Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.
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Hooligans


9.5.2006
In der Berichterstattung wurde der "Schlachtenbummler" ab Mitte der siebziger Jahre mehr und mehr durch Begrifflichkeiten wie "Fußballfans" und - in den negativen Version - "Fußballrowdies", "Fußballrocker" und und später "Hooligans" ersetzt. Dabei hat sich heute die Gewalt der Fans und vor allem der Hooligans weitestgehend vom Zusammenhang mit dem Spielgeschehen gelöst und eine gefährliche Eigendynamik entwickelt.

"Hurra wir leben"



Verfolgt man die Berichterstattung in den Tageszeitungen so macht der Begriff Schlachtenbummler, mit dem Zuschauer bezeichnet wurden, die ihre Mannschaften zu Auswärtsspielen begleiteten ab Mitte der siebziger Jahre mehr und mehr durch Begrifflichkeiten wie "Fußballfans" und - in den negativen Version - "Fußballrowdies", "Fußballrocker" und Mitte/Ende der achtziger Jahre "Hooligans" ersetzt. Heute hat sich dabei die Gewalt der Fans und vor allem der Hooligans weitestgehend vom Zusammenhang mit dem Spielgeschehen gelöst und eine gefährliche Eigendynamik erfahren. Dabei können wir eine interessante Parallele festmachen bezüglich der Entwicklung, Ausdifferenzierung von Spieler- und Zuschauertypen: So wie aus dem Spieler zum Anfassen, dem Spieler als "greifbarem subkulturellen Repräsentanten" der distinguierte Star wurde, dessen Treue, Verbundenheit zum Verein nicht einmal mehr langfristige Verträge, geschweige denn die soziokulturelle, lokale Verwurzelung, sondern allein die Höhe der finanziellen Zuwendungen bestimmen, so wandelte sich denn auch der kumpelhafte Anhänger zum leidenschaftlichen Fan und schließlich zum coolen distinguierten Hooligan, als letzte Stufe der Distanz von Spieler, Verein und Zuschauer.

Der Fan und Star sind zwei Seiten einer Medaille, deren aktuelle und fortgeschrittene Variante der ausgekochte Profi ist, der flexibel und cool wie ein elitärer Hooligan die regionale Vereinsgebundenheit ebenso abstreift, wie sein Trikot und dort auftritt, wo das meiste Geld bezahlt wird, respektive beim Hooligan, wo die ´beste Action´ abgeht. So steht im Erstgutachten der Unterkommission Psychologie der Gewaltkommission der Bundesregierung: "Das Fanverhalten spiegelt die Erfolgs(Leistungs)betonungen unserer Gesellschaft wider. Der Erfolg wird recht einseitig am Spielergebnis (Spielstand) gemessen. Dagegen treten andere Werte zurück. Der Spielerfolg setzt sich auch direkt in Geld um. Es entsteht die Gleichung ´Erfolg = Geld´. Dies impliziert: Im Leistungssport sind Leistungsträger käuflich. Auf dem Spielermarkt ist offensichtlich die Mitsprache der Sportler so weit eingeengt, dass ernsthaft darüber diskutiert werden müsste, wie weit hier die Menschenwürde verletzt wird. Die Heranwachsenden nehmen diese Art von Degradierung ihrer Idole wohl diffus wahr, ohne sich im Allgemeinen davon kritisch distanzieren zu können. Der aggressive Konkurrenzkampf um einen Stammplatz in der Mannschaft nimmt Einfluss auf die aggressiven Tendenzen der Fans. Dies wird kaum durchschaut, denn es ist eingebettet in eine Vielzahl von Normen, die vom jungen Mann aggressives Durchsetzungsverhalten verlangen" (Lösel u.a. 1990, S. 75).Lassen wir einen Hooligan zu Wort kommen: "Gewalt ist die Tankstelle für Selbstbewusstsein."

Hooligans als Modernisierungsverlierer



Mit diesem Zitat komme ich auf einen wichtigen Aspekt zu sprechen: Die Suche nach Sinn, nach Möglichkeiten des kreativen Gestaltens. Das Jugendalter gilt als Lebensphase, in der der Heranwachsende eine psychosoziale Identität aufbauen muss. Diese Verwirklichung von personaler Identität ist heute erschwert. Junge Menschen wollen nicht nur passiv Lernende in Institutionen sein, sie brauchen auch Bestätigung, Engagement und sinnvolle Aufgaben. Herausbildung einer positiven Identität, die im Jugendalter geleistet werden muss heißt deshalb positive Antworten auf die drängenden Fragen geben:

"Wer bin ich?" "Was kann ich?" "Wozu bin ich da?" "Wohin gehöre ich?" "Was wird aus mir?"

