Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

9.5.2006 | Von:
Gunter A. Pilz

Fan-Projekte

Vernetzung als der Stein der Weisen?!

Ein zentrales Anliegen muss die Vernetzung der Fan-Projekt-Arbeit mit der kommunalen und verbandlichen Jugendarbeit sein. Es gilt, nicht zuletzt im Interesse der Effektivierung der eigenen Arbeit aber auch und vor allem im Interesse der optimalen Nutzung der vorhandenen Ressourcen - sowohl bezüglich der vorhandenen Arbeitskräfte als auch der verfügbaren Finanzen -, verstärkt auf eine Verzahnung der Aufgaben und Angebote der verschiedenen freien und öffentlichen Träger, der betroffenen Ämtern und Behörden hinzuwirken. Dies um so mehr, als das Ernstnehmen des Ansatzes einer lebensweltorientierten Jugendsozialarbeit die örtliche Abstimmung aller Angebote und die Zusammenarbeit aller in der Jugendarbeit Tätigen, erfordert.

Vernetzung ist dabei zum Schlagwort, ja Zauberwort avanciert, das wie der Stein der Weisen, die Probleme präventiver Jugendarbeit lösen soll. Präventionsräte auf lokaler, regionaler und überregionaler Ebene sowie "runde Tische" schießen wie Pilze aus dem Boden. Allein, die Vernetzung scheint sich auf das Zusammensitzen, Zusammendiskutieren und Zusammenplanen zu beschränken. Als ob es so einfach wäre, die unterschiedlichsten Institutionen und in der Praxis arbeitenden Menschen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, partikulare Eitelkeiten und Interessen in den Dienst der schnell ausgemachten gemeinsamen Sache zu stellen. Die strukturellen Bedingungen der Vernetzung und die unterschiedlichen, zum Teil divergierenden Erwartungshaltungen, Einstellungsmuster und rechtlichen Rahmenbedingungen der Vernetzungspartner (z.B. Strafverfolgungszwang der Polizei und Justiz), die Vernetzungsbedingungen, vor allem aber auch die Vernetzungsfolgen für die einzelnen Vernetzungspartner werden viel zu wenig bedacht und reflektiert.

Gerade die Fan-Projekte haben hier im Kontext der Zusammenarbeit mit der Polizei vielfältige, positive wie negative, belastende wie entlastende Erfahrungen gemacht. Dabei kann eine mittel- und langfristig angelegte präventive Jugendarbeit nur dann erfolgreich wirken, wenn die Vernetzungspartner gemeinsam an einem Strang ziehen, inhaltliche Interessen offen gelegt, hierarchische, rechtliche Hindernisse und Hemmnisse erkannt und gemeinsam im Interesse der Sache konstruktiv gewendet werden (z.B. Sozialarbeiter als Anwalt der jungen Menschen, Polizist als Wahrer von Recht und Ordnung im Sinne des Legalitätsprinzips).

Viele der gut gemeinten Maßnahmen in der offenen Jugendarbeit drohen gerade daran zu scheitern, dass sich die Projektpartner zu wenig Gedanken über tragfähige Vernetzungsbedingungen und Vernetzungsfolgen machen. Vernetzung und Zusammenarbeit bewirken allein noch keine effektive Soziale Arbeit geschweige denn Gewaltprävention. Entscheidend ist, dass die unterschiedlichen Interessen der Netzwerkpartner offen gelegt, Gemeinsamkeiten herausgearbeitet und die unterschiedlichen Kompetenzen geklärt und zum Inhalt der Zusammenarbeit gemacht werden. Die Entwicklung fachlich fundierter Konzepte der Sozialen Arbeit und Netzwerkarbeit muss selbst reflektiert und wichtiges Ziel einer solchen Zusammenarbeit sein.