Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Stefan Mentschel

Japan

Starkes Mittelfeld, schwacher Sturm

Maßgeblichen Anteil an diesem Erfolg hat das japanische Mittelfeld - nach Expertenmeinung das derzeit beste in Asien. Dessen Eckpfeiler sind die in Europa unter Vertrag stehenden Hidetoshi Nakata (Bolton Wanderers) und Shunsuke Nakamura (Celtic Glasgow). Hinzu kommen Shinji Ono, der in dieser Saison von Feyenoord Rotterdam zu den Urawa Red Diamonds zurückkehrte, und Mitsuo Ogasawara von den Kashima Antlers. Nakata, der 1997 und 1998 zu Asiens Spieler des Jahres gewählt wurde, ist für viele sogar der beste Fußballer, den Japan bislang hervorgebracht hat. Inzwischen gilt jedoch Nakamura als der Spieler, der in der Nationalelf die Fäden zieht.

Im Vergleich zu den exzellenten Optionen im Mittelfeld bereitet der Angriff Trainer Zico mehr Kopfzerbrechen. Zwar hat Masashi Ogura, im letzten Jahr Meister mit Gamba Osaka, in der WM-Qualifikation sowie im Konföderationen-Pokal 2005 entscheidende Tore erzielt. Doch etwa der in der Bundesliga aktive Naohiro Takahara blieb bislang – nicht zuletzt wegen zahlreicher Verletzungen – in der Nationalmannschaft weit hinter den Erwartungen zurück. Von Ex-Trainer Troussier in den WM-Kader 2002 geholt, habe er "im eigenen Land für Furore sorgen" wollen, schreibt Takahara auf seiner Homepage. Doch sechs Wochen vor Beginn des Turniers sei er an einer komplizierten Lungenentzündung erkrankt, die seine Träume platzen ließ. Ähnliches Pech widerfuhr dem heute 27-Jährigen, als er sich kurz vor dem Konföderationen-Pokal 2005 einen Muskelfaserriss zuzog und die Teilnahme am Turnier absagen musste.

Auch beim Hamburger SV, der den bis dahin in Europa weitgehend unbekannten Stürmer in der Winterpause der Saison 2002/2003 verpflichtet hatte, konnte er sich nie richtig durchsetzen. Dabei war Takaharas Bilanz bei seinem früheren Club Jubilo Iwata durchaus beachtlich. In der J.League brachte er es seit 1998 auf 105 Einsätze und schoss 58 Tore. Herausragend war dabei die Saison vor seinem Wechsel in die Bundesliga, in der er in 27 Spielen 26 Treffer erzielte. Folgerichtig wurde Takahara zu Japans "Spieler des Jahres 2002" ernannt. Zwischenzeitlich spielte der heute 27-Jährige auch ein Jahr beim argentinischen Traditionsverein Boca Juniors in Buenos Aires, der ihn jedoch aufgrund finanzieller Probleme nicht halten konnte. Für Hamburg erzielte Takahara in 97 Spielen 13 Tore, wobei die Saison 2004/2005 unter Trainer Thomas Doll mit 31 Einsätzen und 7 Treffern seine erfolgreichste war. Ab der kommenden Spielzeit wird Takahara für Eintracht Frankfurt auflaufen.

Doch zunächst soll er mithelfen, die hohen WM-Erwartungen seines Trainers zu erfüllen. Das wird nicht einfach, denn Japans Gegner in der Vorrunde sind Australien (12. Juni in Kaiserslautern), Kroatien (18. Juni in Nürnberg) und Weltmeister Brasilien (22. Juni in Dortmund). "Brasilien ist allen anderen haushoch überlegen", bekannte Zico dieser Tage. Die anderen kämpften daher von vornherein nur um den zweiten Qualifikationsplatz, aber "wenn wir unser Potenzial abrufen, haben wir die gleichen Chancen wie alle anderen auf ein Weiterkommen". Sollte der erste Schritt gelingen, gibt es für Zico nur ein Ziel: "Wir wollen unter die letzten Vier." Wie der Rivale Südkorea vor vier Jahren.