Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

Europa: Mehr Todesfälle im Mittelmeer

14.3.2012
Mehr als 1.500 Migranten sind im vergangenen Jahr beim Überqueren des Mittelmeers gestorben oder verschollen. Über 69.000 Migranten und Flüchtlinge erreichten die europäischen Küsten. Dies geht aus einem Bericht des UNHCR hervor, der Ende Januar vorgestellt wurde.

Seit 2006 führt das Hohe Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) Statistiken zu Todes- und Vermisstenfällen beim Versuch der illegalen Einreise an den maritimen Außengrenzen der Europäischen Union. Die Ende Januar vorgestellten Daten für 2011 weisen mit Abstand die bislang höchste Zahl der Todes- und Vermisstenfälle seit Beginn der Erhebungen auf (2011: 1500, 2010: 123). Bisher galt 2007 als das Jahr mit der höchsten Zahl an Toten und Vermissten (630 Fälle). Bei den Statistiken des UNHCR handelt es sich um Schätzungen, die auf mehreren Quellen basieren. Dazu zählen Interviews mit Migranten, die Europa per Boot erreicht haben, Telefonanrufe und E-Mails von Verwandten sowie Berichte von Überlebenden, deren Boote entweder gesunken oder in Seenot geraten sind.

UNHCR-Sprecherin Sybella Wilkes hob bei der Vorstellung der Statistiken hervor, dass die tatsächliche Zahl der Todesopfer angesichts der unsicheren Datenlage noch höher liegen könnte. Es sei davon auszugehen, dass viele Leichen nicht gefunden würden. Auch der deutsche UNHCR-Sprecher Stefan Telöken schätzt die Zahl der Todesfälle als "wahrscheinlich deutlich höher“ ein. Der italienische Flüchtlingsrat (CIR) veröffentlichte Mitte Januar eine Schätzung, derzufolge allein in der Straße von Sizilien im Laufe des Jahres 2011 etwa 2.200 Migranten verstorben sind.

Auch andere Organisationen versuchen, die Zahl der Todesfälle an den europäischen Außengrenzen zu erfassen. Das in Amsterdam ansässige Netzwerk "UNITED for Intercultural Action“ sowie der italienische Blog "Fortress Europe“ geben in unregelmäßigen Abständen Zahlen zu Todesfällen auf der Grundlage von Presseanalysen heraus. So zählte UNITED zwischen 1993 und 2011 15.551 Todesfälle an den EU-Außengrenzen, "Fortress Europe“ kam auf mindestens 17.738 Todesfälle zwischen 1988 und 2011. Im Unterschied zum UNHCR beziehen beide Organisationen auch Meldungen über Todesfälle beim Überqueren der Sahara in ihre Statistiken mit ein.

Auch im Jahr 2012 kam es bereits zu einer ersten Flüchtlingstragödie im Mittelmeer. Dem UNHCR zufolge war im Januar ein Boot mit 55 Insassen verschollen, dass von der libyschen Küste abgelegt hatte. Kurz darauf wurden 18 Leichen an der libyschen Küste angespült, wobei alle als Somalier identifiziert wurden. Zwei weitere Boote mit insgesamt 140 Insassen wurden in Seenot vor der italienischen bzw. maltesischen Küste geborgen.

Das UNHCR veröffentlichte außerdem Schätzungen zur illegalen Einreise in die Europäische Union (siehe Tabelle). Demnach erreichten im Jahr 2011 mehr als 69.000 Boatpeople die Küstenstreifen der EU-Mittelmeeranrainerstaaten. Davon kamen etwa 61.000 (88 %) in Italien an, wobei 56.000 von der libyschen oder tunesischen Küste ablegten. Auf dieser Route waren die Hälfte (28.000) tunesische Staatsbürger. In Spanien wurden 5.443, in Malta 1.574 und an den griechischen Küsten 1.030 illegale Einreisen gezählt. Dabei handele es sich größtenteils um arbeitssuchende Migranten und nur um wenige Flüchtlinge, so UNHCR. Hinzu kommen etwa 55.000 Personen, die über die griechisch-türkische Landgrenze illegal eingereist sind, wie sowohl UNHCR als auch die europäische Grenzschutzagentur Frontex schätzen (vgl. MuB 10/11).

Schätzung irreguläre Einreise, 2006-2011Schätzung irreguläre Einreise, 2006-2011
Die griechische Regierung setzte unterdessen den Bau des bereits Anfang 2011 angekündigten Grenzzauns an der griechisch-türkischen Grenze fort (vgl. MuB 7/11, 1/11). Der Grenzzaun wird nicht am gesamten Grenzverlauf aufgebaut, sondern lediglich an einem etwa 11 km langen Teilstück in der Nähe der Kleinstadt Orestiada.

Obwohl die hohe Zahl der illegalen Einreiseversuche auf dem Seeweg vor allem in Zusammenhang mit dem "Arabischen Frühling“ in Libyen und Tunesien stand (vgl. MuB 6/11, 4/11, 3/11), ist davon auszugehen, dass weiterhin Boote mit Migranten zumindest von Libyen aus ablegen werden. Der libysche Innenminister Fawzi Abdelali (parteilos) sagte Ende Januar: "Libyen wird nicht Europas Grenzwächter sein” und fügte hinzu: "Selbst wenn wir es wollten, könnten wir das nicht.“

Nach Angaben des UNHCR sitzen zudem etwa 5.000 Flüchtlinge aus Äthiopien, Eritrea, Somalia und dem Sudan in UNHCR-Wüstencamps in Ägypten und Tunesien fest. Davon sind etwa 4.400 schutzbedürftig im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention. Für nur rund 900 dieser Flüchtlinge wurden bislang im Rahmen des Resettlement-Programms Aufnahmeplätze in 14 Industriestaaten zugesagt (vgl. MuB 1/12, 6/11). Das UNHCR forderte praktische Schutzmaßnahmen, um zu verhindern, dass Flüchtlinge in Länder zurückgeschickt werden, wo ihr Leben und ihre Freiheit in Gefahr sind. Zugleich appellierte UNHCR an die Behörden der Mittelmeer-Anrainerstaaten sowie an alle Schiffsführer im Mittelmeer, ihrer Pflicht zur Rettung von Menschen in Seenot nachzukommen. sta

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