30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Regina König

Schweden

Schweden in der Bundesliga

Erst nach der WM 1974 setzte in der Bundesliga ein wahrer "Schweden-Boom" ein; vorher hatte es nur vereinzelt schwedische Spieler gegeben. Ronnie Hellström, einer der besten WM-Torhüter, wechselte zum 1. FC Kaiserlautern und spielte dort zehn Jahre. Für sein Nationalteam wurde er 77-Mal aufgestellt. Der 1. FC Kaiserslautern wurde zu einer "svensk-lag", einer Schweden-Mannschaft, nach dem Hellström auch andere in die Pfalz folgten, u.a. Roland Sandberg und Benny Wendt. Einige der bekanntesten Schweden in der Bundesliga sind: Patrik Andersson, Martin Dahlin, Torbjörn Nilsson und Jörgen Pettersson.

Vereine in Schweden

Schwedische Vereins-Mannschaften (der Herren!) spielen international eine unbedeutende Rolle, da gute Spieler rasch ins Ausland wechseln. Die Nationalmannschaft ist immer erfolgreicher als die Vereine – ganz anders als z.B. in Deutschland. Ausländische Stars gibt es in der schwedischen Liga kaum. Ausgesprochenen Kultstatus bei Djurgården IF genießt Ted "Teddy" Sheringham. Er kam Mitte der 1980er-Jahre vom FC Millwall und trug viel zum Aufstieg der Mannschaft in die erste schwedische Liga "Allsvenskan" bei. Bei Tottenham Hotspurs harmonierte Sheringham ganz hervorragend mit dem heutigen deutschen Teamchef Jürgen Klinsmann. In Deutschland machte Sheringham Schlagzeilen, als er in dem denkwürdigen Champions-League Endspiel 1998/99 mit seinem Tor zum 1:1-Ausgleich Manchester United den Sieg gegen Bayern München einleitete. Den Siegtreffer erzielte anschließend Ole Gunnar Solskjaer.

Fußballerisch ist das Land analog zur Bevölkerungsverteilung drei geteilt: 1) die Region Stockholm (mit dem amtierenden Meister DIF Djurgården, AIK Solna, der 2004 in die zweite Liga ab- und 2005 wieder aufstieg) und Hammarby IF (übertrieben ausgedrückt so etwas wie eine Art St. Pauli in Stockholm), der 2001 völlig überraschend schwedischer Meister wurde. 2) die Region Göteborg (mit dem IFK, der 1987 den UEFA-Pokal gewann – mit Sven Göran Eriksson als Trainer, GAIS, Örtgryte IS, Häcken) und 3) die Region Skåne (mit Malmö FF, Helsinborg IF). Diese Dreiteilung spiegelt auch die ewige Tabelle der ersten schwedischen Liga wider: IFK Göteborg, vor Malmö FF und AIK Solna (früher AIK Stockholm).

Eine Besonderheit aus dem Stockholmer Vorort Södertälje ist die "Assyriska Föreningen" – weltweit ist das der einzige Verein mit so genanntem Einwanderer-Hintergrund, der je in der höchsten Klasse spielte (zumindest für eine Saison). Im Tor steht Erland Hellström, Sohn des legendären Torwarts Ronnie Hellström.

Und noch eine Besonderheit ist der Hang, schwedischen Fußballern einen Spitznamen zu verpassen – hier eine Auswahl: Kurt "Kurre" Hamrin, Axel "Knall-Acke" Johansson, "Granit-Harry" Nilsson, Owe "Fiskarn" (der Fischer) Ohlsson, Benny "Guldfot" (Goldfuss) Söderling, Sven "Tomten" (Wichtel) Söderström.

"Svensk Lag" – schwedische Mannschaften gibt es überall

Spielen drei oder sogar mehr Schweden in einer ausländischen Fußballmannschaft (oder im Eishockey oder Handball), dann wird sie in den schwedischen Medien schnurstracks zu einer "svensk lag", zu einer "schwedischen Mannschaft". Deshalb genießen auch eher mittelprächtige Teams wie z.B. der FC Hansa Rostock, der eine zeitlang sogar fünf Schweden in seinen Reihen hatte, oder der FC Southampton, der FC Norwich oder der niederländische Club Heerenveen in Schweden großes Interesse.

Karrierestart für Weltklassespieler im Råsunda-Stadion – Nationalarena seit 1910

Zwei der größten Superstars des Weltfußballs begannen ihre Karriere im Stockholmer Vorort Solna. Im dortigen Råsunda-Stadion spielte 1958 der damals 17-jährige Pélé seine erste von vier Weltmeisterschaften. Brasilien besiegte Gastgeberland Schweden im Finale mit 5:2. Franz Beckenbauer bestritt 1965 sein erstes von insgesamt 103 Länderspielen im Råsunda-Stadion. Bei diesem WM-Qualifikationsspiel siegte die Mannschaft der Bundesrepublik mit 2:1 über die schwedischen Gastgeber.

Gute und schlechte deutsche Erinnerungen an schwedischen Fußball

WM-Qualifikation 1965 im Råsunda-Stadion: Auf deutscher Seite spielt der junge, noch unerfahrene Libero Franz Beckenbauer. Die Schweden gehen mit 1:0 in Führung, aber es gelingt vor der Pause der so genannte psychologisch wichtige Ausgleich vor 52.943 Zuschauern (das war bislang Rekord für schwedischen Fußball in Schweden!). In der zweiten Halbzeit schießt Uwe Seeler den 2:1 Siegtreffer. Damit hatte sich die deutsche Mannschaft für die WM 1966 in England qualifiziert. Ohne den Erfolg in Råsunda hätte der Weltfußball also ohne den Begriff "Wembley-Tor" auskommen müssen!

1958 kam Deutschland als Titelverteidiger zur WM. Im Halbfinale wurde im Ullevi-Stadion in Göteborg gespielt. Für die Deutschen unfassbar, gab es Einpeitscher, die mit Megaphonen vor dem Publikum standen und dieses zu unglaublicher Begeisterung trieben – so etwas hatte man in Skandinavien nicht erwartet. Immer dieses "heja, heja Sverige" und dazu das spielerische Können des unnachahmlichen "Kurre" Hamrin – das brachte dem deutschen Spieler Erich Juskowiak als erstem Nationalspieler überhaupt einen Platzverweis ein. Deutschland unterlag mit 1:3 und Schweden kam ins Endspiel gegen Brasilien, in dem die Skandinavier allerdings 5 Tore kassierten. (5:2) Die Frankfurter Rundschau schrieb am Tag nach dem Halbfinale: "Dieses Geschrei, das wie ein Peitschenhieb auf die Mannschaften nieder sauste und ständig die Tribüne erbeben ließ, setzte sich 90 Spielminuten lang ohne Pause fort und sollte, welchen anderen Zweck hätte es auch haben können, den Gegner fertig machen, seine Nerven zerreißen."