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Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.
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5.12.2005 | Von:
Regina König

Schweden

Welche Rolle spielt das Phänomen Fußball in Schweden? Regina König, ARD-Korrespondentin in Stockholm, wirft einen Blick auf das nördliche Königreich, das - rund ums Leder - eine wechselvolle Vergangenheit hat und bei der WM in Deutschland sehr weit kommen möchte.

Einleitung

Landesflagge SchwedenLandesflagge Schweden
Die Nachkommen der Wikinger haben nach Jahrzehnten in ihrem gemütlichen Volksheim den Biss verloren – außer im Sport. Es ist bemerkenswert, wie viele Talente und Weltstars in so unterschiedlichen Sportarten wie Tennis (Björn Borg, Mats Wilander), Leichtathletik (Kajsa Bergqvist, Henrik Sjöberg, Carolina Klüft, Stefan Holm, Christian Olsson), Ski-Abfahrt (Ingemar Stenmark, Anja Pärson) oder Armdrücken (Heidi Andersson) ein Neun-Millionen-Volk hervorbringen kann. Das liegt aber nicht nur in den Genen, sondern ist erstens eine Frage der Sportförderung und zweitens des Ansehens und der Unterstützung. Fußball ist in Schweden ein echter Volkssport und genießt höchstes Ansehen. Dabei sind die Herren – im Gegensatz zu den schwedischen Fußballfrauen, den Eishockey- und Handballspielern (ganz zu schweigen von den Bandy-, Innebandy- oder Orientierungsmannschaften) – niemals Welt- oder Europameister geworden. Die Vizeweltmeisterschaft im eigenen Land 1958 (2:5 gegen Brasilien) war der bislang größte Erfolg.


Land und Leute

Mittsommer und Lucia, Krebsessen und Osterhexen, Julbord, das Weihnachtsbuffet und Surströmmingspremiere (gegorener Ostseehering) – der schwedische Kalender ist voller wiederkehrender Feste und Bräuche, die im ganzen 1.500 Kilometer langen Land gefeiert werden. Das schafft Verbundenheit, Traditionen und es hat viel mit Essen und Trinken zu tun. Schweden sind gesellig, aber unnahbar, wenn es darum geht, enge Freundschaften mit Zugereisten zu knüpfen – da sind sich Ausländer einig, die schon länger im Land leben. Das Königreich, in dem die Monarchie nur noch repräsentative Aufgaben, aber großen identitätsstiftenden Charakter hat, gehört zwar seit 1995 zur EU, bezeichnet Europa jedoch immer noch als "Kontinent" – als wäre dieser weit weg und als würde man nicht dazu gehören! Immer noch ist die Gesellschaft geprägt von den "Volksheim"-Attributen: Gleichheit, Gleichstellung, Gleichberechtigung, Solidarität.

Seit 200 Jahren gab es keinen Krieg; mit seiner Neutralitätspolitik (die in Wahrheit so neutral nicht war) hat es das mit neun Millionen Einwohnern bevölkerungsarme Land geschafft, sich aus allem heraus zu halten. "Villa, Vovve, Volvo" – "Haus, Hund, Auto"; das ist immer noch der gemeinsame Nenner, der alle Schweden verbindet. Ein weiteres Ziel für den Durchschnittsschweden ist eine falurote "stuga", ein Sommerhaus auf dem Land, am liebsten im Schärengarten. Die Naturverbundenheit der Schweden ist geradezu sprichwörtlich und findet ihren Ausdruck nicht nur in den vielen dem Klima und der Jahreszeit angepassten Sportarten, die mit großer Begeisterung und Hingabe betrieben werden (schon die Kleinsten können Eishockey spielen oder Ski laufen!), sondern z.B. auch in der Jagdleidenschaft, die in der Saison ganze Betriebe lahm zu legen droht.

Wirtschaft und Bildungssystem

Ende der 1980er-Jahre hatte sich Schweden selbst in eine schwere Wirtschaftskrise manövriert. Die Ursachen: falsche Strukturen, ein absurdes Steuersystem, eine Geldpolitik, die wechselweise die Konjunktur bremste und überhitzte, ein vorbildlich ausgebautes Sozialsystem, das allerdings auf Vollbeschäftigung angelegt war und nicht auf eine krisengeschüttelte Gesellschaft mit zwölf Prozent Arbeitslosen. Die Inflation war damals zeitweise auf mehr als zehn Prozent angestiegen, die Krone hatte enorm an Wert verloren, Zinsen kletterten auf bis zu 500 Prozent.

