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1.7.2009

Nordirland: Gewalt gegen Roma

In der nordirischen Hauptstadt Belfast hat es Anfang Juni mehrere rassistische Übergriffe auf rund 20 aus Rumänien stammende Roma-Familien gegeben. 114 Personen waren betroffen. Zwischenzeitlich übernachteten die Familien aus Angst vor den gewaltsamen Übergriffen in einer Kirche.

Die mutmaßlichen Täter sind Mitglieder der rechtsextremen Gruppe "Combat 18". Zwei von ihnen wurden bereits festgenommen. Die Täter bewarfen sowohl die Wohnhäuser der Roma als auch die Kirche, in der die Familien Zuflucht gesucht hatten, mit Steinen. Die meisten der angegriffenen Roma wollen Belfast nun verlassen und nach Rumänien zurückkehren. Die Stadt Belfast trägt die Kosten für die Rückkehr der Rumänen.

Der stellvertretende erste Minister Nordirlands Martin McGuinness (Sinn-Féin), nannte die jüngsten Übergriffe eine völlig unverzeihliche, "beschämende Episode". Die Bürgermeisterin von Belfast Naomi Long (Alliance Party) verlangte Respekt gegenüber den Roma und die Achtung ihrer Würde. Sie wolle nicht zuschauen, wie Menschen aus Belfast vertrieben würden.

Roma leben als ethnisch-kulturelle Minderheit vor allem in südosteuropäischen und einigen mitteleuropäischen Staaten. Sie sind sowohl aufgrund ihrer ethnischen Herkunft als auch aufgrund ihrer sozial schwachen Situation häufig Diskriminierungen ausgesetzt (vgl. MuB 8/08, 2/07). In Ungarn leben mit etwa 700.000 die meisten Roma, gefolgt von Rumänien (rund 530.000 Roma), Griechenland (rund 350.000) und Albanien (ca. 120.000). In Deutschland leben schätzungsweise 70.000 Roma, in Nordirland weniger als 1.000. Mit ca. 8. Mio. sind die Roma die größte Minderheit in der Europäischen Union (vgl. MuB 8/03).