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Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Regina König

Schweden

Fußball-Anfänge

In seinen Anfängen um 1880 war der Fußball in Schweden ein Zeitvertreib für junge Männer der Ober- und Mittelklasse, gespielt wurde – diszipliniert und selbstbeherrscht - nach den strikten Regeln des britischen Gentleman-Ideals. Nach der Jahrhundertwende wechselte der Fußball die Klasse und es entstanden erste Arbeiter-Fußballvereine. In den 1960er- und 1970er-Jahren wird der harte, männliche Sport demokratischer – und weiblicher. Die Gesellschaft wird gleichberechtigter – so auch der Fußball. In Schweden spielt Damenfußball übrigens eine viel größere Rolle als in Deutschland, dem Land des derzeitigen Fußball-Weltmeisters – vielleicht, weil das schwedische Spiel teamorientiert ist. Alleingänge auf dem Spielfeld haben keinen guten Ruf.

Die Helden von Los Angeles - Größte schwedische Mannschaft aller Zeiten

Am 13. Juli 1994 verliert das schwedische Team das WM-Halbfinale in Los Angeles gegen den späteren Weltmeister Brasilien mit 0:1. Die vier Tore im Kampf um Platz drei gegen Bulgarien trösten nur wenig. Schweden muss sich mit Bronze zufrieden geben. Dennoch: Die Bronze-Mannschaft von 1994 genießt in Schweden einen ähnlichen Status wie in Deutschland die Helden von Bern.

Zu den Stars von damals gehören: Thomas Ravelli, der im Spiel um Platz drei den entscheidenden Elfmeter hielt und der mit mehr als 120 Länderspielen schwedischer Fußball-Rekordnationalspieler ist; Thomas Brolin, der den AC Parma in die italienische und europäische Spitze führte; Henrik Larsson, der bei Celtic Glasgow Rekordtorschütze aller Zeiten und mehrfach Europas Rekordtorjäger wurde und der heute bei CF Barcelona um einen Sturmplatz gekämpft hat und nach der Sommerpause zu seinem Heimatverein Helsingborg IF zurückkehren wird; Martin Dahlin, der bei Borussia Mönchengladbach sehr erfolgreich auf Torjagd ging (beim HSV dann leider nicht mehr); Patrik Andersson, der ebenfalls bei Borussia Mönchengladbach spielte und bei Bayern München mehrfach zum besten Abwehrspieler nominiert wurde, und der 2001 für Bayern in der Nachspielzeit das 1:1 gegen den HSV erzielte, woraufhin Schalke 04 nur Meister der Herzen und nicht Deutscher Meister wurde.

Größte aktuelle Stars

Die größten aktuellen Stars aus der "alten Garde" sind noch Freddie Ljungberg (Arsenal London), Olof Melberg (Aston Villa), Anders Svensson (Elfsborg IF), Johan Mjälby (Celtic) und Henrik ("Henke") Larsson, der bei der WM in Deutschland einen schwedischen Rekord einstellen kann: Wird der 35-Jährige mit Cap Verdischen Wurzeln, der seinen ersten Fußball mit 16 Monaten bekam, nominiert (was sehr wahrscheinlich ist), dann ist er der einzige Spieler des Königreichs, der je bei fünf internationalen Meisterschaften dabei war!

Der neue schwedische Superstar heißt aber Zlatan Ibrahimovic. Der lange als Exzentriker und schlampiges Genie verschrieene Nationalstürmer hat sich nach seiner Zeit bei Ajax Amsterdam bei Juventus Turin zum Musterprofi gemausert. Ibrahimovic ist in Schweden geboren (sein Vater ist muslimischer Bosnier, die Mutter Katholikin aus Kroatien) und 1991, in einem Spiel der Balkanjugend (einer Mannschaft von Flüchtlingen aus Ex-Jugoslawien) gegen das südschwedische Vellinge, wurde eine Legende geboren. Der 19-jährige Zlatan erlebte damals seine erste Halbzeit auf der Bank und musste mit ansehen, wie seine Elf mit 0:4 in Rückstand geriet. Nachdem er zur Pause eingewechselt worden war, gelang Ibrahimovic das Kunststück von acht Toren binnen 45 Minuten zum 8:5 Endstand seiner Mannschaft. Spätestens seit der EM 2004 in Portugal ist Zlatan der Superstar der Jugend – Fußball ist Leidenschaft!: Nach dem unbeschreiblichen Tor per Seitfall-Hackentrick mit dem Rücken zum Tor im EM-Spiel gegen Italien sah man auf allen schwedischen Schulhöfen zahllose Jungen und natürlich auch Mädchen immer wieder diesen unglaublichen Trick nachspielen.

Ein weiterer Superstar ist "Svennis", Sven-Göran Eriksson, der Teammanager der englischen Nationalmannschaft – übrigens der erste Ausländer, der in dieses Amt berufen wurde. Das bleibt er noch bis nach der WM in Deutschland – "Svennis" und die Schweden sind nur wenig begeistert, dass England und Schweden in einer Gruppe aufeinander treffen. Allerdings hat Schweden seit 1969 nicht mehr gegen England verloren!

Größter Star aller Zeiten

Die Popularität von Kurt "Kurre" Hamrin hat noch keiner der neueren Stars erreicht. Im WM-Halbfinale 1958 in Göteborg schoss Hamrin das legendäre 3:1 gegen den amtierenden Weltmeister Deutschland, nachdem er zuvor Szymaniak schwindelig gespielt hatte. Die Schweden wurden WM-Zweite, und Hamrin (nach dem Brasilianer Garrincha mit nur einer Stimme weniger) zum zweitbesten Spieler des gesamten Turniers gewählt. Hamrin kam von AIK Stockholm (heute AIK Solna) und spielte für fünf italienische Clubs, u.a. Juventus Turin, AC Florenz und den AC Milan, mit dem er 1968 Europacup- (2:0 gegen den HSV) und 1969 Europapokalsieger wurde (4:0 gegen Ajax Amsterdam). Für den AC Florenz erzielte Kurre 150 Tore in der ersten italienischen Liga; ein Rekord, der erst 1999/2000 von Gabriel "Batigol" Batistuta eingestellt wurde. Insgesamt kam Kurt Hamrin auf 190 Tore bei 400 Einsätzen in der ersten Liga Italiens. Für Schweden spielte er 32mal international.