Die Veränderungen und Einschnitte waren hart. Die Bürger schluckten das bittere Gebräu aus steigenden Steuern und sinkenden Ausgaben für Schulen, Kinderbetreuung, Krankenhäuser und Sozialhilfe, weil jeder spürte, dass es so nicht weitergehen konnte. Aber: Wenn man von sehr hohem Niveau aus einspart, bleibt immer noch eine Menge übrig – der Wohlfahrtsstaat Schweden ist, zahlreichen Kritikern zum Trotz, nicht ins Gegenteil umgeschlagen. Die Grundrente von rund 600 Euro im Monat und die Gesundheitsversorgung werden nach wie vor aus Steuermitteln finanziert, die Familien- und Bildungspolitik ist vorbildlich. Die Euro-Einführung wurde 2003 mit knapper Mehrheit abgelehnt, der Wirtschaft geht es vergleichsweise gut. Offiziell liegt die Arbeitslosenquote bei rund fünf; das Wachstum bei zwei Prozent. In dem ehemals bitterarmen Bauernland arbeiten nur noch drei Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Schweden ist eine Dienstleistungsgesellschaft; in der Industrie sind rund 30 Prozent der Arbeitnehmer beschäftigt, meist in Großunternehmen der Telekommunikation, Informationstechnologie, Metall-, Elektro- und Autoindustrie (Ericsson, ABB, Electrolux, Volvo, Saab).

In der Familien- und Bildungspolitik ist Schweden Deutschland ungefähr 50 Jahre voraus. Acht von zehn Schwedinnen sind berufstätig, doch dank der vorbildlichen Kinderbetreuung geht die Geburtenrate nicht zurück. Ehegattensplitting gibt es nicht, und Unterhaltszahlungen an die geschiedene Ehefrau nach der Scheidung sind in Schweden unbekannt! Vater oder Mutter können nach der Geburt ihres Kindes 390 Tage bei 80 Prozent des letzten Gehaltes zu Hause bleiben, danach kommen die Kleinen in den "Dagis", den ganztägigen Kindergarten, der in das Schulsystem integriert ist. Zwei Monate der Elternzeit muss der besser verdienende, auch in Schweden in der Regel der Vater, zu Hause bleiben, sonst entfällt diese Zeit. Und dass alle Väter mindestens acht Wochen bei ihrem Kleinkind bleiben müssen, zivilisiert eine Gesellschaft ungemein.

Alle Kinder besuchen neun Jahre die Grundschule, erst danach entscheiden die Jugendlichen selbst, wie es mit ihrer Ausbildung weiter geht. Ob Leichtathletik, Schwimmen, Eishockey, Fußball, Theater- und Museumsbesuche – all das ist im so genannten Fritids, also der Betreung nach Ende des Unterrichts selbstverständlich. Die Schweden zahlen die höchsten Steuern der Welt und lassen sich vor allem Elternzeit und Kinderbetreuung, Schulsystem und Ausbildung einiges kosten.

Öffentlichkeitsprinzip

Seit 1776 herrscht im Königreich Schweden das in der Verfassung verankerte so genannte Öffentlichkeitsprinzip, das den Bürgern bis heute Zugang und Einsicht in Verwaltungsdokumente und –vorgänge ermöglicht. Offenheit ist die Grundregel, Geheimhaltung die Ausnahme. Und seit mehr als 80 Jahren gibt es ein "Institut gegen Bestechung", eine ideelle Organisation der Wirtschaft, die für gute Sitten sorgen soll. Der Preis für die Offenheit ist, das Datenschutz praktisch nicht existiert. Jeder Schwede weiß, was der andere verdient, die Daten jedes Einzelnen sind in Zentralcomputern gespeichert. Jede Schwedin, jeder Schwede hat eine Personenkennziffer, die sich u.a. aus dem Geburtsdatum zusammen setzt. Wer die weiß, weiß alles! Die Steuererklärung, die vom Finanzamt fix und fertig ausgefüllt wird, kann man per SMS, E-Mail oder Anruf bestätigen.

