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Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.
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5.12.2005 | Von:
Daniel Theweleit

Elfenbeinküste / Côte d´Ivoire

Erst im achten Anlauf gelang es der Fußball-Nationalmannschaft der Elfenbeinküste, sich für eine WM-Endrunde zu qualifizieren. Unter der Leitung des französischen Trainers Henri Michel besiegte man während der Qualifikationsrunde die renommierten Teams aus Kamerun und Ägypten. Ivorischer Topstürmer ist Didier Drogba von Chelsea London.

Einleitung

Landesflagge ElfenbeinküsteLandesflagge Elfenbeinküste
Es waren wohl die aufregendsten Augenblicke in der Fußballgeschichte der Elfenbeinküste, die sich am 8. Oktober 2005 ereigneten. Die Elefanten, wie die Mannschaft aus den besten Spielern des Landes genannt wird, hatten ihre Partie im Sudan mit 3:1 gewonnen, und aus Yaounde wurde ein 1:1 zwischen Kamerun und Ägypten gemeldet. Ein Ergebnis, das den Ivorern reichen würde zur ersten WM-Teilnahme in der Historie des Landes. Doch das Spiel im fernen Kamerun befand sich noch in einer ausgedehnten Nachspielzeit. Ein Kameramann hatte Handykontakt nach Yaounde und vermeldete schließlich, dass die Kameruner einen Elfmeter erhalten sollten. "Einige Spieler begannen zu weinen", erzählt Kolo Toure, der Verteidiger von Arsenal London, doch der Kontaktmann zum anderen Spiel übermittelte kurz darauf die Nachricht, dass Pierre Womé den Strafstoß an den Pfosten gesetzt hatte, dass das Spiel beendet sei – die Elfenbeinküste war am Ziel ihrer Träume und erstmals für eine Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert.


Didier Drogba: Der schüchterne Meister des Erfolges

"Das waren unglaubliche Momente", erinnert sich Trainer Henri Michel, der endgültig eine Art Heldenstatus in dem westafrikanischen Land erlangte, als er im Februar auch noch ins Finale der Kontinentalmeisterschaft einzog. Dort verlor das Team erst im Elfmeterschießen gegen Gastgeber Ägypten und blickt nun zurück auf die schönsten Fußballmonate. "Wir haben im Augenblick eine goldene Generation von Fußballern", meint Toure, zudem hat die Nation das Glück, derzeit einen echten Starspieler in den eigenen Reihen zu wissen. Einen der unbestritten besten Stürmer der Welt: Didier Drogba. Der 28-Jährige wurde jüngst auf den zweiten Platz bei der Wahl zu Afrikas Fußballer des Jahres gewählt, direkt hinter dem Kameruner Samuel Eto´o, der nicht dabei ist, wenn in Deutschland um den WM-Titel gespielt wird.

Von seinen Mannschaftskollegen in der Nationalmannschaft hat Drogba den Spitznamen "das Pferd" bekommen, man kann sich gut vorstellen, wie es dazu kam: Der Stürmer besticht durch seine beeindruckende Dynamik, fasziniert durch seine geschmeidige Beweglichkeit, die Kraft des wuchtigen Stürmers. Das veranlasste Bayern Münchens Owen Hargreaves einmal zu der Aussage, "der ist 1,90 und wiegt 95 Kilo". In Wahrheit wiegt Drogba nur 74 Kilo und ist 1,88 Meter groß, diese Mischung aus Geschmeidigkeit und Präsenz ist bestechend. Doch "seine Körperlichkeit ist sowieso nur der eine Grund für diesen Spitznamen", sagt Toure. "Didier ist auch ein sehr gutmütiger, sanfter Typ, fast ein bisschen scheu", erzählt der zweite namhafte Spieler aus dem Kader der Elfenbeinküste.

