Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

24.4.2006 | Von:
Ursula Csejtei

Eine andere Liga

Das A-Z des Frauenfußballs

Das ABC des Frauenfußballs erläutert alles Wichtige, das man zum Thema wissen muss. Von A wie "Attraktivere Kleidung für Fußballspielerinnen" bis Z wie "Zukunft".

Wie ging doch gleich der Satz von Kanzlerin Angela Merkel in ihrer Neujahrsansprache? "Die Frauenfußball-Nationalmannschaft ist ja schon Fußballweltmeister, und ich sehe keinen Grund, warum Männer nicht das Gleiche leisten können wie Frauen." Genau, und Grund genug, dem Frauenfußball einmal ganz akribisch nachzuforschen. Unser fluter-ABC des Frauenfußballs versammelt alles Wissenswerte und Kuriose. Von den schwierigen Anfängen des Damenfußballs 1955 und schmierigen Altherrenklischees über den amerikanischen Volkssport Fußball bis zu den enormen Zuwachsraten an Spielerinnen in Deutschland.

Attraktivere Kleidung für Fußballspielerinnen
Der Präsident des Fußball-Weltverbandes (FIFA), Joseph Blatter, plädierte für knappere Bekleidung im Frauenfußball. Engere Shorts würden seiner Meinung nach den Frauenfußball für die Medien interessanter machen und so mehr Sponsoren anlocken. Blatter machte sich mit seinen Vorschlägen bei den Spielerinnen nicht gerade beliebt (siehe auch Johansson).

Bad Neuenahr, Brauweiler Pulheim
Die Fixpunkte der Frauenfußballbundesliga sind der Normalbevölkerung weitgehend unbekannt. Die Frauenfußball-Bundesliga trägt somit auch zur Verbesserung der Geographiekenntnisse bei, denn sowohl der FFC Brauweiler Pulheim als auch der SC 07 Bad Neuenahr zählen zu den Erstligisten. An der Spitze der Bundesliga-Tabelle sind sie aber momentan nicht: Duisburg, Turbine Potsdam und Frankfurt kämpfen um die ersten Plätzen.

Chastain, Brandi
Die US-Amerikanerin Brandi Chastian ist eine der weltweit bekanntesten Fußballerinnen. Bezeichnenderweise hat sie einen Großteil ihres Ruhms nicht ihrem exzellenten Spiel zu verdanken. Ihr Bild ging um die Welt, als sie 1999 beim WM-Finale, nachdem sie den entscheidenden Elfmeter verwandelte, vor lauter Freude ihr Trikot auszog. Brandi Chastain im Sport-BH brachte es zum Titelbild der Magazine Time und Newsweek.

DFB
Der Deutsche Fußball Bund ist ein Spätentwickler in Sachen Gleichberechtigung. 1955 wurde die offizielle Einführung des "Damenfußballs" erstmals diskutiert – und abgelehnt. Bei der Begründung der Entscheidung war man durchaus kreativ: Die Brustannahme würde Brustkrebs verursachen, Frauen seien konditionell nicht in der Lage, ein ganzes Spiel durchzustehen, und überhaupt sei das Treten spezifisch männlich. Erst 1970 nahm der DFB den Frauenfußball in seine Satzung auf.

Erfolge
Die Frauenfußballmannschaft kann eine beachtliche Bilanz vorweisen: 1989, 1991, 1995, 1997, 2001 und 2005 wurden die deutschen Frauen Europameisterinnen, 2003 außerdem Weltmeisterinnen. Auf der FIFA-Weltrangliste sind die deutschen Kickerinnen auf Platz 1.

Fernsehen
Übertragungen von Frauenfußball im deutschen Fernsehen, jedenfalls auf Bundesliganiveau, sind eine Rarität. Nur der Hessische Rundfunk und der Ostdeutsche Rundfunk Berlin-Brandenburg zeigen in ihren regionalen Sportsendungen Ausschnitte aus den Spielen des 1.FFC Frankfurt beziehungsweise des 1.FFC Turbine Potsdam. Länderspiele der Nationalmannschaft werden seit einigen Jahren live im Fernsehen übertragen.

Geld
Den Fußballspielerinnen des Deutschen Nationalteams steht im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen weitaus weniger an Ausstattung, Gehältern und Sponsoring zur Verfügung. Deshalb üben sie in der Regel neben dem Fußball einen Beruf aus. In der Nationalelf sind unter anderem eine Bankkauffrau (Ariane Hingst), eine Physiotherapeutin (Birgit Prinz) und eine Soldatin (Conny Pohlers) vertreten.

Homosexualität
Homosexualität ist ein heikles Thema in der Fußballwelt, sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern. Frauenfußball hat den Ruf, unter Lesben eine besonders beliebte Sportart zu sein. Ob es stimmt oder nicht, ist letztlich egal – traurig ist, dass der konservative DFB ein Tabuthema aus der Frage der sexuellen Orientierung macht, da sich für lesbische Spielerinnen angeblich schwerer Sponsoren finden.

Ich-spiele-Fußball.de
Das ist der Fortschritt: Mittlerweile betreibt der DFB ein eigenes Internetportal für fußballbegeisterte Mädchen. Unter anderem finden sich dort auch Infos zur Frauenfußballgeschichte, mit dem dezenten Hinweis auf "anfängliche Hürden", die die Sportart bis 1970 nehmen musste. Da war doch was, mit einem DFB-Frauenfußballverbot.

