Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Stefan Mentschel

Saudi-Arabien

Ohne Legionäre zur Weltmeisterschaft

Mit einer stolzen Bilanz von zwölf Spielen ohne Niederlage gelang es der Fußball-Nationalmannschaft von Saudi-Arabien, die WM-Endrunde sicher zu erreichen. Trainiert wird das Team vom ehemaligen argentinischen Nationalspieler Gabriel Calderon, der unter anderem Stürmerstar Jaber zu einem erfolgreichen Comeback verhalf.

Landesflagge Saudi ArabienLandesflagge Saudi-Arabien
In Saudi-Arabien dreht sich das Trainer-Karussell schneller als anderswo. In elf Jahren haben sich insgesamt 14 Trainer als Team-Chef der Nationalmannschaft versucht, doch fast alle scheiterten an der inzwischen berüchtigten Ungeduld der Saudi Arabia Football Federation (SAFF). Zuletzt traf es im Dezember 2005 den Argentinier Gabriel Humberto Calderón. Der hatte das Team zuvor souverän durch die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Deutschland geführt. In der entscheidenden dritten Runde behauptete sich Saudi-Arabien mit vier Siegen - unter anderem gegen den Mitfavoriten Südkorea (2:0 und 1:0) - sowie zwei Unentschieden sogar als Gruppen-Erster und löste ungeschlagen das WM-Ticket.


Zum Verhängnis wurde Calderón allerdings wenig später die Westasien-Spiele in Katar. Dort verlor seine Mannschaft sowohl in der Vorrunde als auch im Halbfinale gegen den späteren Turniersieger Irak (1:5 und 0:2). Und auch im Spiel um den dritten Platz musste man sich der iranischen U23-Auswahl geschlagen geben. Obwohl der Trainer vor allem Nachwuchsspieler getestet hatte, bewahrte ihn das nicht vor der Entlassung. Die Begründung: Calderón habe kein schlüssiges Konzept für die WM-Vorbereitung vorlegen können und somit den Erfolg bei der inzwischen vierten Weltmeisterschafts-Teilnahme gefährdet.

Das Team - von seinen Fans auch Al-Sogour, die Falken genannt - gehört seit Mitte der 80er-Jahre zu den stärksten asiatischen Nationalmannschaften. Nach dem zweimaligen Gewinn der Asienmeisterschaft 1984 und 1988 konnte man sich 1994 erstmals für eine WM-Endrunde qualifizieren. Der Auftaktniederlage gegen die Niederlande (1:2) folgten Siege gegen Marokko (2:1) und Belgien (1:0), mit denen sich die Falken überraschend für das Achtelfinale qualifizierten. Dort allerdings scheiterte man mit 1:3 gegen den späteren WM-Dritten Schweden. Gleichwohl war die Weltmeisterschaft in den USA ein großer Erfolg für den saudi-arabischen Fußball, an den zwei Jahre später mit dem Gewinn der dritten Asienmeisterschaft angeknüpft werden konnte. Bei der WM 1998 musste Saudi-Arabien jedoch schon nach der Vorrunde die Heimreise antreten. Gegen Dänemark (0:1), Gastgeber Frankreich (0:4) und Südafrika (2:2) konnte man sich in der starken Gruppe nicht durchsetzen. 2002 in Südkorea und Japan war die Vorstellung noch enttäuschender. Mit Niederlagen gegen Deutschland (0:8), Kamerun (0:1) und Irland (0:3) wurde Saudi-Arabien abgeschlagen Gruppenletzter.

Die Hoffnung auf eine erfolgreiche WM 2006 verbindet sich nach der Entlassung Calderóns nun mit dem Brasilianer Marcos César Dias Castro, besser bekannt unter dem Namen Marcos Paquetá. "Nach den Resultaten der letzten Weltmeisterschaft, die Spieler und Fans in Saudi-Arabien noch immer schmerzen, wollen wir in Deutschland unser Ansehen wieder herstellen", sagte er nach seinem Amtsantritt. Zwei WM-Titel kann Paquetá bereits auf der Habenseite verbuchen. Im Jahr 2003 war er als Trainer für die brasilianische U17- und U20-Auswahl verantwortlich und führte beide Mannschaften zum Triumph. Ein Jahr später übernahm er den saudi-arabischen Spitzenklub Al-Hilal, mit dem er sich 2005 den Titel in der Saudi Premier League sicherte. Diese 1975 ins Leben gerufene höchste Spielklasse des Landes wird auch "Liga-Pokal des Wächters der zwei Heiligen Moscheen" (Custodian of the Two Holy Mosques League Cup) genannt.