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Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Daniel Theweleit

Elfenbeinküste / Côte d´Ivoire

Untypisch für Westafrikaner: Effizienz prägt das Spiel der Ivorer

Das gilt für die Einstellung, für die Willenskraft, doch leider auch allzu oft für die Spielweise des Teams. Denn Drogba ist ein Meister der Effizienz, gerne bleibt er lange unsichtbar, macht wenig Sehenswertes, bevor er dann zuschlägt. Dann aber mit Aktionen, die die Zuschauer staunen lassen. Genau diese Spielweise hat das Team der Elfenbeinküste während des Afrika-Cups im Januar und Februar perfektioniert. "Wir haben da nicht sehr spektakulär gespielt, in den meisten Spielen haben wir nicht unser wahres Gesicht, unser spielerisches Potenzial gezeigt", meint Toure, doch so lange man erfolgreich ist, wird sich darüber niemand beklagen.

Dabei gilt eigentlich der hoch attraktive französische Spielansatz als Grundlage des ivorischen Fußballs. Denn ein Großteil der Spieler ist im Fußballcamp des Franzosen Jean-Marc Guillou in der Hauptstadt Abidjan ausgebildet worden, und dort wird die "Philosophie eines schnellen Kurzpassspiels" gepflegt, berichtet Toure. Die Existenz dieser Fußballschule ist nicht nur ein Segen für die Nationalmannschaft des Landes und Grundlage für die jüngsten Erfolge, sie hilft auch den Spielern zu vernünftigen Bedingungen, nach Europa zu wechseln. Und das ist für viele Talente oftmals noch viel mehr wert.

In anderen afrikanischen Nationen beherrschen skrupellose Spielervermittler den Markt und transferieren ihre Ware zu miserablen Konditionen nach Europa. Dann landen ahnungslose Teenager bei zweit- oder drittklassigen Klubs, wo sich niemand um ihre Integration, um ihr Wohlbefinden abseits des Fußballs kümmert. Guillou hingegen pflegt hervorragende Kontakte nach Europa und vor allen Dingen zum belgischen Klub KV Beveren, wo oftmals zehn und mehr Ivorer unter Vertrag stehen. Über dieses Einfalltor kommen die Spieler dann in die neue Umgebung, man kümmert sich um sie, es gibt einen Mitspieler in derselben Situation, der dieselbe Sprache spricht, und das steigert die Chance auf eine gute Entwicklung. Wie Emmanuel Eboué, der mittlerweile bei Arsenal London spielt, hat so mancher von hier den Sprung zu einem großen Klub geschafft.

Ein junges Team mit großer Perspektive

Drogba gehört zwar nicht zu den in Guillous Camp ausgebildeten Spielern, Vorbild für die Talente ist er trotzdem. Die WM ist ein Schaufenster, in dem sich die Ivorer präsentieren werden, gut möglich, dass anschließend einige von ihnen folgen in die Sphäre der großen Champions-League-Stars. Denn das Team ist jung, der Altersdurchschnitt bewegt sich um die 25, und Trainer Michel hat den Mut besessen, die Phase zwischen der erfolgreichen WM-Qualifikation und dem Weltturnier zu nutzen, langfristig an der Qualität des Spiels zu feilen. "Ich wusste, dass ein frühes Ausscheiden beim Afrika-Cup mich meinen Job hätte kosten können, aber das habe ich bewusst riskiert", sagt er in Anspielung auf die gehörige Portion Glück, die sein Team in der Vorrunde der Kontinentalmeisterschaft hatte. Doch die Elfenbeinküste steigerte sich, erreichte das Finale und kommt mit einem gestärkten Selbstbewusstsein nach Deutschland.

Wenngleich der Mannschaft dort in ihrer Gruppe mit Argentinien, Holland sowie Serbien und Montenegro allenfalls Außenseiterchancen eingeräumt werden können. "Die Gruppe ist unglaublich schwer", meint Michel, doch er schöpft Zuversicht aus der Erinnerung an die Weltmeisterschaft von Japan und Korea. "Da hatten wir die Gruppe mit Frankreich, die verloren das erste Spiel gegen Senegal, daraus entwickelte sich eine Dynamik und am Ende war Senegal weiter und Frankreich ausgeschieden", meint Michel. Das Auftaktspiel gegen Argentinien sei deshalb ganz entscheidend, glaubt der Franzose. Aus gesamtafrikanischer Perspektive ist es dennoch traurig, dass das vermeintlich beste Team vom Schwarzen Kontinent ausgerechnet in dieser unglaublich starken Gruppe landen musste.

Mit so genannten "Todesgruppen" haben die Ivorer aber durchaus ihre Erfahrungen. Schon die WM-Qualifikationsgruppe mit Kamerun und den traditionell starken Ägyptern wurde von vielen als ungleich schwer empfunden, die Elfenbeinküste bewältigte die Prüfung. Auch die Vorrunde beim Afrika-Cup überstand man gegen Marokko und erneut im Duell mit Ägypten, die diesmal als Gasteber antraten. "Diese harten Proben haben uns gestärkt", sagt Michel mittlerweile zufrieden.