Johannson, Lennart
Auch der Präsident der "Union of European Football Associations" (UEFA) stieß nicht auf offene Ohren, als er in einem Interview über die Vorzüge figurbetonter Trikots und verschwitzte hübsche Fußballerinnen fantasierte. (Auch einsortierbar unter A, wie "Altherrenfantasie, schmierige")

Kino
Mit "Bend it like Beckham (2002)" wurden Fußball spielende Frauen fürs Kino entdeckt. 2005 kam mit "Eine andere Liga (2005)", die nächste Kickerinnengeschichte auf die Leinwand. Dieses Jahr folgt mit dem Film "FC Venus (2006)" der nächste Streich.

Literatur
Ja, es gibt Frauenfußballliteratur. Bei einem Großteil der Publikationen handelt es sich um sozialwissenschaftliche Aufsätze rund ums Thema Geschlechterkonstruktion, denn schließlich stürmen Fußball spielende Frauen eine vermeintliche urmännliche Bastion.

Mitgliederzahlen
Keine andere Frauenmannschaftssportart in Deutschland hat so hohe Vereinsmitgliederzahlen wie der Frauenfußball. 2004 kickten nach der Statistik des DFB 857.220 Mädchen und Frauen im Ligabetrieb. Doch auch wenn die Zahl schnell und kontinuierlich wächst, ist sie relativ: Den ca. 860.000 weiblichen stehen etwa 5 Millionen männliche Spieler gegenüber.

Neujahrsansprache 2006
In ihrer Fernseh-Neujahransprache hat Bundeskanzlerin Angela Merkel daran erinnert, dass wir nicht nur Papst sind, sondern auch bereits Weltmeister. Zitat Merkel: "Die Frauenfußball-Nationalmannschaft ist ja schon Fußballweltmeister, und ich sehe keinen Grund, warum Männer nicht das Gleiche leisten können wie Frauen."

Profiliga
Die WUSA (Women's United Soccer Association) war die erste Profi-Liga im Frauenfußball überhaupt. Leider konnte sie sich nicht langfristig halten. Der Ligabetrieb startete 2001 mit 8 Mannschaften und wurde 2003 aus finanziellen Gründen wieder eingestellt. Einige deutsche Spielerinnen nutzten die kurze Zeit um Erfahrungen als Profis zu sammeln. Birgit Prinz, Maren Meinert, Sandra Minnert, Bettina Wiegmann, Doris Fitschen, Steffi Jones, Conny Pohlers und Jennifer Meier waren in der WUSA aktiv.

Qualifikationsspiele für die WM 2007
Die deutsche "Frauen-Mannschaft" spielt in den Qualifikationsspielen für die WM 2007 in Gruppe 4 gegen die Teams aus Russland, Schweiz, Schottland und Irland.

Regeln
Erst seit 1993, seit dem auch die Frauenbundesliga gibt, spielen Frauen nach dem gleichen Regelwerk wie Männer. Davor galten die DFB-Damenregeln von 1970: Das Spiel dauerte 2x30 Minuten, Handspiel war fast in jeder Situation erlaubt und Stollenschuhe waren verboten.

Stereotypen
Stereotypen über Frauenfußball gibt es immer noch zu Hauff. Hier eine kleine Auswahl: Fußball macht hässliche Beine. Frauenfußball ist unästhetisch. Alle Frauen, die Fußball spielen sind aggressiv und lesbisch. Frauen lernen Fußball zu spielen, damit sie später als Muttis ihren Kindern zeigen können, wie´s geht.

Theune-Meyer, Tina
Tina Theune Mayer erwarb 1985 als erste Frau in Deutschland eine Fußballlehrerinnen-Lizenz. Die Pfarrerstochter war die erste Nationaltrainerin und führte ihr Team zur Weltmeisterschaft. 2005 trat sie zurück und übergab ihr Amt an ihre ehemalige Assistentin, Sylvia Neid.

USA
Fußball ist in den USA vor allem eins: Ein Frauensport. Einige US-Spielerinnen, wie die Legenden Mia Hamm, Brandi Chastain und Julie Foudy haben einen Starstatus erreicht, der hierzulande noch den männlichen Fußballern vorbehalten ist.

Volkssport Fußball
Im deutschen Mainstream-Fußball sind Spieler, Fans und Kommentatoren in der Regel männlich und heterosexuell (oder behaupten es jedenfalls). Spielerinnen, weibliche Fans und Sportjournalistinnen leisten also einen entscheidenden Beitrag dafür, dass Fußball den Namen "Volkssport" tatsächlich verdient.

Weltfußballerin des Jahres
Birgit Prinz wurde 2005 zum 3. Mal Weltfußballerin des Jahres. Die Ausnahmestürmerin hat bereits 149 Länderspiele absolviert und dabei 92 Tore geschossen. Mit dem 1. FFC Frankfurt wurde sie 2005 außerdem Deutsche Meisterin.

Zukunft
Die Zukunft des Fußballs ist weiblich, sagte FIFA-Präsident Josef Blatter. Recht hat er: Frauenfußball rückt immer weiter in den Mainstream. Frauenfußball ist europaweit die Sportart mit den höchsten Zuwachsraten.

Dieser Artikel ist fluter.de entnommen. fluter ist das Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb.