Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

Thailand: Militär misshandelt Boatpeople

1.3.2009
Die thailändische Armee ist in den vergangenen Monaten äußerst brutal und rücksichtslos gegen Bootsflüchtlinge aus dem benachbarten Myanmar vorgegangen. Nach wachsendem internationalem Druck soll es nun eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle geben.

Hunderte bereits vor Wochen in Thailand gestrandete Birmesen wurden von thailändischen Soldaten auf dem offenen Meer ausgesetzt. Dies wurde von verschiedenen Seiten bestätigt. Die indonesische Marine rettete am 21. Dezember Boote mit etwa 200 Angehörigen der in Myanmar (ehemals Birma) verfolgten islamischen Minderheit der Rohingya vor der Küste Indonesiens. Sie waren in motorlosen Holzbooten zusammengepfercht, wie Tedi Sutardi, Sprecher der indonesischen Streitkräfte sagte: "Es ist ein Wunder, dass sie überlebt haben." Ihr Gesundheitszustand war äußerst kritisch. 22 Passagiere sind nach Schilderungen der Flüchtlinge während der Überfahrt ums Leben gekommen.

Die Überlebenden berichteten, sie seien Teil einer Gruppe von etwa 1.000 Rohingya in Thailand gewesen, die dort seit wenigen Wochen ohne Papiere arbeiteten. Sie seien von thailändischen Sicherheitskräften festgenommen, geschlagen und schließlich auf hoher See ausgesetzt worden. Die thailändischen Militärs dementierten die Anschuldigungen. Berichte humanitärer Organisationen und ärztliche Befunde erhärteten jedoch den Verdacht, dass Thailands Küsten- und Grenzwache so mit den Boatpeople umging.

Eine andere Gruppe von rund 1.000 Rohingyas strandete bereits am 3. Dezember im Westen Thailands. Rund 400 von ihnen wurden von einer Spezialeinheit der Marine aufgegriffen und zurück auf hohe See gebracht. An den Händen gefesselt wurden sie gezwungen, wieder in ihr kaum seetaugliches Boot zu steigen. Als einige Rohingyas sich weigerten, wurden sie nach Berichten anwesender Soldaten kurzerhand ins offene Meer geworfen. Zwölf Tage später fand die indische Marine etwa hundert Flüchtlinge auf einer nahe liegenden Insel, rund 50 gelten als vermisst. Sie sind nach Angaben der Überlebenden ertrunken.

Thailands erst am 23. Dezember neu gewählter Premier Abhisit Vejjajiva (Demokratische Partei) kündigte Mitte Januar an, die Vorfälle untersuchen zu lassen: "Wir werden die Birmesen als illegale Immigranten behandeln, aber ihre Menschenrechte dabei respektieren", sagte er. Nachdem zunächst die verantwortliche Sondereinheit des Militärs mit der Untersuchung der Vorfälle beauftragt wurde, soll es nun eine unabhängige Untersuchung geben. Gleichzeitig hieß es aus Regierungskreisen, das Flüchtlingsproblem in Arakan, dem westlichen Küstenstreifen Myanmars, müsse im Rahmen einer internationalen Konferenz gelöst werden.

Am 4. Februar verabschiedete das Europäische Parlament eine Resolution (RC-B6-0073/2009), in der es heißt, die EU bedaure "die Berichte über die unmenschliche Behandlung von Rohingya-Flüchtlingen und fordert die Regierung Thailands [...] dringend auf, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass das Leben der Rohingya nicht gefährdet ist und dass sie nach humanitären Standards behandelt werden".

Die rund 800.000 Angehörigen der Rohingyas, die mehrheitlich muslimischen Glaubens sind, werden in Myanmar nicht als Staatsbürger akzeptiert. Die Regierung betrachtet sie als Zuwanderer aus Bangladesh und Indien. Seit den 1980er Jahren sind Hunderttausende von Rohingyas wegen der Verfolgungen und Repressalien ins benachbarte Bangladesh oder nach Indien geflüchtet. Dort leben sie zum Teil seit Jahren in überfüllten Auffanglagern.