Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

1.3.2009

Finnland: Neue Beratungsstelle für Einwanderer

Eine neue Servicestelle in Helsinki soll Einwanderern die ersten Schritte in Finnland erleichtern. Der Fokus der Servicestelle liegt auf Arbeitsmigranten. Das Pilotprojekt läuft noch bis Ende 2009.

Seit November 2008 bietet die neue Servicestelle "In To" insbesondere Arbeitsmigranten Dienstleistungen der Sozialversicherungsanstalt (Kela) und der Obersten Steuerbehörde zentral aus einer Hand. Die Beratungsstelle richtet sich zum einen an ausländische Beschäftigte, Arbeitsuchende, Selbstständige und Studenten, zum anderen an finnische Vermittlerfirmen und Arbeitgeber, die Personal aus dem Ausland suchen. Sie ist zunächst mit zwei Mitarbeitern von der Sozialversicherungsanstalt und von der Obersten Steuerbehörde besetzt. Eine Ausweitung auf andere behördliche Bereiche wie das Einwohnermeldeamt ist vorgesehen, sagte Ritva Männynoksa von Kela gegenüber "Migration und Bevölkerung". "Die bisherige Kooperation ist nur ein kleiner, aber wichtiger Schritt, um den Einwanderern die erste Zeit hier bei uns zu erleichtern."

Die Idee, staatliche Dienste an einem Ort zu bündeln, ist nicht neu in Finnland. Behördliche Kooperationen sind in jüngster Zeit v. a. in kleineren Städten und Gemeinden anzutreffen. Viele Behörden sind hier geschlossen worden, weil anders als im Großraum Helsinki die Bevölkerung im ländlichen Raum teilweise schrumpft, zum Beispiel in Lappland.

Mit seiner Ausrichtung auf Einwanderer ist das Projekt "In To" in Finnland einzigartig. Die Servicestelle wurde bisher nur in der finnischen Hauptstadt eingerichtet, soll aber nach Ende der Pilotphase Ende 2009 auch auf andere Städte ausgeweitet werden. Im Großraum Helsinki, also in der Hauptstadt und den Nachbarstädten Espoo und Vantaa, kommen die meisten Einwanderer an. Von den rund 1 Mio. Einwohnern sind hier rund 5 % Migranten. In Helsinki beträgt ihr Anteil 6 %. Insgesamt leben knapp 560.000 Menschen in der finnischen Hauptstadt. "Helsinkis Bevölkerungswachstum in den letzten zwei bis drei Jahren ist hauptsächlich auf Einwanderung zurückzuführen", sagte Männynoksa.

Der Fokus der Servicestelle liegt auf Arbeitsmigranten, da Arbeitskräfte in einigen Bereichen dringend gesucht werden, etwa im Pflege- und Gesundheitswesen. "Finnland muss bis 2030 Arbeitskräfte verstärkt anwerben", sagte Marjaliisa Hentilä, Leiterin des Finnland-Instituts in Deutschland. "Viele finnische Krankenschwestern gehen momentan nach Norwegen, weil sie dort besser bezahlt werden." Der Arbeitskräftemangel sei zum einen auf die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit zurückzuführen, die jetzt in Rente gehen, zum anderen auf ein bisher starkes wirtschaftliches Wachstum. In Finnland zeigte die Finanzmarktkrise bisher noch keine größeren Auswirkungen.

2007 kamen knapp 26.000 Immigranten nach Finnland, 3.600 mehr als im Jahr zuvor. Das ist die höchste Zahl seit der finnischen Unabhängigkeit im Jahr 1917. Insgesamt verzeichnete das finnische Statistikamt einen Nettozuwanderungsgewinn in Höhe von 13.600 Personen für 2007 - eine Rekordsumme seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Damit war zum ersten Mal seit der finnischen Unabhängigkeit Einwanderung die Hauptursache für das Bevölkerungswachstum. 2,5 % (rund 133.000 Personen) der etwa 5,3 Mio. Einwohner Finnlands sind Ausländer.

Die Mitarbeiter von "In To" sprechen neben den beiden Landessprachen Finnisch und Schwedisch u. a. auch Englisch, Russisch und Estnisch. Die meisten Migranten, die in Finnland leben, kamen 2007 aus Russland (26.211 Personen), Estland (20.006), Schweden (8.349) und Somalia (4.852).