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Russlanddeutsche Auswanderung

14.1.2019

Andreas (Andrej) Maser

Andreas (Andrej) MaserAndreas (Andrej) Maser (© Andreas Maser)
(1941),
Aktivist der Autonomie- und Ausreisebewegung, geboren in Neu-Zürich, ASSR der Wolgadeutschen. Als Säugling nach Sibirien deportiert, begann sein "Wanderzigeuner-Leben", so Maser. 1948–56 Schulbesuch in einem Bergwerk im Gebiet Kemerowo, wohin sein Vater nach der Entlassung aus dem Straflager Iwdel versetzt wurde. Weiter aus seiner Autobiographie: "Da man nicht nach Hause an die Wolga zurückkehren durfte [nach der Aufhebung der Sonderkommandantur 1955], so wohnte ich in der Stadt Nowosibirsk, in der Hauptstadt von Kirgisien Frunse (jetzt Bischkek), in der Stadt Rubzowsk/Altai Region, wieder in Nowosibirsk und Frunse. Danach in der Hauptstadt von Moldawien Kischinew, weiter in Lettland bei Riga. Dann ein paar Monate in Estland bei Tartu und wieder zurück nach Frunse/Kirgisien, von wo ich meine Ausreisebemühungen konzentriert und intensiviert habe, bis ich mit meiner Ehefrau und zwei Söhnen im März 1975 in die Bundesrepublik Deutschland abgeschoben wurde." Inzwischen konnte er 1968 die Ingenieurschule in Frunse, Fachrichtung Werkzeugbau erfolgreich als Dipl. Ing. (FH) absolvieren. Arbeitete als Ingenieur in Forschungsinstitutionen und einige Jahre vor der Ausreise als Meister im Werk für Prüfmessgeräte in der Stadt Frunse.

Seit 1965 aktive Beteiligung an sämtlichen Aktivitäten zur vollständigen Rehabilitierung der Deutschen in Russland und der Wiederherstellung der ASSR der Wolgadeutschen: Aufklärung der Bevölkerung, Unterstützung bei den Vorbereitungen der 1, 2 und 3 Delegation der Deutschen nach Moskau, Unterschriftensammlungen, Vorbereitung von Eingaben und Petitionen usw. Stand im engen Kontakt zu weiteren Aktivisten der Autonomiebewegung wie Friedrich Schössler, Johann Brug, Heinrich Kaiser… Schon früh unter Druck von KGB und Staatsanwaltschaft gesetzt, versuchte Maser noch im Sommer 1972 vergeblich, eine Abordnung nach Moskau aufzustellen, die allerdings von dem KGB mit Drohungen und Einschüchterungen der potentiellen Teilnehmer vereitelt wurde.

Ein weiteres Zitat Masers: "Die harte Ablehnungshaltung der Obersten Organen der UdSSR, die ständige Schikanen der Ortsbehörden haben bei vielen Aktivisten zur Erkenntnis der Ausweglosigkeit geführt und man hat sich entschieden, alle Kräfte auf die Ausreise zu konzentrieren." Diesen Sinneswandel dokumentierte am anschaulichsten eine Aufstellung von Listen mit ca. 35 Tsd. Ausreisewilligen, zusammen mit einem Appell an die UNO und der Denkschrift "Von den Gedanken über die Wiederherstellung der ASSR der Wolgadeutschen bis zum Gedanken über die Emigration" vom 18. Mai 1973, an deren Zustandekommen Maser federführend beteiligt war (siehe Dokument 1.10).

In Deutschland versuchte er die bundesdeutsche und internationale Öffentlichkeit auf die Lage der deutschen Sowjetbürger insgesamt und auf die Situation der inhaftierten Aktivisten im Besonderen aufmerksam zu machen, bereitete Hintergrundinformationen und Berichte für Menschenrechtsorganisationen vor, lieferte Informationen für das "Weißbuch über die menschenrechtliche Lage in Deutschland und der Deutschen in Osteuropa. CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestages, 1977" und erstattete Berichte zur Lage der Russlanddeutschen für Europaparlament und Europarat. Für das Auswärtige Amt stellte er Listen mit Namen und Informationen über politische Gefangene zusammen. Zurzeit lebt er in München.