Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

1.10.2009

USA: Erstmals Rückgang der im Ausland geborenen Bevölkerung

Die im Ausland geborene Bevölkerung in den Vereinigten Staaten ist erstmals seit 1970 zurückgegangen. Dies geht aus Daten des Ende September veröffentlichten "American Community Survey 2008" hervor. Der Rückgang wird in erster Linie auf die Wirtschaftskrise zurückgeführt.

Die Ergebnisse des "American Community Survey" (ACS) werden jährlich vom US-Zensusbüro herausgegeben. Die Umfrage ist eine auf Fragebögen basierte Längsschnittstudie, die monatlich an etwa 250.000 Haushalte versendet wird. Pro Jahr umfasst der ACS rund 3 Mio. Haushalte in den USA und dem assoziierten US-Territorium Puerto Rico.

ACS-Schätzungen zufolge lebten 2008 rund 38 Mio. im Ausland geborene Personen in den USA. Deren Zahl ist im Jahr 2008 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 100.000 gesunken. Statistisch ist dieser Rückgang zwar minimal, aber er stellt eine Wende dar. In den Jahren 2000 bis 2006 verzeichnete die im Ausland geborene Bevölkerung einen jährlichen Zuwachs von rund 1 Mio. Personen, 2007 lag der Zuwachs bei rund 0,5 Mio. Personen. Der bisherige Trend eines kontinuierlichen Zuwachses der Bevölkerung mit direktem Migrationshintergrund ist damit unterbrochen.

Bei der Gruppe der in Mexiko Geborenen wurde zwischen 2007 und 2008 mit 300.000 Personen ein besonders starker Rückgang verzeichnet. Mexikaner stellen die weitaus größte Gruppe sowohl innerhalb der ausländischen Wohnbevölkerung in den USA als auch bei den legalen und irregulären Neuzuwanderern dar. Von 30,7 Mio. in den Vereinigten Staaten lebenden Mexikanern wurden 11,3 Mio. außerhalb der USA geboren. Das sind rund 30 % aller im Ausland geborenen Personen in den USA.

Der Rückgang ist in erster Linie eine Folge der Wirtschaftskrise. Dementsprechend war in den von der Krise am stärksten betroffenen Bundesstaaten die Differenz zum Vorjahr am deutlichsten, so etwa in Kalifornien, Florida, Arizona und Michigan. Vor der Wirtschaftskrise hatten Hispanics, also Personen mit lateinamerikanischer Abstammung, eine höhere Beschäftigungsrate als Afroamerikaner oder die angelsächsische Mehrheitsbevölkerung. In der Rezession sind sie jedoch besonders stark von Arbeitslosigkeit betroffen, da die Mehrzahl von ihnen in unsicheren Arbeitsverhältnissen beschäftigt ist.

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Info

USA: Mehr Todesfälle an Südgrenze

Trotz eines Rückgangs der Aufgriffe undokumentierter Einwanderer ist die Zahl der Todesfälle an der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko im laufenden Jahr wieder angestiegen. Dies geht aus den Zahlen der US-Grenzschutzbehörde (border patrol) sowie einem gemeinsamen Bericht der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) und dem mexikanischen Nationalen Zentrum für Menschenrechte (CNDH) hervor. Während die Zahl der Aufgriffe an der US-Grenze in den letzten zwei Jahren um etwa 50 % gesunken ist, starben zwischen Oktober 2008 und September 2009 416 Migranten beim Versuch des illegalen Grenzübertritts (2008: 390, 2007: 398, 2006: 454). ACLU und CNDH führen den Anstieg auf die Ausweitung der Grenzschutzmaßnahmen und die daraus resultierende Verschiebung der Migrationsrouten in lebensfeindliche Berg- und Wüstenregionen zurück. Von 1994 bis heute sind etwa 5.600 Migranten beim Versuch der illegalen Einreise in die USA ums Leben gekommen.
www.aclu.org/
Während einwanderungskritische Forschungsinstitute wie das Center for Immigration Studies den Rückgang auch als Erfolg der Verstärkung des US-amerikanischen Grenzschutzes hervorheben, gehen die meisten Analysten davon aus, dass nach einer Erholung der wirtschaftlichen Lage auch die Einwanderung aus Mexiko und anderen Staaten wieder ansteigen wird.

Die Zuwanderung aus Mexiko in die USA geht derzeit zurück. Dies belegen aktuelle Zahlen des Pew Hispanic Center (PHC) und der amerikanischen Grenzschutzbehörden. Eine im Juli 2009 veröffentlichte Studie des PHC zeigt, dass die jährliche Zuwanderung aus Mexiko seit 2006/07 von etwa 1 Mio. Neuzuwanderern auf 636.000 (2008/09) zurückgegangen ist. Die Rückwanderung mexikanischer Migranten in ihr Herkunftsland ist im selben Zeitraum etwa auf gleichem Niveau geblieben (zwischen 430.000 und 480.000 pro Jahr). Einer weiteren Studie des Pew Hispanic Center zufolge besteht dennoch eine hohe Auswanderungsbereitschaft innerhalb der mexikanischen Bevölkerung.

Nach Angaben der US-amerikanischen Grenzschutzbehörde wurden weniger Migranten bei dem Versuch aufgegriffen, die Grenze illegal zu überqueren (2004 bis 2006: ca. 1 Mio. Personen pro Jahr; 2008: 662.000). Zugleich stieg die Zahl der Todesfälle am Grenzstreifen zwischen den USA und Mexiko in diesem Jahr an (vgl. Infokasten).