Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

30.11.2005 | Von:
Daniel Theweleit

Angola

Der Ligafußball als Grundlage für eine glorreiche Zukunft

Paulo Figueiredo, der in der zweiten portugiesischen Liga unter Vertrag steht, erzählt, "die Leute denken, es sei eine glamouröse Angelegenheit, ein Profifußballer zu sein, der zu einer WM fährt. Doch davon sind wir weit entfernt". Neben Mantorras ist nur noch Akwa von Al Wakra in Katar etwas bekannter. Der Stürmer stand auch schon einmal bei Benfica unter Vertrag und war der Star während der erfolgreichen Qualifikation, denn ihm gelangen die wichtigen Tore in den entscheidenden Spielen. Beim Afrika-Cup 2006 präsentierte er sich allerdings als Meister im Auslassen bester Chancen.

Die WM betrachtet der oftmals etwas träge und lethargisch wirkende Kapitän als seine letzte Chance doch noch bei einem europäischen Klub unterzukommen, immerhin ist er schon 28. "Ich habe meine Ansprüche, und wie alle Spieler aus unserem Team würde ich mir wünschen, bei einem richtig guten Klub in Europa zu spielen", sagt er, im Augenblick besitzen die wenigsten dieses Privileg. Deshalb ist dieses Turnier nicht nur eine sportliche Herausforderung für die Nationalspieler, es ist eine Chance, auf eine Zukunft ohne materielle Sorgen.

Wenngleich auch die in Angola angestellten Nationalspieler durchaus gut gestellt sind in der Heimat. Die Voraussetzungen für eine interessante Entwicklung im Klubfußball sind hier weitaus besser als in den meisten anderen Ländern des Kontinents. Denn in Angola kann man mit Fußball gutes Geld verdienen. Viele Vereine unterstehen den staatlichen Ölgesellschaften, dem Militär oder der Polizei, vor allem die durch das "schwarze Gold" entstehende Finanzkraft hat viele Nationalspieler in Angola gehalten. Die gesamte Defensive der Auswahl spielt bei AS Aviacao, dem Meister der vergangenen drei Jahre, der der staatlichen Fluggesellschaft TAAG gehört. "Diese Voraussetzungen und der Schub der WM-Teilnahme könnten unsere Teams sogar interessant für Ausländer machen, und eine starke Liga produziert normalerweise irgendwann auch starke einheimische Spieler", träumt Trainer Luis Oliveira Goncalves von einer glorreichen Zukunft für das riesige Land im Südwesten des Kontinents.

Luis Oliveira Goncalves, ein Trainer ohne Vergangenheit

Gegenwärtig jedoch gilt die Person Goncalves als Meister des angolanischen Fußballwunders und ist nach der Entlassung von Togos Stephen Keshi der einzige schwarze Trainer, der einen Weltmeisterschaftsteilnehmer betreut. Als Spieler brachte er es nie weiter als bis in die Zweite Liga des Landes, als Trainer arbeitete er sich dann geduldig über diverse Jugendnationalmannschaften bis hinauf zum Nationaltrainer. "Wir spielen einen fröhlichen Fußball eigener Prägung und verfügen über technisch gute Spieler", sagt er und verspricht "Fußball mit Freude und gleichzeitig auch Engagement, Härte und taktischer Disziplin". Phasenweise zeigte das Team diese Qualitäten schon beim Afrika-Cup in Ägypten, allerdings offenbarten sich zwei grundlegende Probleme: mangelnde Chancenauswertung und eine Neigung zu individuellen Fehlern in der Defensive. Ein Mangel an Routine und Erfahrung ist nicht zu übersehen und wird wohl auch bei der WM ein Hauptproblem sein.

Als Aktiver gehörte Goncalves hingegen nicht zu den großen Vertretern der Zunft. Beim Club Sportivo Moata y Compania war er einer von vielen, nie spielte er höherklassig als in der zweiten angolanischen Liga und auch seine Trainer-Laufbahn begann er fast unbemerkt beim kleinen Klub Sporting Baciberra. Doch schnell folgte er dem Ruf des Verbandes, weil er ein gutes Händchen für Talente hatte. Der voläufige Höhepunkt seiner Karriere war der Gewinn des Afrika-Cups für U20-Mannschaften, der die Teilnahme an der Junioren-WM in Argentinien 2001 ermöglichte. Viele Spieler aus diesem Team spielen mittlerweile im der A-Nationalmannschaft.

Zwei Schwerpunkte sind es, die dem Trainer bei seiner Arbeit besonders am Herzen liegen. Entscheidend ist für ihn einerseits die kontinuierliche Ausbildung der einheimischen Talente. "Durch meine Tätigkeit in allen Jugend- und Juniorenteams kenne ich alle Spieler sehr gut. Die meisten kenne ich seit ihrer Kindheit. Kapitän Akwa habe ich schon als 15-Jährigen trainiert, Mantorras habe ich als 12-Jährigen unter meinen Fittichen gehabt. Das sind alles meine Jungs", sagt der 51-Jährige.

Zum anderen sucht der Trainer akribisch in Europa nach Profis mit angolanischen Wurzeln, und setzt damit die Arbeit eines seiner Vorgänger fort. 1996 war ein gewisser Carlos Alhinho (ein ehemaliger portugiesischer Nationalspieler mit Ursprüngen auf den Kapverden) Trainer der Schwarzen Antilopen, wie das Nationalteam genannt wird. Erstmals war das Land damals für den Afrika-Cup qualifiziert und Alhinho begab sich nach Lissabon, um in Portugal Profis mit angolanischer Herkunft zu suchen. Bei mehr als vier Millionen Flüchtlingen eine durchaus durchdachte Aktion, die vom schnellen Erfolg belohnt wurde

Nach einigen Testspielen in Lissabon kreuzte der Trainer mit einer fast komplett neuen Elf bei der Kontinentalmeisterschaft auf. Das neue Team war nur noch rudimentär vergleichbar mit dem der Qualifikation. Etliche der neuen Nationalspieler waren nach ihrer Flucht nie in Angola gewesen, nutzten dann aber die Möglichkeit des Einstiegs in den internationalen Fußball.

Darunter sind auch weiße, die während der Kolonialzeit zu Angolanern wurden, während des Krieges dann jedoch flüchteten. "Für mich ist das auch eine Möglichkeit, mein Geburtsland kennen zu lernen, über das ich bisher nur wenig wusste", sagt Figueiredo, einer der Weißen im Team. Goncalves wird heute noch fündig in Portugal, wenngleich keine Spieler mit herausragenden individuellen Fähigkeiten oder großer internationaler Erfahrung unter den Nationalspielern sind.