Zuflucht Gesucht

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1.9.2017 | Von:
Katharina Reinhold

Hamid aus Eritrea: Handreichung für Pädagoginnen und Pädagogen

Die Handreichung gibt Anregungen wie über Vertreibung, Flucht und Zuflucht mit Schülerinnen und Schülern gesprochen werden kann. Über Hamids Geschichte können Kinder Empathie für Geflüchtete entwickeln, Fluchtursachen diskutieren und Gemeinsamkeiten von Kindern aus verschiedenen Lebenswelten erfahren.

Gesamtlänge des Films: 4:20 min. (incl. Abspann)

Altersempfehlung: ab 8 Jahren

Fächer: Deutsch, Sachunterricht, Politik, Kunst, Religion/Ethik

Schwerpunkte: Identität, Stärken, Gefühle, Empathie, Was brauchen wir um glücklich zu sein?

Ziele: Annäherung an das Thema Flucht, Kennenlernen von Fluchtgründen, Förderung eines positiven Selbstkonzepts und einer realistischen Selbstwahrnehmung der Kinder, Entwicklung von Empathie, Förderung von Wertschätzung und Rücksichtnahme der Kinder untereinander, Entwicklung eines Verständnisses für Universalität von Gefühlen

Allgemeiner Hinweis zum Einsatz des Arbeitsblattes: Die Übungen können auch unabhängig voneinander bearbeitet werden.

Übung 1: Vor dem Sehen des Films

Fächer: z.B. Deutsch, Sachunterricht, Politik, Religion/Ethik, Kunst

Dauer: ca. 20 min.

Angestrebte Kompetenzen: Informationen aus Texten und Bildern entnehmen, eine unbekannte mit der eigenen Lebenssituation vergleichen, Bezüge herstellen, sich in die Lage neu ankommender Menschen versetzen, Empathie entwickeln, sich Kenntnisse über Eritrea aneignen.

Vorentlastung „Bevor du den Film anschaust“: Einige Sätze aus dem Film, in denen Hamid das Leben in Eritrea vor der Flucht beschreibt, werden vorgestellt. Die Kinder können diese Sätze den passenden Standbildern zuordnen und sie so in die chronologische Reihenfolge des Films bringen. Sie erfahren so etwas über Eritrea in der Erinnerung von Hamid und nähern sich den Fluchtgründen – konkret dem Thema Krieg – an.

Aufgabenstellung: Ordne die Sätze den passenden Bildern zu.

Hinweis: Die Aufgabe kann mündlich in der ganzen Gruppe oder in Kleingruppen besprochen werden, oder auch schriftlich auf dem Arbeitsblatt gelöst werden.

Richtige Reihenfolge der Sätze (entspricht der Reihenfolge im Film):

1. c. Die Straßen sind voller Menschen und sie verkaufen alles Mögliche zum Essen.

2. e. Wenn man Lebensmittel auf der Straße verkauft, sind überall Fliegen drauf.

3. a. Die Straßen sind staubig und wenn es windig ist, kriegt man den Staub in die Augen.

4. f. In den Bussen kann man nirgendwo sitzen, weil sie so voll sind.

5. b. Es gab Krieg mit Äthiopien.

6. d. Als der Krieg anfing, mussten viele Menschen fliehen.


Im zweiten Schritt vergleichen die Kinder die Lebenssituation, die Hamid in Eritrea beschreibt, mit ihrer eigenen in Deutschland und arbeiten Unterschiede und Ähnlichkeiten heraus.

Aufgabenstellung 2: Besprecht mit eurem Sitznachbarn oder eurer Sitznachbarin folgende Fragen: Stellt euch vor, Hamid würde nach Deutschland umziehen. Was wäre für ihn neu oder anders? Vergleicht die Situationen, die er beschreibt, mit eurem eigenen Leben. Was meint ihr, wie würde es Hamid in der neuen Umgebung ergehen? Schreibt eure Antworten auf.

Antwortmöglichkeiten (Beispiele):

Zu 1. In Deutschland kaufen die Menschen das Essen meistens im Supermarkt, manchmal auch auf dem Wochenmarkt.

Zu 2. Normalerweise sind keine Insekten auf dem Essen, das man kauft (außer im Sommer manchmal die Wespen auf dem Kuchen).

Zu 3. Die Straßen sind asphaltiert oder gepflastert, es ist nur selten staubig, weil es häufig regnet und nicht sehr trocken ist. In Eritrea ist es wahrscheinlich sehr heiß und trocken.

Zu 4. In den Bussen und Bahnen ist es nur zu bestimmten Uhrzeiten (Berufsverkehr, Schulbeginn und-schluss) sehr voll, ansonsten gibt es meistens Platz zum Sitzen.

Zu 5. In Deutschland ist kein Krieg. Der letzte Krieg war von 1939-1945. Das ist schon lange her.

Zu 6. Aus Deutschland muss niemand wegen Krieg oder Gewalt fliehen. Menschen aus anderen Ländern kommen nach Deutschland, weil sie meinen, dass man hier sicher leben kann.


