Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

14.3.2012

Deutschland: Weniger Migrantenkinder in Kitas

Kinder mit Migrationshintergrund werden deutlich seltener in einer Kindertageseinrichtung oder durch eine Tagesmutter betreut. Das teilte das Statistische Bundesamt Anfang Februar mit. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat Anfang Februar eine Kampagne für Elternintegrationskurse gestartet.

Kinder in Tagesbetreuung

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr laut dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden 14% der Ein- und Zweijährigen mit mindestens einem Elternteil ausländischer Herkunft in einer Kita oder von Tageseltern betreut. Bei den gleichaltrigen Kindern ohne Migrationshintergrund lag der Anteil bei 30% und damit mehr als doppelt so hoch. In beiden Gruppen stieg die Betreuungsquote – der Anteil der Kinder in Betreuung bezogen auf alle Kinder in der Altersgruppe – von 2010 auf 2011 um 2%. Bei Kindern unter 3 Jahren lag sie in Deutschland insgesamt bei rund 25%. Die Erhebung stützt sich auf Daten des Mikrozensus und der Bevölkerungsstatistik.

Auch bei den Drei- bis Fünfjährigen war der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund in Kitas oder anderer Tagesbetreuung mit 85% deutlich niedriger als bei Kindern ohne Migrationshintergrund (97%). Hier hat sich die Betreuungsquote während der vergangenen beiden Jahre kaum verändert.

Die aktuellen Zahlen bestätigen somit Ergebnisse einer Studie der Bertelsmann Stiftung von Anfang 2010 (vgl. MuB 1/10).

Reaktionen

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) wies angesichts der neuen Zahlen auf die Wichtigkeit von Kitas hin. "Je früher Max und Ali miteinander im Sandkasten spielen, umso besser für die Integration und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Deshalb habe sie im März 2011 die "Offensive Frühe Chancen“ gestartet, in der bis zu 4.000 Kindertageseinrichtungen zu "Schwerpunkt-Kitas Sprache und Integration“ ausgebaut würden. "Das Angebot im Sinne ihrer Kinder zu nutzen, ist Aufgabe der Eltern“, sagte die Ministerin. Der Ausbau der Kindertageseinrichtungen müsse konsequent vorangetrieben werden. Bis zum Sommer 2013 müsse der Bedarf gedeckt sein, denn dann gelte der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz schon für Ein- und Zweijährige.

Der Bundesvorstand der FDP beschloss in einer Sitzung Ende Januar, dass die Partei ein Konzept zur bedarfsgerechten Kinderbetreuung entwickeln will, das sich an den beruflichen Realitäten von Familien und Lebenspartnerschaften orientierten soll. Dabei soll vor allem die Flexibilität durch Ganztagsbetreuung bzw. der Betreuung in Ferienzeiten berücksichtigt werden. Die SPD erneuerte Anfang Februar ihre Kritik am sogenannten Betreuungsgeld, das eine Geldleistung des Staates an jene Eltern ist, die sich in den ersten Jahren nach der Geburt zu Hause in Vollzeit der Erziehung widmen und keine Tagesbetreuung wünschen. Das Betreuungsgeld wird 2013 eigeführt und soll zunächst 100 Euro pro Monat für jedes Kind unter 3 Jahren betragen, ab 2014 dann 150 Euro. "Die Union ist offenbar immun gegen die Erkenntnisse verschiedenster Studien zur frühkindlichen Bildung“, kritisierte Caren Marks, Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Sie verwies auch auf die Wichtigkeit der Tagesbetreuung für Kinder mit Migrationshintergrund.

Memet Kiliç, migrationspolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, forderte freien Zugang zur Kinderbetreuung: "Wir brauchen massive Investitionen in die Kita-Qualität und perspektivisch die Abschaffung der Kita-Gebühren statt ein integrationshemmendes Betreuungsgeld.“ Die migrationspolitische Sprecherin der Linken Sevim Dağdelen äußerte sich ähnlich und forderte ebenfalls "die grundsätzliche Beitragsfreiheit von Kitaplätzen“. Eltern mit niedrigen Einkommen schickten ihre Kinder nur halb so oft in eine Einrichtung der Frühförderung als Eltern mit höheren Einkommen, sagte Dağdelen.

Kampagne für Eltern

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich stellte Anfang Februar in München die bundesweite Motivationskampagne "Deutsch lernen – Deutschland kennen lernen“ vor. Die im Auftrag des Bundesinnenministeriums von der Zeitbild Stiftung entwickelte Kampagne richtet sich speziell an Eltern von Schulkindern. In neu eingerichteten Integrationskursen können diese ihre Kenntnisse der deutschen Sprache verbessern, um somit ihren Kindern bei schulischen Problemen besser helfen zu können. chw

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