"Scheu", das ist ein guter Ausdruck für den Chef dieser Mannschaft, denn so sichtbar er auf dem Platz auftritt, so zurückhaltend agiert er abseits des Rasens. Große Taten hat er zuletzt vollbracht, er schoss die entscheidenden Tore zum Einzug der Elfenbeinküste ins Finale des Afrika-Cups, er war Kapitän und Leistungsträger in der Qualifikation, doch im persönlichen Gespräch ist er ein Mann der leisen Töne. Neben ein paar inhaltslosen Phrasen verkündet Drogba: "Das Wichtigste ist gegenseitiges Vertrauen unter uns Spielern". Die Worte kommen ihm nur widerwillig über die Lippen, und bei der ersten Gelegenheit verschwindet er wieder auf seinem Hotelzimmer.

Den Star des FC Chelsea für ein längeres Gespräch zu gewinnen, war während des Afrika-Cups nur mit immenser Ausdauer möglich. Viele Journalisten lagen drei, vier Tage hintereinander in der Lobby des Mövenpick-Hotels am Kairoer Flughafen vergeblich auf der Lauer. Während sich die meisten Spieler und auch Trainer Henri Michel bereitwillig allen Fragen stellten, huschte Drogba ähnlich gekonnt durch das Spalier vorgehaltener Mikrofone wie im Spiel durch die gegnerischen Abwehrreihen. "Man darf das aber auf keinen Fall mit Arroganz verwechseln", sagt Guy Demel vom Hamburger SV. "Alle Leute im Umfeld der Mannschaft stürzen sich auf Didier. Man muss verstehen, dass er darauf mit einer gewissen Distanz reagiert, denn im Grunde ist er eher ein zurückhaltender Typ", erklärt der Defensivspezialist.

Trotz der Ausnahmestellung des Stürmers, der im Sommer 2004 für 37,5 Millionen Euro von Olympique Marseille zum FC Chelsea wechselte, schwärmt Demel von Drogbas Qualitäten als Mannschaftsspieler. "Er ist der Führer der Mannschaft, er kämpft für uns alle, und er strahlt unheimlich intensiv aus, dass er unbedingt gewinnen will. Zu sprechen ist einfach, aber das Zeigen ist die Kunst eines guten Kapitäns." Und die beherrsche Drogba wie kaum ein anderer. Der französische Trainer Michel, sagt schlicht: "Drogba geht voraus, die anderen folgen."

Untypisch für Westafrikaner: Effizienz prägt das Spiel der Ivorer

Das gilt für die Einstellung, für die Willenskraft, doch leider auch allzu oft für die Spielweise des Teams. Denn Drogba ist ein Meister der Effizienz, gerne bleibt er lange unsichtbar, macht wenig Sehenswertes, bevor er dann zuschlägt. Dann aber mit Aktionen, die die Zuschauer staunen lassen. Genau diese Spielweise hat das Team der Elfenbeinküste während des Afrika-Cups im Januar und Februar perfektioniert. "Wir haben da nicht sehr spektakulär gespielt, in den meisten Spielen haben wir nicht unser wahres Gesicht, unser spielerisches Potenzial gezeigt", meint Toure, doch so lange man erfolgreich ist, wird sich darüber niemand beklagen.

Dabei gilt eigentlich der hoch attraktive französische Spielansatz als Grundlage des ivorischen Fußballs. Denn ein Großteil der Spieler ist im Fußballcamp des Franzosen Jean-Marc Guillou in der Hauptstadt Abidjan ausgebildet worden, und dort wird die "Philosophie eines schnellen Kurzpassspiels" gepflegt, berichtet Toure. Die Existenz dieser Fußballschule ist nicht nur ein Segen für die Nationalmannschaft des Landes und Grundlage für die jüngsten Erfolge, sie hilft auch den Spielern zu vernünftigen Bedingungen, nach Europa zu wechseln. Und das ist für viele Talente oftmals noch viel mehr wert.

In anderen afrikanischen Nationen beherrschen skrupellose Spielervermittler den Markt und transferieren ihre Ware zu miserablen Konditionen nach Europa. Dann landen ahnungslose Teenager bei zweit- oder drittklassigen Klubs, wo sich niemand um ihre Integration, um ihr Wohlbefinden abseits des Fußballs kümmert. Guillou hingegen pflegt hervorragende Kontakte nach Europa und vor allen Dingen zum belgischen Klub KV Beveren, wo oftmals zehn und mehr Ivorer unter Vertrag stehen. Über dieses Einfalltor kommen die Spieler dann in die neue Umgebung, man kümmert sich um sie, es gibt einen Mitspieler in derselben Situation, der dieselbe Sprache spricht, und das steigert die Chance auf eine gute Entwicklung. Wie Emmanuel Eboué, der mittlerweile bei Arsenal London spielt, hat so mancher von hier den Sprung zu einem großen Klub geschafft.