Fußball-Anfänge

In seinen Anfängen um 1880 war der Fußball in Schweden ein Zeitvertreib für junge Männer der Ober- und Mittelklasse, gespielt wurde – diszipliniert und selbstbeherrscht - nach den strikten Regeln des britischen Gentleman-Ideals. Nach der Jahrhundertwende wechselte der Fußball die Klasse und es entstanden erste Arbeiter-Fußballvereine. In den 1960er- und 1970er-Jahren wird der harte, männliche Sport demokratischer – und weiblicher. Die Gesellschaft wird gleichberechtigter – so auch der Fußball. In Schweden spielt Damenfußball übrigens eine viel größere Rolle als in Deutschland, dem Land des derzeitigen Fußball-Weltmeisters – vielleicht, weil das schwedische Spiel teamorientiert ist. Alleingänge auf dem Spielfeld haben keinen guten Ruf.

Die Helden von Los Angeles - Größte schwedische Mannschaft aller Zeiten

Am 13. Juli 1994 verliert das schwedische Team das WM-Halbfinale in Los Angeles gegen den späteren Weltmeister Brasilien mit 0:1. Die vier Tore im Kampf um Platz drei gegen Bulgarien trösten nur wenig. Schweden muss sich mit Bronze zufrieden geben. Dennoch: Die Bronze-Mannschaft von 1994 genießt in Schweden einen ähnlichen Status wie in Deutschland die Helden von Bern.

Zu den Stars von damals gehören: Thomas Ravelli, der im Spiel um Platz drei den entscheidenden Elfmeter hielt und der mit mehr als 120 Länderspielen schwedischer Fußball-Rekordnationalspieler ist; Thomas Brolin, der den AC Parma in die italienische und europäische Spitze führte; Henrik Larsson, der bei Celtic Glasgow Rekordtorschütze aller Zeiten und mehrfach Europas Rekordtorjäger wurde und der heute bei CF Barcelona um einen Sturmplatz gekämpft hat und nach der Sommerpause zu seinem Heimatverein Helsingborg IF zurückkehren wird; Martin Dahlin, der bei Borussia Mönchengladbach sehr erfolgreich auf Torjagd ging (beim HSV dann leider nicht mehr); Patrik Andersson, der ebenfalls bei Borussia Mönchengladbach spielte und bei Bayern München mehrfach zum besten Abwehrspieler nominiert wurde, und der 2001 für Bayern in der Nachspielzeit das 1:1 gegen den HSV erzielte, woraufhin Schalke 04 nur Meister der Herzen und nicht Deutscher Meister wurde.

Größte aktuelle Stars

Die größten aktuellen Stars aus der "alten Garde" sind noch Freddie Ljungberg (Arsenal London), Olof Melberg (Aston Villa), Anders Svensson (Elfsborg IF), Johan Mjälby (Celtic) und Henrik ("Henke") Larsson, der bei der WM in Deutschland einen schwedischen Rekord einstellen kann: Wird der 35-Jährige mit Cap Verdischen Wurzeln, der seinen ersten Fußball mit 16 Monaten bekam, nominiert (was sehr wahrscheinlich ist), dann ist er der einzige Spieler des Königreichs, der je bei fünf internationalen Meisterschaften dabei war!

Der neue schwedische Superstar heißt aber Zlatan Ibrahimovic. Der lange als Exzentriker und schlampiges Genie verschrieene Nationalstürmer hat sich nach seiner Zeit bei Ajax Amsterdam bei Juventus Turin zum Musterprofi gemausert. Ibrahimovic ist in Schweden geboren (sein Vater ist muslimischer Bosnier, die Mutter Katholikin aus Kroatien) und 1991, in einem Spiel der Balkanjugend (einer Mannschaft von Flüchtlingen aus Ex-Jugoslawien) gegen das südschwedische Vellinge, wurde eine Legende geboren. Der 19-jährige Zlatan erlebte damals seine erste Halbzeit auf der Bank und musste mit ansehen, wie seine Elf mit 0:4 in Rückstand geriet. Nachdem er zur Pause eingewechselt worden war, gelang Ibrahimovic das Kunststück von acht Toren binnen 45 Minuten zum 8:5 Endstand seiner Mannschaft. Spätestens seit der EM 2004 in Portugal ist Zlatan der Superstar der Jugend – Fußball ist Leidenschaft!: Nach dem unbeschreiblichen Tor per Seitfall-Hackentrick mit dem Rücken zum Tor im EM-Spiel gegen Italien sah man auf allen schwedischen Schulhöfen zahllose Jungen und natürlich auch Mädchen immer wieder diesen unglaublichen Trick nachspielen.