Dabei wird im Gewaltgutachten der Bundesregierung( Schwind/Baumann 1990) zu Recht beklagt, dass junge Menschen vor allem in der Schule heute fast nur noch erfahren was sie n i c h t können, nicht aber das was sie können. Oskar Negt (1998) hat deshalb zu Recht darauf hingewiesen, dass der Kampf vieler junger Menschen eigentlich um die Frage geht: Was bin ich in dieser Gesellschaft? Was bin ich überhaupt, wer nimmt mich wahr? Daraus ergeben sich kulturelle Suchbewegungen junger Menschen, mit denen sie diese Probleme zu lösen versuchen. Bieten sich Jugendlichen keine oder kaum Möglichkeiten, sich durch etwas hervorzutun, bleibt ihnen oft nur noch der Körper als Kapital, den sie entsprechend ausbilden (modellieren) und Anerkennung- und Aufmerksamkeit suchend einsetzen. Hier ist eine der Wurzeln für den "Kult des Körpers" und der Gewalt zu sehen, sie sind so besehen auch eine Form jugend-, meist jungenspezifischer Identitätssuche, Identitätsentwicklung.. Hier kommt das gewaltfördernde Selbstkonzept der Selbstbehauptung zum Tragen.

Bei diesem Selbstkonzept befinden sich die Menschen (vornehmlich mit niedrigem Bildungsniveau) in der Defensive und finden ihre Selbstbehauptung dadurch, dass sie sich in Gruppen zusammenschließen und dort ihre eigene Kraft finden. Unter diese gewaltfaszinierten Fußballfans und Hooligans mischen sich vor allem in den Neuen Bundesländern mehr und mehr Rechtsradikale Dies hat nach Wippermann (2001, S. 7) auch damit zu tun, dass "rechtsradikale Gewalttaten für die Täter (unbewusst) den Charakter eines Events haben. Sie werden begriffen als eine Veranstaltung mit einer besonderen Ästhetik, emotionalen Aufladung und Gemeinschaftserleben und sind darin motivationspsychologische anderen Events ähnlich. Rechtsradikale Gewalt hat also heute diese Doppelstruktur von Ideologie und Erlebnissehnsucht".

Der hohe - von Buford so treffend wie auch beängstigend nüchtern - beschriebene Eventcharakter macht die gewaltfaszinierte Hooliganszene für rechtsradikale Gewalttäter so attraktiv. Wie problematisch, ja dramatisch gerade dieser letzte Punkt ist, zeigt die der Tatsache, dass nahezu alle jugendlichen Gewalttäter ein gemeinsames Merkmal aufweisen: Sie haben oder entwickeln keine Schuldgefühle bezüglich ihres Gewalthandelns, und die früher im großem Umfange vorhandenen Selbstregulierungsmechanismen gehen in der Fan- und Hooliganszene - von der Jugendlichen zumeist selbst beklagt - immer mehr zurück. Die Hooligans verhalten sich dabei wie die Fußballspieler: Sobald diese den Platz betreten, lassen sie die Verantwortung für ihr Verhalten in der Kabine: Erlaubt ist nicht nur was das Regelwerk vorschreibt, sondern alles, was der Schiedsrichter nicht sieht bzw. nicht pfeift. Ganz ähnlich äußern sich Hooligans: "Wenn es Verletzte oder gar Tote gibt, sind nicht wir schuld, sondern die Polizei, die nicht rechtzeitig genug eingegriffen hat." Dabei entwickeln diese Jugendlichen ein sehr ambivalentes Verhältnis zur Polizei: Auf der einen Seite beklagen sie sich, wenn die Polizei konsequent eingreift und damit mögliche Auseinandersetzungen bereits im Keime erstickt, auf der anderen Seite finden sie es aber auch nicht gut, wenn die Polizei gar nicht oder zu spät eingreift.. So werden Bundesligastädte und -stadien von den Jugendlichen bereits danach eingestuft, wie gut oder wie schlecht man sich dort prügeln kann. Dabei haben Hooligans ein klares Bild von dem wie die Polizei einzugreifen hat: .Für den Außenstehenden zu hartes zum Teil sogar brutales Eingreifen wird von vielen Hooligans mit der lapidaren Bemerkung abgetan: "Wenn wir unseren Spaß haben, sollen ihn auch die Bullen haben. Wenn wir Scheiße machen, dürfen wir uns nicht beklagen, wenn die Bullen es uns zurückzahlen" . So sagte ein Hooligan nachdem er durch Gummiknüppel der Bereitschaftspolizei erhebliche Blessuren erlitten hatte und in die Flucht geschlagen wurde, wörtlich zu mir: "Heute waren die Bullen aber gut drauf"!

