Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.
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Frauenfußball in Deutschland


24.4.2006
Frauenfußball musste in Deutschland viele Hürden überspringen, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden. Die Anfänge reichen bis in die Weimarer Repblik zurück, gehen über die Nachkriegszeit bis hin zum Gewinn der Europameisterschaft im Sommer 2005.

Die Anfänge



Aus "Sport und Sonne", Nr. 6, 1930Aus "Sport und Sonne", Nr. 6, 1930
Die staatsrechtliche Gleichstellung der Geschlechter in der Weimarer Republik ermutigt Frauen, sich selbstbewusst für ihre Belange einzusetzen. Indem sie so genannte "Männersportarten" wie Radrennen, Handball, Leichtathletik für sich entdecken, wird auch der Sport zum Bereich weiblicher Selbstbestimmung. Doch ob und in welchen Wettkampfsportarten Frauen zugelassen werden sollen, ist umstritten. Viele Sportfunktionäre und Mediziner befürchten durch Leistungssport eine "Vermännlichung der Frau" – und sehen ihre traditionelle "Wesensbestimmung" auf die Mutter- und Hausfrauenrolle gefährdet.

Als "Kampfsport" gilt seinerzeit das Fußballspiel. Quer durch alle weltanschaulichen Lager herrscht männerbündlerische Einigkeit: Fußball und Frauen schließen einander aus. Mitte der 1920er-Jahre spielen im sozialistischen Arbeiter-, Turn- und Sportbund etliche "wilde Mädels" Fußball und werden empört zurecht gewiesen. "Das Fußballspiel ist ein männliches Kampfspiel", ereifert sich das Verbandsorgan "Die Freie Turnerin" und ergänzt: "Was für den Mann Ausdruck der Kampftüchtigkeit ist, das wird hier bei der Frau zur lächerlichen Megärenhaftigkeit, zur Fratze, zur Karikatur. Darum fort damit". Und die bürgerliche Zeitschrift "Start und Ziel" propagiert, dass "nur der Mann im Kampf heldische Größe erreichen (kann), das echte Weib nie". Dennoch sollen zu dieser Zeit beim Arbeitersportverein BSK Fürth bereits 25 Damen die Fußballstiefel geschnürt haben.

Aus "Sport und Sonne", Nr. 6, 1925Aus "Sport und Sonne", Nr. 6, 1925
Erst 1930 gründet die couragierte Metzgerstochter Lotte Specht mit dem 1.DFC Frankfurt Deutschlands ersten Damenfußballclub. Unter Anleitung eines Trainers wird zweimal wöchentlich trainiert. Doch werden die Kickerinnen als "Mannsweiber" verlacht und der Traum von der Fußballemanzipation ist bald ausgeträumt. Lotte Specht: "Die Männer haben sogar Steine nach uns geworfen. Und die Zeitungen haben uns durch den Kakao gezogen und geschimpft. Also, es wehte schon der braune Wind 1930. Die deutsche Frau raucht nicht, die deutsche Frau spielt auch kein Fußball. Wir haben nur ein Jahr existiert, auch weil die Zeitungen so übel über uns geschrieben haben und manche Eltern den Mädchen das verboten haben."

NS-Zeit



Die NS-Ideologie erklärt die Mutterschaft zur nationalen Aufgabe. Beim Sporttreiben sollen Frauen nicht bis an ihre Leistungsgrenze vordringen, um sich für Schwangerschaft und Geburt nicht zu schwächen. Der Mädchen- und Frauensport soll zur Schaffung eines neuen, starken und "gesunden arischen" Frauentyps beitragen.

Der "Kampfsport" Fußball gilt auch unter den Nazis als "nicht fraugemäß". Dazu bekennt sich auch der gleichgeschaltete DFB in einer Pressemitteilung aus dem Jahre 1936. Für ihn widerspricht "der männliche Kampfcharakter" des Fußballs "der Würde des Weibes". Der DFB zählt das Fußballspiel u.a. mit Boxen, Radrennen, Bobfahren und Langstreckenlaufen zu jenen "Sportarten, in denen wir die Frau nicht als Sportausübende treffen, weil ihre Eigenarten nicht dem Wesen der Frau entsprechen". "Zu hart" werde auch beim Fußball "um den leistungskrönenden Sieg gerungen" und "zu gross" seien "die Anstrengungen, /.../die an den Körper gestellt werden, als dass die Frau sie je als Durchschnittsleistung erreichen könnte."



 
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