Ein weiterer Superstar ist "Svennis", Sven-Göran Eriksson, der Teammanager der englischen Nationalmannschaft – übrigens der erste Ausländer, der in dieses Amt berufen wurde. Das bleibt er noch bis nach der WM in Deutschland – "Svennis" und die Schweden sind nur wenig begeistert, dass England und Schweden in einer Gruppe aufeinander treffen. Allerdings hat Schweden seit 1969 nicht mehr gegen England verloren!

Größter Star aller Zeiten

Die Popularität von Kurt "Kurre" Hamrin hat noch keiner der neueren Stars erreicht. Im WM-Halbfinale 1958 in Göteborg schoss Hamrin das legendäre 3:1 gegen den amtierenden Weltmeister Deutschland, nachdem er zuvor Szymaniak schwindelig gespielt hatte. Die Schweden wurden WM-Zweite, und Hamrin (nach dem Brasilianer Garrincha mit nur einer Stimme weniger) zum zweitbesten Spieler des gesamten Turniers gewählt. Hamrin kam von AIK Stockholm (heute AIK Solna) und spielte für fünf italienische Clubs, u.a. Juventus Turin, AC Florenz und den AC Milan, mit dem er 1968 Europacup- (2:0 gegen den HSV) und 1969 Europapokalsieger wurde (4:0 gegen Ajax Amsterdam). Für den AC Florenz erzielte Kurre 150 Tore in der ersten italienischen Liga; ein Rekord, der erst 1999/2000 von Gabriel "Batigol" Batistuta eingestellt wurde. Insgesamt kam Kurt Hamrin auf 190 Tore bei 400 Einsätzen in der ersten Liga Italiens. Für Schweden spielte er 32mal international.

Schweden in der Bundesliga

Erst nach der WM 1974 setzte in der Bundesliga ein wahrer "Schweden-Boom" ein; vorher hatte es nur vereinzelt schwedische Spieler gegeben. Ronnie Hellström, einer der besten WM-Torhüter, wechselte zum 1. FC Kaiserlautern und spielte dort zehn Jahre. Für sein Nationalteam wurde er 77-Mal aufgestellt. Der 1. FC Kaiserslautern wurde zu einer "svensk-lag", einer Schweden-Mannschaft, nach dem Hellström auch andere in die Pfalz folgten, u.a. Roland Sandberg und Benny Wendt. Einige der bekanntesten Schweden in der Bundesliga sind: Patrik Andersson, Martin Dahlin, Torbjörn Nilsson und Jörgen Pettersson.

Vereine in Schweden

Schwedische Vereins-Mannschaften (der Herren!) spielen international eine unbedeutende Rolle, da gute Spieler rasch ins Ausland wechseln. Die Nationalmannschaft ist immer erfolgreicher als die Vereine – ganz anders als z.B. in Deutschland. Ausländische Stars gibt es in der schwedischen Liga kaum. Ausgesprochenen Kultstatus bei Djurgården IF genießt Ted "Teddy" Sheringham. Er kam Mitte der 1980er-Jahre vom FC Millwall und trug viel zum Aufstieg der Mannschaft in die erste schwedische Liga "Allsvenskan" bei. Bei Tottenham Hotspurs harmonierte Sheringham ganz hervorragend mit dem heutigen deutschen Teamchef Jürgen Klinsmann. In Deutschland machte Sheringham Schlagzeilen, als er in dem denkwürdigen Champions-League Endspiel 1998/99 mit seinem Tor zum 1:1-Ausgleich Manchester United den Sieg gegen Bayern München einleitete. Den Siegtreffer erzielte anschließend Ole Gunnar Solskjaer.