Gewalt ist für diese Hooligans ein Medium zur Herstellung einer positiven Identität, von Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Auseinandersetzungen werden bewusst und gezielt gesucht. Neuralgische Punkte könnten die Kreuzungswege der von einem zum anderen Spielort wandernden Fans und Hooligans sein.

Hooligans und die Suche nach dem Kick



Entgegen der weit verbreiteten Meinung, bei den Hooligans handelte es sich überwiegend um so genannte Modernisierungsverlierer, also junge Menschen mit schlechten oder gar keinen Schulabschlüssen, geringen Zukunftsperspektiven, sind unter den Hooligans kaum - zumindest nicht überrepräsentiert - Arbeitslose, Jugendliche mit schlechten Schulabschlüssen zu finden. Hooligans rekrutieren sich aus allen Sozialschichten, unter ihnen befinden sich viele Abiturienten, Studenten, Menschen in guten beruflichen Positionen, Akademiker. Hooligans haben entsprechend meist zwei Identitäten: eine bürgerliche Alltagsidentität und eben ihre sub- bzw. jugendkulturelle Hooliganidentität. "Der Fußball ist wie ein zweites Privatleben. Ich kann mit meiner Freundin weggehen, da habe ich meine Sonntagshose an, da geh´ ich Essen ganz fein, geh´ ins Kino ganz fein, sitz abends daheim und guck Fernsehen. Und dann gibt´s wie ein Bildschnitt, dann schlaf´ ich eine Nacht, steh´ morgens auf und dann ist Fußballtime. Dann guck´ ich halt wo ich gut kann, wo geht ´ne Party ab," so ein Hooligan.

Blinkert (1988) hat dabei aufgezeigt, dass sich im "Verlauf industriewirtschaftlicher Modernisierung in zunehmendem Maße ein ganz spezifischer Typ der Orientierung gegenüber sozialen Normen durchsetzt" den er als "utilitaristisch-kalkulative Perspektive" bezeichnet. Der mit der industriewirtschaftlichen Modernisierung verbundene Trend zur Ökonomisierung und Prozess der Rationalisierung und Individualisierung führen dazu, dass verstärkt Situationen entstehen, in denen "eine größere Zahl von Normadressaten die Kosten für illegitimes Verhalten als niedrig und den Nutzen von abweichendem Verhalten als relativ hoch einschätzen". Illegitimes Verhalten wird entsprechend nicht als pathologisch angesehen, sondern als durchaus rationale Form der Konfliktlösung. Dies kann so gar soweit gehen, dass der Verzicht auf Regelverstöße als pathologisch, zumindest als dumm und naiv gebrandmarkt wird. Aufgrund dieser hedonistischen, kosten-nutzen-kalkulierenden Haltung, die sich zunehmend in modernen Industriegesellschaften ausbreitet, können wir anlehnend an Blinkert Hooligans als die Avantgarde eines neuen Identitätstyps bezeichnen, die sich - was den Zeitgeist anbelangt - nicht abweichend verhalten, sondern - um es mit den Worten Blinkert´s (1988) zu sagen - in einer "fatalen Weise überangepasst sind an die Mobilitäts- und Flexibilitätserfordernisse unserer Gesellschaft" und des Erfolgssports. Soziale Normen haben eben in wachstums- und erfolgsorientierten Handlungsfeldern - wie Blinkert zu Recht konstatiert - "die Bedeutung von Alternativen. Man kann sich für aber auch gegen sie entscheiden - und zu welcher Entscheidung man kommt hängt von Opportunitätserwägungen ab."

