Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Zdravko Lipovac

Serbien und Montenegro

Die Mannschaft von Serbien und Montenegro ist eine der großen Überraschungen in der Qualifikation. Als Gruppensieger setzte sie sich unter anderem gegen Spanien durch. Bis 2003 trat Serbien und Montenegro unter dem Namen Jugoslawien auf der internationalen Fussballbühne in Erscheinung.

##dossier_bild_160:|Landesflagge Serbien und Montenegro## "Serbien und Montenegro in der 'Todesgruppe' C mit den Niederlanden, Argentinien und der Elfenbeinküste", so lauteten die ersten Kommentare der in- und ausländischen Medien.

Was kann überhaupt eine Nationalmannschaft leisten, die sowohl die Tradition als auch die Nationalfarben in der Flagge des ehemaligen Jugoslawiens übernommen hat? Und an neun WM-Endrunden teilgenommen hat. Ist Serbien-Montenegro ein kleiner Eisbrocken im Meer, der langsam schmilzt, und seit dem Referendum von Podgorica sogar den zweiten Teil seines Namens verloren hat? Oder stellt das Team einen gewaltigen Eisberg dar, der für die übermächtigen "Titanic"-Mannschaften in ihrer Gruppe den Untergang bedeutet?


Der Nationalcoach Ilija Petkovic (60), der selbst als Spieler des ehemaligen Jugoslawiens an der WM im Jahre 1974 in Deutschland teilgenommen hat, konnte eine wahrlich starke Mannschaft zusammenstellen. Der beste Beweis ist die sehr überzeugende Qualifikations-Bilanz: Keine Niederlage und nur ein Gegentor in zehn Spielen beim 1:1 gegen Spanien.

Nicht nur sportlich, sondern auch politisch besonders brisant war das Spiel gegen den "kleinen Bruder" Bosnien und Herzegowina in Belgrad. Es war das alles entscheidende Match um die Teilnahme an der WM in Gruppe 7. Durch das Tor von Mateja Kezman (Athletico Madrid) sicherte sich Serbien-Montenegro das WM-Visum für Deutschland. Nach dem Spiel waren es die zwei gebürtigen bosnischen Serben – der Schalker Verteidiger Mladen Krstajic und der spanische Legionär Savo Milosevic, die sich als erste in der bosnischen Umkleidekabine bei ihren Gästen für ein faires Spiel bedankten.

Mladen Krstajic ist Kriegsflüchtling aus der Stadt Zenica, 60 km westlich von Sarajevo entfernt, und seine Eltern wohnen heute im nordöstlichen Bijeljina in der "Republika Srpska", aus der ausgerechnet auch Savo Milosevic stammt. Mit diesem 1:0-Sieg ließ man Spanien hinter sich und qualifizierte sich direkt als Gruppenerster für die WM. Besonders interessant: Es ist die erste WM-Teilnahme unter dem Namen Serbien und Montenegro, und es wird auch definitiv die letzte sein.

Was spricht noch für die "Blauen", wie sie gerne von ihren Fans genannt werden? Sie stellen eine kompakte Gruppe dar, dazu genießen Disziplin und Arbeit einen hohen Stellenwert in der Mannschaft. Niemand benimmt sich wie ein Star, auch wenn man es von einigen behaupten dürfte. National-Trainer Ilija Petkovic beurteilt strikt nach Leistung. Wer sich für das Team zerreißt, Siegeswillen und Motivation zeigt, ist mit von der Partie. Eine weitere Maxime lautet: Wer im Club auf der Bank sitzt, wird auch nicht für Serbien-Montenegro spielen. Diese Linie zog er sogar durch, als sein Stürmer-Star Mateja Kezman in Chelsea nicht zum Zuge kam.