Gut zu wissen – Informationen über Eritrea

Hinweis: Sie können am besten einschätzen, ob und was die Kinder über Eritrea oder andere afrikanische Länder wissen. Kurze Hintergrundinfos sind im Arbeitsblatt gegeben, ebenso Links zu kindgerechten ausführlicheren Darstellungen.

Weitere Hintergründe und Informationen zu Eritrea können Sie beispielsweise hier finden:

Konfliktlagen am Horn von Afrika (Aus Politik und Zeitgeschichte 32-33/2006): http://www.bpb.de/internationales/afrika/afrika/59031/horn-von-afrika

Flüchtlinge in Europa: Ein Blick auf die Herkunftsländer Eritrea und Somalia: http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/newsletter/195082/fluechtlinge-in-europa

Falter Extra Fluchtgeschichten: Syrien und Eritrea: http://www.bpb.de/shop/lernen/falter/236174/falter-extra-fluchtgeschichten

Fischer Weltalmanach (bei bpb) Eritrea: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/fischer-weltalmanach/65665/eritrea

Übung 2: Den Film sehen und verstehen

Fächer: z.B. Deutsch, Sachunterricht, Politik, Religion/Ethik

Dauer: ca. 20 min.

Angestrebte Kompetenzen: Informationen aus Bewegtbildern und Texten entnehmen und verstehen. Inhalte zusammenfassen. Verständnis für Kinder mit Fluchtgeschichte und für Menschen entwickeln, die Angehörige verloren haben und trauern.

Zum besseren Verständnis des Films wird vorgeschlagen, den Film in kurzen Abschnitten zu zeigen und jeweils im Anschluss Verständnisfragen zu stellen. Vielleicht haben die Kinder auch selbst Fragen zu dem Gesehenen, die sie sich gegenseitig oder mit Ihrer Unterstützung beantworten können. Alternativ ist es auch möglich, den Film zunächst ganz anzuschauen und im Anschluss die Fragen zu beantworten oder nur auf einzelne Szenen nochmals einzugehen.

Möglicherweise ruft der Film bei einigen Kindern starke emotionale Reaktionen hervor. Die Kinder sollten Gelegenheit haben, ihre Gedanken und Gefühle spontan äußern zu können. Alle Äußerungen sollten gleichwertig akzeptiert werden. Die Ausschnitte starten jeweils bei der angegebenen Stelle, stoppen müssen Sie jedoch selbst. Wir empfehlen, dies vor dem gemeinsamen Anschauen in der Klasse auszuprobieren. Die Fragen können Sie gemeinsam mündlich im Gespräch erörtern, oder die Kinder beantworten sie schriftlich auf dem Arbeitsblatt.

Hamid in Eritrea (0:00 - 1:49 min.)

Warum verlassen Hamid und seine Mutter ihr Heimatland Eritrea? Warum kann der Vater nicht mitkommen?

Eine mögliche Antwort:

In Eritrea ist Krieg. Es ist gefährlich, dort zu bleiben. Sie könnten verletzt oder getötet werden. Der Vater will, dass die beiden fliehen.
Der Vater darf Eritrea nicht verlassen. Er weiß geheime Dinge und der „Anführer“ verbietet ihm zu gehen. Er droht, Hamid und seine Mutter umzubringen, wenn der Vater etwas verrät.


Flucht und Neubeginn (1:50 - 2:37 min.)

Welche Schwierigkeiten hat Hamid am Anfang in dem neuen Land?

Eine mögliche Antwort:

Er versteht die Sprache noch nicht gut. Er hat Angst vor der Schule, weil er noch niemanden kennt. Er hat keine Freunde und alle anderen Kinder haben schon Freunde. Aber dann findet er erst einen, dann viele Freunde.


Hamid ist traurig (2:38 - 3:14 min.)

Was macht Hamid und seine Mutter so traurig? Woran merkt man, dass Hamid sehr traurig ist?

Eine mögliche Antwort:

Hamids Vater ist in Eritrea gestorben. Hamid und seine Mutter weinen und sind sehr traurig. Dann beschließen sie, dass sie nicht mehr weinen wollen. Hamid hat keinen Hunger. Er kann ein paar Tage nichts essen, nur trinken. Er kann sein Schulessen nicht aufessen, weil er so traurig ist.


Es wird besser (3:14 - 4:20 min.)

Wer oder was hilft Hamid dabei, dass er sich besser fühlt?

Eine mögliche Antwort:

Hamids Mutter tröstet ihn und sagt, dass sie in Sicherheit sind. Hamids Freunde helfen ihm. Er hat Spaß mit ihnen und es geht ihm immer besser. Er redet mit seinen Freunden nicht über früher oder über traurige Dinge. Sie tun einfach so, als seien sie nie passiert. Wenn er traurig ist, macht sein Freund einen Scherz.

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-SA 4.0 - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International" veröffentlicht. Autor/-in: Katharina Reinhold für bpb.de

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