Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.
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Woher die Fußbälle kommen


24.4.2006
Vier von fünf Fußbällen, die in deutschen Geschäften verkauft werden, stammen aus Pakistan. Dort konzentriert sich die Produktion auf eine einzige Region: Sialkot im Nordosten des Landes. Unter welchen Bedingungen entstehen die Fußbälle, was nutzt den Arbeitern ein fair produzierter und gehandelter Ball?

Pakistanische Arbeiter in Sialkot nähen Fußbälle. Vier von fünf Fußbällen, die in deutschen Geschäften verkauft werden, stammen aus Pakistan.Pakistanische Arbeiter in Sialkot nähen Fußbälle. Vier von fünf Fußbällen, die in deutschen Geschäften verkauft werden, stammen aus Pakistan. (© picture-alliance/AP)

Vier von fünf Fußbällen, die in deutschen Geschäften verkauft werden, stammen aus Pakistan. Dort konzentriert sich die Produktion auf eine einzige Region: Sialkot im Nordosten des Landes. Die Stadt und der Landkreis haben sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte zum weltweiten Zentrum der Herstellung von Sportartikeln und Sportbekleidung entwickelt.

Allerdings haben sich die Arbeitsbedingungen nur eingeschränkt mitentwickelt. Feste Arbeitsverträge, Arbeitssicherheit und Gesundheitsvorsorge, Gewerkschaftsfreiheit und Mindestlöhne gehören nicht zu den Selbstverständlichkeiten. Insgesamt leben mehr als 30.000 Menschen davon, dass sie mit Nadel und Faden einen Ball aus 32 sechseckigen Waben mit der Hand zusammennähen.

Kunststoff statt Leder



Wer bei Fußbällen noch an Leder denkt, liegt falsch. Die in Pakistan hergestellten Fußbälle bestehen zu 90 Prozent aus Kunstleder. Dabei werden unterschiedlichste Sorten von PU (Polyurethan) oder PVC (Polyvinylchlorid) anstelle von Leder eingesetzt. Dabei ist PVC ein problematischer Stoff, denn beim Verbrennen kann das gefährliche Umweltgift Dioxin entstehen. PVC ist vor allem bei preiswerten Bällen in Gebrauch. Für qualitativ hochwertige Bälle wird ausschließlich PU (Polyurethan) verwendet. Ein Material, das sich nicht nur durch höhere Umweltverträglichkeit als PVC auszeichnet, sondern auch durch bessere Materialqualitäten. PU-Bälle sind langlebiger und haben bessere Spieleigenschaften, als solche aus PVC.

Weil die hochwertigen Kunststoffe ausschließlich aus dem Ausland nach Pakistan importiert werden und etwa ein Drittel der gesamten Entstehungskosten eines Balles allein ausmachen, liegt der pakistanische Wertschöpfungsanteil bei Qualitätsbällen deutlich niedriger als bei den einfacheren und billigeren Bällen. Auch stellen die neuen Bälle wie der offizielle WM-Spielball 'Teamgeist' von Adidas die pakistanische Ballindustrie vor neue Herausforderungen. Diese Bälle werden nicht mehr genäht, sondern maschinell geklebt. Pakistanische Handarbeit wird so überflüssig.