Den Hooliganismus im Fußballsport können wir auch als eine Folge der Modernisierungsprozesse unserer Gesellschaft begreifen. Hooligans verkörpern in exakter Spiegelung die einseitigen Werte und Verhaltensmodelle des verbreiteten Zeitgeistes: Elitäre Abgrenzung, Wettbewerbs-, Risiko- und Statusorientierung, Kampfdisziplin, Coolness, Flexibilitäts- und Mobilitätsbereitschaft, Aktionismus, Aggressionslust, Aufputschung und atmosphärischer Rausch. Blinkert weist schließlich noch daraufhin, dass die geringe Verankerung des Individuums in Institutionen und sozialen Bezügen dabei zur Konsequenz hat, dass bei der Entscheidung zwischen Alternativen die externen Kosten eigenen Handelns -(...)- kaum noch eine Rolle spielen. Das Persönlichkeitsprofil eines gewaltbereiten, gewaltfaszinierten Hooligans unterscheidet sich denn auch in der Selbstbeschreibung nicht von dem eines mittleren deutschen Managers oder Spitzensportlers: Freundlich-locker; cool-knallhart; durchsetzungsstark; respektiert; überlegen; selbstbewusst; Menschenkenner. Es kommt eine weitere Dimension hinzu, die der "authentischen Erfahrung"; die ihre Ursache u.a. in der Verengung, Verregelung, dem Verschwinden von Bewegungsräumen, Räumen zum Spielen, zum Ausleben der Bewegungs-, Spannungs- und Abenteuerbedürfnisse hat. Ein paar Aussagen von Hooligans mögen dies verdeutlichen:
"Wenn man im Dunkeln durch den Wald rennt, über Zäune und durch Gärten, und die anderen jagt, und die Polizei ist hinter einem her - das ist fantastisch, da vergisst man sich."
"Es ist ein unheimlich spannendes Gefühl, wenn man in so einer riesigen Gruppe von 100 bis 120 Leuten mitläuft und man muss wirklich aufpassen, ob jetzt links oder rechts aber irgend welcherlei - jetzt wirklich in Anführungszeichen - feindliche Hooligans kommen. Das erinnert mich irgendwie immer so an diese Geländespiele, die man früher immer gemacht hat mit Jugendgruppen. Das ist wirklich so wie wenn man Räuber und Gendarm spielt. Und was das ganze manchmal noch spannender macht, ist dass höchst überflüssiger Weise die Polizei dann auch noch mitmischt, weil das macht die Sache dann interessanter, weil es schwieriger ist, weil man dann auf zwei Gegner achten muss und nicht nur auf einen."
"Wenn du natürlich jetzt mit so ´nem Übermob antobst und dann eben alles niedermachst, also das schönste Gefühl ist das eigentlich. Dann fliegen vielleicht ´n paar Flaschen oder Steine. Und dann rennt der anderer Mob und dann jagst du die anderen durch die Gegend. Also siebenter Himmel. Das würdest du mit keiner Frau schaffen oder mit keiner Droge. Dieses Gefühl, das ist schön."
"Der Reiz liegt in dem Moment, wenn du um die Ecke biegst und 40 Mann auf dich zurennen. Das ist der Kick für den Augenblick. Das ist wie Bungee-Springen - nur ohne Seil".
"Was mich anzieht, sind die Momente, wo das Bewusstsein aufhört: Momente, in denen es ums Überleben geht, Momente von animalischer Intensität, der Gewalttätigkeit, Momente, wenn keine Vielzahl, keine Möglichkeit verschiedener Denkebenen besteht, sondern nur eine einzige - die Gegenwart in ihrer absoluten Form. Die Gewalt ist eines der stärksten Erlebnisse und bereitet denen, die fähig sind, sich ihr hinzugeben, eine der stärksten Lustempfindungen....Und zum ersten Mal kann ich die Worte verstehen, mit denen sie diesen Zustand beschrieben. Dass die Gewalttätigkeit in der Masse eine Droge für sie sei. Und was war sie für mich? Die Erfahrung absoluten Erfülltseins" ( Bill Buford 1992,234 in seinem Buch "Geil auf Gewalt", in dem er über seiner Erfahrungen und Erlebnisse einer fünfjährigen Begleitung englischer Hooligans durch Europa berichtet).
Hier kommt das zweite gewaltfördernde Selbstkonzept, das der Selbstdurchsetzung zu Tragen: ´Ich habe mir meinen Weg gebahnt im Leben, wer mich stört, den schiebe ich weg. Gut ist, was mir nützt. Bei diesem Selbstkonzept, das nach Heitmeyer zunehmend (vor allem bei Menschen mit hohem Bildungsniveau) an Gewicht gewinnen wird, entspricht genau der von Blinkert beschrieben machiavellistischen Orientierung, mit Werten, Normen und Moral instrumentalistisch, zugunsten des eigenen Machtzuwachses oder der Machterhaltung, umzugehen, also alles daran zu setzen, die eigene Einzigartigkeit durchzusetzen, zu bewahren. Dieses Selbstbild finden wir ausgeprägt bei vielen erfolgsorientierten Leistungssportlern, aber auch in der erlebnishungrigen Hooliganszene.

