Russlanddeutsche Auswanderung

Russlanddeutsche

Vor 80 Jahren begann mit dem NKWD-Befehl Nr. 00439 am 25. Juli 1937 die "Deutsche Operation". Ihr fielen viele deutschstämmige Sowjetbürger zum Opfer, deren Vorfahren vor allem im 18. und 19. Jahrhundert auf Einladung der russischen Monarchen in Russland eine neue Heimat gefunden hatten.

Bereits Zar Peter I. warb in einem Manifest aus dem Jahr 1702 um deutschstämmige Offiziere für die Modernisierung seiner Streitkräfte. Doch erst ab 1763 mit dem "Kolonistenbrief" der Zarin Katharina II. und seiner Neuauflage 1804 unter Zar Alexander I. kamen zahlreiche Deutsche als Siedler nach Russland. Mit ihrer eigenen Sprache, Kultur und ihren Traditionen stellten sie im Zarenreich eine besondere Bevölkerungsgruppe dar. Durch ihre politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leistungen wurden sie zu einem wichtigen Kapitel der russländischen Geschichte.

Mit dem Ersten Weltkrieg änderte sich die Situation für viele treue deutschstämmige Untertanen, eine Zeit der Unterdrückung begann. Während der Sowjetzeit verstärkten sich die Repressionen und mündeten in politisch-ethnisch motivierte Säuberungsaktionen, bei denen alleine zwischen 1937 und 1938 aufgrund des Befehls "Deutsche Operation" mindestens 52.000 Russlanddeutsche verurteilt und erschossen wurden. Bis Ende 1941 wurden rund 900.000 nach Zentralasien und Sibirien deportiert. Die Marginalisierung und Unterdrückung ging weiter und endete auch nicht mit Stalins Tod. In den folgenden Jahrzehnten wurde den meisten Ausreisewilligen die Ausreise aus der Sowjetunion verweigert.

Mit der Liberalisierung unter Gorbatschow Mitte der 1980er Jahre veränderte sich die Lage grundlegend. In der Folge kamen gut 2,3 Millionen sogenannte russlanddeutsche (Spät-)Aussiedler im Rahmen von Artikel 116, Abs. 1 des Grundgesetzes sowie §§ 1 und 6 des Bundesvertriebenengesetzes und Flüchtlingsgesetzes von 1953 zurück in ihre "historische Heimat".

Dieses Dossier wirft einen Blick auf wichtige Etappen ihrer Geschichte und soll schrittweise ausgebaut werden.

     
Familie Hummel im Kaukasus. Foto von 1863.

Viktor Krieger

Von der Anwerbung unter Katharina II. bis 1917

Mit dem "Kolonistenbrief" von 1763 begann die Anwerbung von Siedlern, die vor allem im unteren Wolga- und Schwarzmeergebiet angesiedelt wurden. Die Kolonisten kamen mehrheitlich aus den deutschen Gebieten. Sie wurden schrittweise zu treuen Untertanen des Zarenreichs. Nichtsdestotrotz wurde die deutsche Minderheit mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges zunehmend unterdrückt. Weiter...

Ein Supermarkt in Ludwigsburg am 24.08.2017.

Viktor Krieger

Vom Kolonisten in Russland zum Bundesbürger

Sie kamen als gerufene Kolonisten nach Russland, gelockt mit Vorteilen wie Selbstverwaltung, Glaubensfreiheit u.a. – und erlebten im 20. Jahrhundert eine Zeit der Unterdrückung, Verfolgung, Ermordung und Zwangsumsiedlung. Diejenigen Russlanddeutschen, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nach Deutschland übersiedelten, mussten um ihre gesellschaftliche Akzeptanz kämpfen. Viktor Krieger zeichnet die Grundzüge ihrer Geschichte nach. Weiter...

1.12. 1988: Im Grenzdurchgangslager stehen Ausiedler vor dem Speiseraum Schlange. Das Durchgangslager ist bei einer täglichen Aufnahme von bis zu 900 Menschen hoffnungslos überfüllt.

Jannis Panagiotidis

Geschichte der Russlanddeutschen seit der Perestroika

Seit Mitte der 1980er Jahre kamen gut 2,3 Millionen russlanddeutsche (Spät-)Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland. Heute ist die heterogene Großgruppe ein Teil der diversen bundesdeutschen Migrationsgesellschaft. Weiter...

Gemälde "Das sinn die...". Heinrich Brogsitter, Öl auf Karton, 1995.

Alfred Eisfeld

Die "Deutsche Operation"

Die "Deutsche-Operation" war der Beginn einer Reihe von Repressivmaßnahmen des kommunistischen Regimes, die als "nationale Linien" bezeichnet wurden. Faktisch waren es politisch-ethnische Säuberungsaktionen – denn die meisten der Inhaftierten wurden anschließend erschossen. Weiter...

Foto von einer Demonstration in der Bundesrepublik, vor 1985.

Alfred Eisfeld

Nationalitätenpolitik gegenüber der deutschen Minderheit in der Sowjetunion von 1917 bis zur Perestrojka

Nach der Machtergreifung der Bolschewiki wurde die deutsche Bevölkerung der Sowjetunion systematisch unterdrückt, deportiert und zwangsarbeitsmobilisiert. Um 1990 kommt es zur massenhaften Ausreise. Die "Russlanddeutschen" wurden bis heute nicht vollständig rehabilitiert. Weiter...

Kohlezeichnungen auf Packpapierfahnen hängen am 1.12.2003 in der Martinskirche von Lahr-Dinglingen (Ortenaukreis). Die Arbeiten des russlanddeutschen Künstlers Nikolaus Rode waren Teil einer Ausstellungsreihe von zehn russlanddeutschen Künstlern in zehn Kirchen in und um Lahr unter dem Motto " Nach Hause kommen".

Kornelius Ens

Grundzüge russlanddeutscher Migrationsgeschichte in kulturhistorischer Perspektive

Die Kulturgeschichte der Russlanddeutschen ist stark von der Migration geprägt. Unterschiedliche Einflüsse haben zu einer bemerkenswert vielfältigen kulturellen Ausprägung dieser "Community" geführt. Weiter...

Karten und Dokumente

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In Deutschland leben laut Mikrozensus rund 2,4 Millionen Menschen, die aus den ehemaligen Sowjetrepubliken stammen. Diese post-sowjetischen Migranten sind eine sehr heterogene Gruppe, die in der Öffentlichkeit jedoch vielfach als einheitlich wahrgenommen wird. Weiter...

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