Fußballerisch ist das Land analog zur Bevölkerungsverteilung drei geteilt: 1) die Region Stockholm (mit dem amtierenden Meister DIF Djurgården, AIK Solna, der 2004 in die zweite Liga ab- und 2005 wieder aufstieg) und Hammarby IF (übertrieben ausgedrückt so etwas wie eine Art St. Pauli in Stockholm), der 2001 völlig überraschend schwedischer Meister wurde. 2) die Region Göteborg (mit dem IFK, der 1987 den UEFA-Pokal gewann – mit Sven Göran Eriksson als Trainer, GAIS, Örtgryte IS, Häcken) und 3) die Region Skåne (mit Malmö FF, Helsinborg IF). Diese Dreiteilung spiegelt auch die ewige Tabelle der ersten schwedischen Liga wider: IFK Göteborg, vor Malmö FF und AIK Solna (früher AIK Stockholm).

Eine Besonderheit aus dem Stockholmer Vorort Södertälje ist die "Assyriska Föreningen" – weltweit ist das der einzige Verein mit so genanntem Einwanderer-Hintergrund, der je in der höchsten Klasse spielte (zumindest für eine Saison). Im Tor steht Erland Hellström, Sohn des legendären Torwarts Ronnie Hellström.

Und noch eine Besonderheit ist der Hang, schwedischen Fußballern einen Spitznamen zu verpassen – hier eine Auswahl: Kurt "Kurre" Hamrin, Axel "Knall-Acke" Johansson, "Granit-Harry" Nilsson, Owe "Fiskarn" (der Fischer) Ohlsson, Benny "Guldfot" (Goldfuss) Söderling, Sven "Tomten" (Wichtel) Söderström.

"Svensk Lag" – schwedische Mannschaften gibt es überall

Spielen drei oder sogar mehr Schweden in einer ausländischen Fußballmannschaft (oder im Eishockey oder Handball), dann wird sie in den schwedischen Medien schnurstracks zu einer "svensk lag", zu einer "schwedischen Mannschaft". Deshalb genießen auch eher mittelprächtige Teams wie z.B. der FC Hansa Rostock, der eine zeitlang sogar fünf Schweden in seinen Reihen hatte, oder der FC Southampton, der FC Norwich oder der niederländische Club Heerenveen in Schweden großes Interesse.

Karrierestart für Weltklassespieler im Råsunda-Stadion – Nationalarena seit 1910

Zwei der größten Superstars des Weltfußballs begannen ihre Karriere im Stockholmer Vorort Solna. Im dortigen Råsunda-Stadion spielte 1958 der damals 17-jährige Pélé seine erste von vier Weltmeisterschaften. Brasilien besiegte Gastgeberland Schweden im Finale mit 5:2. Franz Beckenbauer bestritt 1965 sein erstes von insgesamt 103 Länderspielen im Råsunda-Stadion. Bei diesem WM-Qualifikationsspiel siegte die Mannschaft der Bundesrepublik mit 2:1 über die schwedischen Gastgeber.

Gute und schlechte deutsche Erinnerungen an schwedischen Fußball

WM-Qualifikation 1965 im Råsunda-Stadion: Auf deutscher Seite spielt der junge, noch unerfahrene Libero Franz Beckenbauer. Die Schweden gehen mit 1:0 in Führung, aber es gelingt vor der Pause der so genannte psychologisch wichtige Ausgleich vor 52.943 Zuschauern (das war bislang Rekord für schwedischen Fußball in Schweden!). In der zweiten Halbzeit schießt Uwe Seeler den 2:1 Siegtreffer. Damit hatte sich die deutsche Mannschaft für die WM 1966 in England qualifiziert. Ohne den Erfolg in Råsunda hätte der Weltfußball also ohne den Begriff "Wembley-Tor" auskommen müssen!