Ein junges Team mit großer Perspektive

Drogba gehört zwar nicht zu den in Guillous Camp ausgebildeten Spielern, Vorbild für die Talente ist er trotzdem. Die WM ist ein Schaufenster, in dem sich die Ivorer präsentieren werden, gut möglich, dass anschließend einige von ihnen folgen in die Sphäre der großen Champions-League-Stars. Denn das Team ist jung, der Altersdurchschnitt bewegt sich um die 25, und Trainer Michel hat den Mut besessen, die Phase zwischen der erfolgreichen WM-Qualifikation und dem Weltturnier zu nutzen, langfristig an der Qualität des Spiels zu feilen. "Ich wusste, dass ein frühes Ausscheiden beim Afrika-Cup mich meinen Job hätte kosten können, aber das habe ich bewusst riskiert", sagt er in Anspielung auf die gehörige Portion Glück, die sein Team in der Vorrunde der Kontinentalmeisterschaft hatte. Doch die Elfenbeinküste steigerte sich, erreichte das Finale und kommt mit einem gestärkten Selbstbewusstsein nach Deutschland.

Wenngleich der Mannschaft dort in ihrer Gruppe mit Argentinien, Holland sowie Serbien und Montenegro allenfalls Außenseiterchancen eingeräumt werden können. "Die Gruppe ist unglaublich schwer", meint Michel, doch er schöpft Zuversicht aus der Erinnerung an die Weltmeisterschaft von Japan und Korea. "Da hatten wir die Gruppe mit Frankreich, die verloren das erste Spiel gegen Senegal, daraus entwickelte sich eine Dynamik und am Ende war Senegal weiter und Frankreich ausgeschieden", meint Michel. Das Auftaktspiel gegen Argentinien sei deshalb ganz entscheidend, glaubt der Franzose. Aus gesamtafrikanischer Perspektive ist es dennoch traurig, dass das vermeintlich beste Team vom Schwarzen Kontinent ausgerechnet in dieser unglaublich starken Gruppe landen musste.

Mit so genannten "Todesgruppen" haben die Ivorer aber durchaus ihre Erfahrungen. Schon die WM-Qualifikationsgruppe mit Kamerun und den traditionell starken Ägyptern wurde von vielen als ungleich schwer empfunden, die Elfenbeinküste bewältigte die Prüfung. Auch die Vorrunde beim Afrika-Cup überstand man gegen Marokko und erneut im Duell mit Ägypten, die diesmal als Gasteber antraten. "Diese harten Proben haben uns gestärkt", sagt Michel mittlerweile zufrieden.

Die Elfenbeinküste wankt am Rande eines Bürgerkrieges

Ob die Erfolge auch den Zusammenhalt der fragilen Gesellschaft an der Elfenbeinküste gestärkt haben, vermag er hingegen nicht zu sagen. "Es wäre schön, wenn wir es schaffen, mit unserer Mannschaft, die unterschiedliche Volksgruppen vereint, auch ein wenig zur Einheit des Landes beitragen können", erklärt er, mehr möchte er nicht zu diesem sensiblen Thema sagen. Die politische Lage ist gespannt, das Land befindet sich in einem Bürgerkrieg, der täglich zu eskalieren droht. "Jedes Wort zu dieser Problematik kann ganz schnell gegen einen verwendet werden", erklärt Michel seine Zurückhaltung in dieser Sache. Didier Drogba musste die Sensibilität des Themas schon einmal bitter erfahren, nachdem er in einem Interview mit dem "L'Equipe-Magazin" gesagt hatte, "die Franzosen verhalten sich immer noch kolonialistisch".

