Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

1.10.2009

Mexiko: Hohe Bereitschaft zur Auswanderung in die USA

Ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung Mexikos steht einer potenziellen Auswanderung in die Vereinigten Staaten positiv gegenüber. Die Gründe für die hohe Auswanderungsbereitschaft liegen in steigender Kriminalität, der schlechten wirtschaftlichen Lage, Korruption sowie ausufernder Gewalt im Bandenkrieg der Drogenkartelle.

Die im Rahmen des "Pew Global Attitudes Project" veröffentlichte Studie basiert auf einer in Mexiko erhobenen repräsentativen Umfrage mit insgesamt 1.000 Befragten im Alter von über 18 Jahren. Schwerpunkthemen der Umfrage in Mexiko waren Einwanderung, der Kampf gegen Drogenkartelle, die wirtschaftliche Situation Mexikos, die politische Klasse des Landes sowie die Beziehungen zu den USA. Kriminalität (81 %) und Drogenhandel (73 %) sowie ökonomische Probleme (75 %) werden als die derzeit größten Probleme angesehen, doch auch Korruption in der mexikanischen Politik (65 %) steht an prominenter Stelle innerhalb der Umfrage. 57 % der Befragten sind der Meinung, dass Migranten in den USA ein besseres Leben erwarte (2007: 51 %). 39 % der Befragten gaben an, dass Verwandte oder enge Freunde in den USA leben würden. Ein Drittel der Befragten erklärte die Bereitschaft zur Auswanderung in die Vereinigten Staaten, wenn sie die finanziellen Mittel und die Möglichkeit dazu hätten. 18 % sind sogar zu einer Auswanderung auf irregulärem Wege bereit.

Die Ergebnisse der Pew-Studie stehen im Gegensatz zum aktuellen Trend des Rückgangs der mexikanischen Einwanderung in das nördliche Nachbarland und reflektieren die immensen Probleme im heutigen Mexiko. Seit Präsident Felipe Calderón (PAN, Konservative) den Kampf gegen Drogenkartelle zu einem Schwerpunkt seiner Regierungsarbeit erklärte und die Präsenz von Bundespolizei und Militär in zahlreichen Regionen Mexikos erheblich verstärkt hat, haben gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen konkurrierenden Drogenkartellen sowie zwischen Drogenkartellen und Militär bzw. Polizei weiter zugenommen. Seit Ende 2006 wurden mehr als 14.000 Menschen, meist Kleindealer, im so genannten "Drogenkrieg" von Angehörigen konkurrierender Kartelle umgebracht. Diese Tendenzen sowie die täglichen Medienberichte über Gewaltexzesse, Entführungen und Schutzgelderpressungen führen zu einem allgemeinen Gefühl der Unsicherheit in der mexikanischen Gesellschaft.

Hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung Mexikos ist Folgendes festzuhalten: Mexiko ist zwar eine der größten Wirtschaftsmächte Lateinamerikas und zählt neben Brasilien und Argentinien zu den lateinamerikanischen Mitgliedsländern der G-20, andererseits jedoch ist die mexikanische Wirtschaft nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) die am stärksten von der Wirtschaftskrise betroffene Ökonomie. Dies hängt v. a. mit der starken Abhängigkeit von den Handelsbeziehungen mit den USA zusammen. Unter den vom IWF analysierten Industrie- und Schwellenländern hat keine Nation - gemessen am Bruttoinlandsprodukt - einen derart hohen Rückgang der Wirtschaftskraft zu verzeichnen wie Mexiko (Prognose für 2009: –7,3 %).

Die Wirtschaftskrise wirkte sich bereits auf die Rücküberweisungen von mexikanischen Migranten weltweit aus. Während diese in den Jahren 2004-2006 jährlich um etwa 20 % stiegen, betrug der Zuwachs 2007 nur noch 2 % (2004: 18,3 Mrd. USD; 2005: 21,7 Mrd. USD; 2006: 25,6 Mrd. USD; 2007: 26,1 Mrd. USD). 2008 wurde ein Rückgang um 3,6 % verzeichnet (25,1 Mrd. USD). Die Rücküberweisungen von Migranten zählen neben der Ölförderung und dem Tourismus zu den drei wichtigsten Einnahmequellen Mexikos.

Neueren mexikanischen Studien zufolge können Migranten ihren in Mexiko verbliebenen Familienangehörigen aber auch zur Last fallen. Der Fall tritt in der Regel dann ein, wenn die Auswanderer beispielsweise aufgrund von Arbeitslosigkeit ihre Schulden bei den Schleuserorganisationen nicht zurückzahlen können und ihre Angehörigen für die Begleichung der Schulden aufkommen müssen.