Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

24.4.2006 | Von:

Frauenfußball in Deutschland

Frauenfußball in der DDR

Die Fußballerinnen der DDR müssen auf eine eigene Meisterschaft noch länger warten. Im Jahre 1968 gründet der bulgarische Student Vladimir Zwetkov mit der BSG Empor Mitte-Dresden die erste ostdeutsche Frauenfußballelf. Ein Jahr später findet zwischen Dresden und Empor Possendorf vor 1.600 Zuschauern das erste Frauenfußballspiel in der DDR statt. Kurz darauf wird in Dresden bereits in einer Stadtliga gekickt. Doch mit Frauenfußball sind noch keine internationalen Titel und Medaillen zu gewinnen. Sein propagandistischer Wert ist äußerst gering. Folglich schenkt das Regime ihm wenig Beachtung. Zu dieser Zeit, so DDR-Nationalspielerin Doreen Meier, stößt Frauenfußball vielerorts noch "auf Unverständnis und Ablehnung bei den Verantwortlichen."

1979 beschließt der DDR-Fußballverband die Einführung einer überregionalen DDR-Bestenermittlung. Zwei Jahre später kicken bereits 360 Frauenteams um den Titel der "DDR-Besten-Frauenmannschaft". Eine richtige Meisterschaft führt der Verband allerdings erst 1990 durch, kurz vor der Vereinigung der beiden deutschen Staaten. Meister wird die BSG Post Rostock. In diesem Jahr findet auch das erste und einzige Länderspiel einer DDR-Frauen-Nationalelf statt. Am 9. Mai 1990 verliert die DDR in Potsdam gegen die CSFR mit 0:3.

Frauen-Nationalelf – Durchbruch bei der Europameisterschaft 1989



Als der DFB im Frühjahr 1981 eine Einladung aus Taiwan zu einer inoffiziellen Frauenfußball-WM erhält, gibt es noch keine Frauenauswahl im Verband. Der DFB schickt daraufhin den amtierenden Deutschen Meister SSG Bergisch-Gladbach nach Taiwan, der überraschend das Turnier gewinnt. Schließlich beginnt der DFB mit dem Aufbau einer Frauenfußball-Nationalelf und im November 1982 findet das erste offizielle Länderspiel in Koblenz statt. Coach ist Gero Bisanz, Co-Trainerin Anne Trabant-Haarbach. Vor 5.500 Zuschauern gewinnen die deutschen Kickerinnen mit 5:1 gegen die Schweiz.

DFB-Prämie für den EM-Titel 1989: ein Kaffee- und Tafelservice (1b Ware)DFB-Prämie für den EM-Titel 1989: ein Kaffee- und Tafelservice (1b Ware)
Der Durchbruch gelingt 1989 bei der Frauenfußball-EM im eigenen Land. In Osnabrück sehen 22.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion das Endspiel zwischen Deutschland und Norwegen. Deutschlands Frauen gewinnen mit 4:1. "Ein Riesenerlebnis, von der Atmosphäre, von der Stimmung unwiederholbar", schwärmt die Duisburger Rekordnationalspielerin Martina Voss noch heute. Der Titel ist der DFB-Spitze auch eine Prämie wert. Scheinbar noch immer im Geiste der 1950er-Jahre erhalten die Europameisterinnen hausfrauengerecht ein Tafelservice, und das in minderwertiger 1B-Qualität.

Wir sind Weltmeisterin

Die Entwicklung des deutschen Mädchen- und Frauenfußballs geht rasant weiter. Auch der DFB erkennt die Zeichen der Zeit und entwickelt immer umfangreichere Förderprogramme. 1990 wird die zweigleisige Bundesliga eingeführt, ein Jahr später nimmt die deutsche Elf an der ersten offiziellen Weltmeisterschaft in China teil und bei der Europameisterschaft im gleichen Jahr verteidigt sie erfolgreich ihren Titel. Bis heute gewinnen Deutschlands Kickerinnen sechsmal die Europameisterschaft, zuletzt im Sommer 2005. Auch auf Vereinseben werden internationale Maßstäbe gesetzt. 2002 gewinnt der 1.FFC Frankfurt den UEFA-Cup, 2005 Turbine Potsdam.

Die Krönung der erfolgreichen Arbeit in den letzten Jahren erfährt das Nationalteam um Bundestrainerin Tina Theune-Meyer im Herbst 2003 bei der Weltmeisterschaft in den USA. Durch Nia Künzers "Golden Goal" gewinnt die Elf das Finale gegen Schweden mit 2:1 und wird "Weltmeisterin". Dieser Erfolg lässt die Anmeldungen im Bereich Mädchenfußball deutlich ansteigen. In Jahr 2005 verzeichnet der DFB bereits 870.000 Mädchen und Frauen unter seinen Mitgliedern.