Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 Pfeil rechts

Frankreich


5.12.2005
Die Teilnahme 2006 bietet für die 'Equipe Tricolor' Chancen zur Wiedergutmachung. Nach dem WM-Gewinn im eigenen Land folgte 2002 ein Debakel: Frankreich schied bereits in der Vorrunde aus.

Landesflagge FrankreichLandesflagge Frankreich (© Public Domain)

Champagnerfußball

Stellen wir uns vor: einer der millionenschweren Stars der französischen Fussballnationalmannschaft kommt auf der Autobahn A 4 an Reims vorbei. Aus den Augenwinkeln hinter seiner Markensonnebrille nimmt er kurz eine Stadiontribüne wahr. Eigentlich müsste jetzt sein Herz höher schlagen, denn eben hier steht die Wiege des erfolgreichen französischen Nachkriegsfussballs. Doch welcher Weg führt schon aus London, Turin oder Madrid, wo Spieler wie Henry, Trezeguet oder Zidane ihr Geld verdienen, über Reims?

"Stade Reims" war zwischen 1949 und 62 sieben Mal französischer Meister, zwei Mal im Europapokalfinale, 1956 und 59, beide Male verlor man gegen Real Madrid. Heute, da die Elf aus der Champagne im unteren Mittelfeld der 2. französischen Liga verschwunden ist, leuchten, wenn der Namen des Clubs fällt, nur noch die Augen der älteren Generation, vor allem in Erinnerung an das mythische Stürmerpaar Raymond Kopa und Just Fontaine. Kopa, "der Napoleon des Fussballs", hiess mit richtigem Namen Kopaszewski und war Sohn eines polnischen Bergarbeiters aus Nordfrankreich. Just Fontaine hatte als kleiner Junge in Marokko das Fussballspielen gelernt und trug einen Vornamen, der klang, als stünde die französische Revolution mit auf dem Platz. Europa und die Welt haben sie schwindlig gespielt, vor allem Fontaine: 13 Tore bei der WM 58 in Schweden, ein bis heute unerreichter Rekord. Damals gewann Frankreich das kleine Finale gegen den amtierenden Weltmeister Deutschland. Es war das bis dahin beste Ergebnis für die Blauen, besser als 1938, als Frankreich erstmals Ausrichter einer WM war.

Die Erfolge des so genannten Champagnerfussballs von "Stade Reims" und der Nationalmannschaft bildeten Ende der 50-er Jahre eine Art Gegengewicht zu den grossen Sorgen, die das Land plagten: Frankreich kam aus dem algerischen Schlamassel, das damals niemand als Krieg bezeichnen wollte, nicht heraus, De Gaulle wieder an die Macht zurück, mit ihm wurde gar eine neue Republik aus der Taufe gehoben, während zwei Millionen junge französische Rekruten gezwungen waren, in diesem letzten Kolonialkrieg Dienst zu tun.

Fußballerisch stand "Stade Reims" in dieser politisch bewegten Zeit auch am Anfang einer Entwicklung, die bis heute anhält, ja den französischen Fußball prägt, manche meinen, schwächt: das massive Abwandern der Spitzenspieler ins europäische Ausland. Raymond Kopa zog es damals schon zu Real Madrid, wo er an der Seite von di Stefano und Puskas spielte, heute, ein halbes Jahrhundert später, begeistert erneut ein Franzose die Fans des königlichen Clubs mit den weissen Trikots: Zinedine Zidane.