1958 kam Deutschland als Titelverteidiger zur WM. Im Halbfinale wurde im Ullevi-Stadion in Göteborg gespielt. Für die Deutschen unfassbar, gab es Einpeitscher, die mit Megaphonen vor dem Publikum standen und dieses zu unglaublicher Begeisterung trieben – so etwas hatte man in Skandinavien nicht erwartet. Immer dieses "heja, heja Sverige" und dazu das spielerische Können des unnachahmlichen "Kurre" Hamrin – das brachte dem deutschen Spieler Erich Juskowiak als erstem Nationalspieler überhaupt einen Platzverweis ein. Deutschland unterlag mit 1:3 und Schweden kam ins Endspiel gegen Brasilien, in dem die Skandinavier allerdings 5 Tore kassierten. (5:2) Die Frankfurter Rundschau schrieb am Tag nach dem Halbfinale: "Dieses Geschrei, das wie ein Peitschenhieb auf die Mannschaften nieder sauste und ständig die Tribüne erbeben ließ, setzte sich 90 Spielminuten lang ohne Pause fort und sollte, welchen anderen Zweck hätte es auch haben können, den Gegner fertig machen, seine Nerven zerreißen."

Frauenfußball

Bei schwedischen Mädchen rangiert Fußball als beliebteste Sportart gleich hinter dem Reiten auf Platz 2! Ihre Idole sind die Stars aus dem Nationalteam – Victoria Svensson oder Hanna Ljungberg. Mädchen erkämpften sich mühsam attraktive Trainingszeiten auf den Plätzen und in den Hallen des Landes und die Frauen sind international viel erfolgreicher als die Männer: Das Nationalteam spielt temporeich und kämpferisch, mit vielen technischen Finessen – und nicht vor Geisterkulissen. Die Erfolge des Nationalteams, u.a. der zweite Platz bei der WM 2003 in den USA (1:2 gegen Deutschland, Golden Goal in der Verlängerung) hat im schwedischen Frauen-Fußball für enormen Auftrieb und riesiges Interesse beim Nachwuchs gesorgt. Die Talentsuche und –förderung wird bei Mädchen wie Jungen groß geschrieben.

Royal League

Seit November 2004 wird in der Royal League der Skandinavien-Meister ermittelt. Teilnehmer sind die jeweils vier besten Klubs aus Dänemark, Schweden und Norwegen, also den drei Königreichen im Norden. Die finnischen Klubs, bei deren Auftreten nur wenige Zuschauer zu erwarten gewesen wären und von denen behauptet wurde, zu schwach zu sein, blieben außen vor. Der von der UEFA abgesegnete Wettbewerb (drei Vierergruppen - jeder gegen jeden, mit Hin- und Rückspielen) soll Geld in die Kasse bringen (vor allem durch TV-Übertragungen) und die lange Winterpause überbrücken – allerdings zehrt er auch an den Kräften der Spieler.

Vorurteile, Fans und Aussichten

Nur Italiener konnten bei der EM 2004 auf die Idee kommen, dass schwedische 2:2 gegen Dänemark sei "ganz klar" abgesprochen gewesen. Nur bei diesem Ergebnis waren beide nordischen Mannschaften für die nächste Runde qualifiziert, die Italiener hingegen schieden aus. Wer jedoch um die immerwährende Rivalität zwischen Dänen und Schweden weiß, hält ein solch abgesprochenes Ergebnis für völlig absurd. Die Dänen sind bei der WM nicht dabei, aber es gilt wie immer: Wikinger kämpfen bis zum letzten! Die schwedischen Fans erwarten von ihrer Elf, dass sie in Deutschland weit kommt. Ganz Verwegene träumen nach dem fest eingeplanten Sieg über England in der Vorrunde von einem Finalerfolg gegen Brasilien. Als Wiedergutmachung für 1958 sozusagen.

Schwedische Fußball-Mannschaften sind sehr diszipliniert und kampfstark. Durch ihre Kompaktheit gelten sie als schwer zu schlagen. Man zehrt immer noch davon, dass man bei der WM 2002 die Vorrunden-"Todesgruppe" mit Argentinien, England und Nigeria ungeschlagen gewonnen hat.

Beim schwedischen Verband kann man sich vor Ticket-Anfragen für die diesjährige WM kaum retten. 300.000 Fans wollen nach Deutschland, um ihr Team gegen Trinidad-Tobago, Paraguay und England zu unterstützen. Das sind immerhin drei Prozent der Gesamtbevölkerung. Das schwedische Kontingent beträgt bisher ganze 12.741 Tickets.
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