Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

1.9.2010

Deutschland: Immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund

Die Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund hat 2009 erstmals die 16-Mio.-Schwelle überschritten. Inzwischen handelt es sich um jeden fünften Einwohner Deutschlands, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden Mitte Juli mitteilte. Eine aktuelle Studie der Universität Rostock widerspricht der Annahme, Migrantinnen würden deutlich mehr Kinder bekommen als deutsche Frauen.

Im vergangenen Jahr lebten 16,048 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Dazu zählt das Statistische Bundesamt die seit 1950 nach Deutschland Zugewanderten und deren Nachkommen (vgl. MuB 10/08). Ihr Anteil ist im Vergleich zu den Ergebnissen des Mikrozensus aus dem Jahr 2005, als das Merkmal Migrationshintergrund erstmalig erfasst wurde, von 18,6 % (15,3 Mio.) auf 19,6 % gestiegen (vgl. MuB 3/08, 5/07,5/06). Für den Anstieg nennt das Statistische Bundesamt v. a. zwei Gründe: Von 2005 bis 2009 ist der Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund durch Zuzug und Geburten um 715.000 Personen angewachsen. Zugleich schrumpfte die einheimische Bevölkerung seit 2005 um 1,3 Mio., hauptsächlich durch Todesfälle.

Die beiden größten Migrantengruppen kommen aus der Türkei (3 Mio.) und aus der früheren Sowjetunion (2,9 Mio.). Aus Ex-Jugoslawien und Polen stammen je 1,5 Mio., aus Italien 830.000 und aus Griechenland 403.000. 96 % aller Personen mit Migrationshintergrund leben auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik und des früheren Westberlin. Mit einem Altersdurchschnitt von 34,7 Jahren sind sie deutlich jünger als Personen ohne Migrationshintergrund (45,6 Jahre). Unter den Neugeborenen machen sie inzwischen 30 % aus, in städtischen Ballungsgebieten teilweise 60 % und mehr.

Allerdings bekommen auch Migrantinnen zunehmend weniger Kinder. Dies ist das Ergebnis einer im August veröffentlichten Studie der Universität Rostock. "Frauen der zweiten Migrantengeneration haben sich dem Geburtenverhalten von deutschen Frauen nahezu angepasst", fand die Soziologin Nadja Milewski heraus. In der Studie wurde anhand von Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) das Geburtsverhalten von Frauen aus der Türkei, Ex-Jugoslawien, Griechenland, Italien und Spanien untersucht. Demnach werden Migrantinnen im Vergleich zu westdeutschen Frauen rund zwei Jahre früher Mutter. Ebenso wie für deutsche Frauen gelte für Zuwanderinnen aber: Je höher der Bildungsabschluss, desto später bekommen die Frauen Kinder. Die Wissenschaftlerin führt das u. a. darauf zurück, dass mit zunehmender Bildung auch die Wahrscheinlichkeit einer Erwerbstätigkeit steigt.

Während Frauen, die heute nach Deutschland kommen, oft ein hohes Qualifikationsniveau haben, sei dies vor einigen Jahren noch anders gewesen. Die Frauen der ersten Migrantengeneration waren meist nicht erwerbstätig, was eine frühere Familiengründung und eine höhere Kinderzahl begünstigte. Für die ersten Jahre nach Ankunft der Migrantinnen in Westdeutschland zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit, ein erstes Kind zu bekommen, v. a. in den ersten beiden Jahren hoch war – etwa sechsmal so hoch wie die für Frauen aus Westdeutschland im gleichen Alter.

Türkischstämmige Frauen haben im Gegensatz zu Migrantinnen aus anderen Ländern auch heute noch häufiger drei Kinder. Dennoch gebe es auch unter Türkinnen der zweiten Generation einen Anpassungstrend an die "demographischen Muster" in Deutschland, heißt es in der Studie.