Die Elfenbeinküste ist eine ehemalige Kolonie Frankreichs, und nachdem bei Luftangriffen der regierungstreuen ivorischen Streitkräfte im Bürgerkriegsgebiet 2004 neun französische Soldaten getötet wurden, ließ Staatschef Jacques Chirac die beiden beteiligten Sukhoi-Jagdbomber sowie vier Kampfhubschrauber der Luftstreitkräfte am Boden zerstören. Das war praktisch die gesamte Luftwaffe des Landes. Sowohl in Afrika als auch in Frankreich, wurde Drogba heftig für seinen Kommentar zu diesem Akt kritisiert, seither schweigt auch er zum Thema.

Beim Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland wird ausdrücklich vor Reisen an die Elfenbeinküste gewarnt. "Die Gefahr eines erneuten Ausbruchs bewaffneter Auseinandersetzungen, bei denen insbesondere auch westliche Ausländer gefährdet sein könnten, besteht im gesamten Landesgebiet, einschließlich Abidjan, fort", heißt es. Die Nordhälfte des großen Territoriums wird von oppositionellen Rebellen kontrolliert, Präsident Laurent Gbagbo kontrolliert den Süden, wo sich auch der Großteil der Kakaoplantagen befindet.

Kakao ist der wichtigste Rohstoff, den das Land hervorbringt. 40 Prozent der Weltproduktion des Schokoladengrundstoffs stammt von der Elfenbeinküste, und 2005 stellte ein UN-Komitee fest, die Kakaobehörden der Elfenbeinküste – von Vertrauten des Präsidenten geleitet – finanzierten ein Fünftel des ivorischen Militärhaushalts: zehn Milliarden CFA-Franc (15 Millionen Euro) pro Jahr.

Trotz UN-Waffenembargo rüstet das Gbagbo-Lager auf, und neben den Regierungsstreitkräften werden mit diesen Waffen so genannte "patriotische Milizen" aus dem Umfeld Gbagbos immer stärker. Sie gelten als Hauptgefahr für den Frieden, denn sie streifen schwer bewaffnet durchs Land, und stiften unkontrolliert Unruhe. Zuletzt schlugen sie 300 aus Bangladesch stammende Blauhelme in die Flucht, die Hauptstadt Abidjan wird seither nicht mehr von der UNO kontrolliert. Insgesamt sind etwa 7.000 Blauhelme im Land, vorwiegend bemühen sie sich um eine Pufferzone zwischen der Nord- und Südhälfte.

"Wir sind die Hoffnung eines geteilten Landes", sagte Kolo Toure, der sich angesichts dieser Lage nur noch sehr selten in seiner Heimat aufhält. "Unsere Aufgabe ist, den Menschen ein bisschen Freude zu schenken", erklärt er, dass die zerstrittenen Gruppen sich bald einigen, glaubt er nicht. Doch könnte es nicht helfen, wenn die Nationalmannschaft das Volk im Vorfeld der WM zur Vernunft ruft? Wenn die Spieler den Menschen vorschlagen, sich zum Wohle aller zu vertragen? "Fußballer haben nicht die Macht, politischen Einfluss zu nehmen", entgegnet Toure dieser Überlegung. Sein Gesicht ist traurig als er sagt, "wir können nur ein wenig Fröhlichkeit unter die Leute bringen".

Henri Michel auf den Spuren von Bora Milutinovic

Solch eine komplizierte Situation hat auch der weit gereiste Henri Michel noch nicht erlebt. "Meine Frau und ich sind zunächst nach Abidjan gereist, wir wollten uns ein Haus dort suchen", erzählt er, doch die Funktionäre des Verbandes rieten dem Paar davon ab. Zu gefährlich sei das, und außerdem spielten ja ohnehin alle Nationalspieler im Ausland, habe man ihm mitgeteilt, erzählt der 58-Jährige.

Der Franzose, der als aktiver Profi beim FC Nantes immerhin auf 58 Länderspiele kam und 1978 bei der WM in Argentinien dabei war, wird in Deutschland seine vierte Weltmeisterschaft als verantwortlicher Trainer erleben. 1986 in Mexiko betreute Michel Frankreich, acht Jahre später in den USA coachte er Kamerun. 1998 bei dem Turnier in Frankreich war er verantwortlich für Marokko. Und nun ist er also mit der Elfenbeinküste dabei. Damit nähert er sich dem skurrilen Rekord von Bora Milutinovic, der fünf unterschiedliche Teams bei fünf verschiedenen Weltmeisterschaften betreute.

