Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Stefan Mentschel

Japan

Von Dettmar Cramer zu Guido Buchwald: Olympia-Bronze und J.League-Erfolge

Noch vor 20 Jahren hätte keine Zeitung so etwas geschrieben, denn lange führte der japanische Fußball ein Schattendasein. Mit einer Ausnahme: Um bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio gut abzuschneiden, engagierte der Fußballverband 1960 mit dem deutschen Dettmar Cramer erstmals einen ausländischen Trainer für die Nationalmannschaft. Dem gebürtigen Dortmunder verdankt Japan seine ersten erfolgreichen Gehversuche auf dem internationalen Fußballparkett. Beim olympischen Turnier in Tokio gelang ein 3:2 Sieg über Argentinien. Und vier Jahre später in Mexiko konnte das Team sogar überraschend die Bronzemedaille erkämpfen. Die Arbeit Dettmars, der in den 1970er-Jahren Bayern München zwei Mal zum Gewinn des Europapokals der Landesmeister führte, hatte auch Einfluss auf den japanischen Vereinsfußball. Auf seinen Vorschlag hin wurde 1965 die halbprofessionelle Japan Soccer League gegründet, in der größtenteils Werksmannschaften großer Konzerne wie Hitachi, Mitsubishi oder Toyota den Meister ausspielten – bis 1992.

Im Jahr darauf nahm die J.League als landesweite Profiliga den Spielbetrieb auf. Zu Beginn wurden die zehn besten Teams der Japan Soccer League in professionell geführte Vereine umgewandelt. Heute spielen 30 Mannschaften in einer ersten und seit 1999 auch in einer zweiten Liga – 18 in J.League Division 1, zwölf in J.League Division 2. Angelockt durch üppige Gehälter heuerten in den Anfangsjahren zahlreiche in die Jahre gekommene Profis aus Europa und Südamerika in Japan an. Sie hoben das Spielniveau der Liga schnell an. Zu den bekanntesten gehörten der Engländer Gary Lineker sowie die deutschen Weltmeister von 1990, Pierre Littbarski und Guido Buchwald.

Zico zog es bereits 1991 nach Japan. Mit Einführung der J.League wurde sein Team Sumitomo Metal Industries in Kashima Antlers umbenannt, und der heute 53-Jährige war einer der ersten Stars der neuen Liga. Nach Ende seiner Laufbahn wurde er Trainer der Antlers und führte den Club aus dem Großraum Tokio zwischen 1995 und 2002 zu vier Meisterschaften und zwei Pokalsiegen. Aus Dankbarkeit für die sportlichen Erfolge hat man ihm vor dem Kashima Soccer Stadium sogar eine Statue errichtet. Die Nationalmannschaft übernahm Zico nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der WM 2002 vom Franzosen Phillippe Troussier.

Guido Buchwald kehrte im Januar 2004 ebenfalls als Trainer nach Japan zurück – zu den Urawa Red Diamonds, für die er von 1994 bis 1997 gespielt hatte. "Die J.League zu etablieren, war ein enormer Kraftakt", erinnert sich Buchwald. Vor allem weil Liga zu Beginn vor allem als Marketing-Produkt belächelt worden sei. Doch das Niveau habe sich von Jahr zu Jahr gesteigert, und sei heute nicht mehr mit dem zu seiner aktiven Zeit vergleichbar. "Die Teams der J.League besitzen mindestens Zweitliganiveau. Und vier bis fünf Mannschaften würden sicher auch in der Bundesliga eine gute Rolle spielen."

Zu denen gehören auch Buchwalds Urawa Red Diamonds, die der Deutsche nach seinem Amtsantritt zwei Mal in Folge zur Vize-Meisterschaft führte. 2004 verloren Buchwalds Mannen im Finale gegen die Yokohama F. Marinos, 2005 unterlagen sie Gamba Osaka. Am Ende der vergangenen Saison – die geht in Japan von Frühling bis Winter – sicherten sich die Urawa Reds mit einem 2:1 gegen Liga-Konkurrenten Shimizu S-Pulse allerdings den Pokal. Und im Februar dieses Jahres konnte sich Buchwald dann auch für die verlorene Meisterschaft revanchieren. Im Super-Cup-Finale schlug sein Team Gamba Osaka mit 3:1.

Wirtschaftlicher Erfolg, internationales Fußball-Know-how und eine hervorragende Jugendarbeit der J.League Vereine haben sich auch positiv auf die Nationalmannschaft ausgewirkt. "In den vergangenen Jahren haben ein paar sehr gute Trainer in Japan gearbeitet, das hat uns nach vorne gebracht", sagt Buchwald. Und nicht zuletzt aufgrund hoher taktischer Disziplin und guter Teamorganisation habe sich Zicos Mannschaft letztlich ohne größere Probleme für die Weltmeisterschaft qualifiziert.