.900). Letztere stellten in den Industrienationen insgesamt die zweitgrößte Gruppe. 2009 rangierten sie mit 27.150 Bewerbern weltweit noch auf Platz eins. Mit 24.800 Bewerbern ging ihre Zahl 2010 jedoch um 9% zurück. Chinesische Asylsuchende traten weltweit an die dritte Stelle (21.600, +7%). Zum ersten Mal seit 2005 war der Irak nicht unter den beiden Hauptherkunftsländern, sondern auf Rang vier (20.100, -18%), gefolgt von der Russischen Föderation (18.900, -7%).

Reaktion

UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres kritisierte, dass es noch immer die Entwicklungsländer seien, die die größte Verantwortung im Flüchtlingsschutz tragen müssten: "Trotz vieler anderer Herausforderungen halten Länder wie Liberia, Tunesien und Ägypten ihre Grenzen für schutzbedürftige Menschen offen. Ich rufe alle Länder dazu auf, sie bei dieser Aufgabe zu unterstützen", appellierte Guterres an die Industrieländer.