Auch als Nationaltrainer der Vereinigten Arabischen Emirate arbeitete Michel einmal, er war als Klubtrainer dort bei Al-Nasr, später bei Aris Saloniki und Raja Casablanca. Seine Wahlheimat allerdings ist der Libanon, wo seine Frau herkommt. Ein zweites Domizil besitzt er noch in Paris, und von dort beobachtet und besucht er seine ivorischen Kandidaten für den WM-Kader.

Der Kern des Teams steht allerdings bereits. Neben Drogba und Toure gilt Didier Zokora (AS St. Etienne), der in der Akademie die Spitznamen "Maestro" und "Beckenbauer" erhielt, weil er sowohl vor als auch hinter der Abwehr gleich gut agiert, als Führungspersönlichkeit. Aber auch Verteidiger Aruna Dindane (RC Lens), der während des Afrika-Cups eine Tochter verlor und deshalb frühzeitig von dort abreiste, oder Stürmer Arouna Koune (PSV Eindhoven) sind tragende Säulen des jungen Teams. Dazu kommt ein Spiel entscheidender Techniker wie Bonaventure Kalou (Paris St. Germain) oder "Flügelflitzer" Kanga Akalé (AJ Auxerre).

Dieser Kreis von Spielern setzt mit Michel einen Weg fort, den schon der vormalige Trainer Robert Nouzaret eingeschlagen hat. Nouzaret hatte die Mannschaft 2002 übernommen. Gemeinsam mit dem charismatischen Verbandschef Jacques Anouma initiierte er damals einen personellen Umbruch, kündigte dann aber überraschend seinen Job, um in seine Wahlheimat nach Montpellier zurückzukehren. Dem gewünschten Trainerprofil kam der erfahrene Henri Michel am nächsten. Er variiert zwar immer wieder das von dem Nouzaret präferierte 4-4-2-System, um Kalou alle Freiheiten hinter den Spitzen einzuräumen, doch ansonsten übernahm er viele Errungenschaften seines Vorgängers.

Das Ende eines Fluches soll Flügel verleihen

Wirklich vieles schiefgehen kann indes bei der Weltmeisterschaft ohnehin nicht, egal mit welchem System gespielt wird, und auch die Prominenz der Gegner dürfte keine große Rolle spielen. Denn nach Jahren des Misserfolges hat man endlich das alte Übel beseitigt, das großen Erfolgen lange im Wege stand. Die Elfenbeinküste war 1992 einmal Afrikameister, das war der größte Erfolg in der Geschichte der Fußballnation. Ohne Gegentor gewann das Team damals, und herausragend spielte während des Turniers Torhüter Alain Gouamene, der im Elfmeterschießen des Finales den entscheidenden Schuss des Deutsch-Ghanaers Anthony Baffoe hielt. Viele Ivorer sahen aber als Urheber des Sieges eine Gruppe von Hexenmeistern aus einer Vorstadt von Abidjan, was durchaus üblich ist in Westafrika, wo die bizarrsten Rituale abgehalten werden rund um wichtige Fußballspiele.

Die angeblichen Magier behaupteten nach dem Titelgewinn, dass der Sportminister sie engagiert, aber später nie bezahlt habe. Deshalb verfluchten sie nach dem Turnier die Nationalelf, und zehn Jahre später, nach zahlreichen Misserfolgen entschuldigte sich der Verteidigungsminister öffentlich für "die Versprechen, die 1992 nach dem Afrika-Cup nicht gehalten wurden". Er bot den Hexenmeistern 2.000 Dollar an und bat sie um Wiederaufnahme ihrer Dienste: "Für die Republik und den Sportminister". Und prompt gelang die erstmalige Qualifikation für das Turnier der besten Fußballnationen der Welt. Mal sehen, was die Zauberer noch alles möglich machen.
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