Gewalt dient hier eindeutig der Lustbefriedigung, Gewalt ist nicht Mittel zum Zweck sondern Selbstzweck, entsprechend werden Auseinandersetzungen mit Gleichgesinnten gesucht und verabredet. Auf Grund der vielfältigen strategischen "Spielchen", brauchen Hooligans freie Plätze um angreifen zu können und Räume um sich zurückziehen zu können, so dass auf Grund der großen Menschenmassen Public Viewing Bereiche wohl eher gemieden werden.

Unterschiede des Hooliganismus in den Alten und Neuen Bundesländern



Bezüglich dieser beiden Hooligangruppierungen lassen in den Alten und Neuen Bundesländern unterschiedliche Entwicklungslinien festmachen. In den Alten Bundesländern tendiert die Balance zwischen der beiden Hooligangruppierungen mehr in Richtung "Selbstdurchsetzung", hier stammen die Hooligans mehr aus der mittleren und oberen Mittelschicht, bzw. aus gehobeneren Sozial- und Bildungsniveaus, während sie in den Neuen Bundesländern eindeutig in Richtung "Selbstbehauptung" und untere Sozialschichten und niedrige Sozial- und Bildungsniveaus zeigt, was vor allem mit der wachsenden Perspektivlosigkeit junger Menschen in den Neunen Bundesländern zu tun hat. Darüber hinaus ist in den Alten Bundesländern festzustellen, dass die vor allem im Zeitraum von 1985 bis 1998 sehr aktive Hooliganszene vor allem im nationalen Bereich immer mehr an Bedeutung zu verliert, die Balance zwischen Fußballbegeisterung und Fußballrandale sich in den letzten Jahren deutlich zu Gunsten der Fußballbegeisterung verlagert. Hooligans scheinen in den Alten Bundesländern - auch wenn sich im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft 2006 Alt-Hools nochmals zu reaktivieren scheinen - ein nationales Auslaufmodell zu sein. Das Nationale Konzept Sport und Sicherheit mit seiner ausgewogenen Balance von Repression und Prävention scheint erste Früchte zu tragen.

In den Neuen Bundesländern hingegen können wir eher ein Aufblühen des Hooliganismus - vor allem des Hooliganismus der Selbstbehauptung -konstatieren. Zum Teil sogar die Entwicklung einer Hooliganallianz, zumindest Hooliganstimmung gegen die die Fußballfans, Hooligans der Alten Bundesländer. Hier wird von den jeweiligen Ultragruppierungen und Hooligans eine Kultur der Feindschaft aufgebaut und gepflegt, die sich bereits in vielen Ausschreitungen die an die Ausschreitungen während der Blüte des Hooliganismus Mitte der 80-er bis Mitte der 90-er Jahre erinnern, zwischen Ultras von Vereinen der neuen und alten Bundesländer der 1., vornehmlich aber 2. Bundesliga und der dritten Ligen bahn brechen.

Hier scheint sich ein neuer "Klassenkampf" zu entwickeln, der sich auch schon in den entsprechenden Fanzines widerspiegelt. In dem von Ultragruppierungen der neuen Bundesländer herausgegebenen Fanzine "Blickfang Ost" werden beispielsweise auf der Titelseite hinter dem Banner "Im Osten geht die Sonne auf" finster dreinblickende, maskierte und drohende Ultras der neuen Bundesländer gezeigt und auf der Rückseite steht dann zu lesen "Im Westen geht sie unter" wobei man hinter Stacheldraht (die alte Zonengrenze markierend) einen West-Ultra am Boden liegen sieht, während hinten (im Osten) die geklauten, eroberten Schals der West-Ultras als Siegestrophäen hängen. Es ist unverkennbar, dass einige Ultragrupppierungen sowohl der neuen als auch der alten Bundesländer gegen einander mobil machen! Ein Szenario das für 2006 sehr genau beobachtet werden muss.

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