Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

9.6.2006 | Von:
Adebowale Ogungbure

Zeichen des Protests gesetzt

Adebowale Ogungbure, Fußballspieler von SC Sachsen Leipzig

Für großes Aufsehen sorgte Adebowale Ogungbure, nigerianischer Fußballer beim FC Sachsen Leipzig, als er bei einem Oberligaspiel den Fans des gegnerischen Halleschen FC den Hitlergruß zeigte. Seine heftige Reaktion beruhte auf zahlreichen rassistischen Beleidigungen und tätlichen Handlungen, die er während und nach dem Spiel erdulden musste. Die Staatsanwaltschaft Halle stellte daraufhin Strafanzeige gegen den Fußballspieler, weil er das Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation verwendet hatte, stellte das Verfahren wenig später jedoch wieder ein.

Jeder hat den Beweis im Fernsehen gesehen. Da wurde ich über die gesamte Spielzeit von 93 Minuten als "Bimbo", als "Affe" beschimpft. ##popup_video:||options## Das war nicht das erste Mal. Aber an diesem Tag war es sehr schlimm. Ich habe durchgespielt, ohne etwas zu unternehmen. Nach dem Spiel waren Leute um mich herum, haben mich bespuckt. Dann hat mich jemand von hinten geschlagen. Es standen plötzlich zwischen 15 und 18 Männer an der Eckfahne um mich herum. Und dann habe ich das gemacht [den Hitlergruß gezeigt; Anm. d. Red.]. Das ist keine Lüge. Ich habe das wirklich gemacht. Aber ich habe das nur aus Protest gemacht.

Ich habe immer gesagt, dass die deutschen Polizisten die besten auf der Welt sind. Aber dann [nach dem Spiel], musste ich mich auf der Polizeiwache [für den Hitlergruß] rechtfertigen, obwohl sie die Beweise gesehen haben müssen. Ich kam mir vor, als sei ich der Schuldige.


Die Mitspieler, die Fans, der Präsident des Vereins standen alle hinter mir. Vor allem die Fans haben sehr viel für mich gemacht. Es gab sogar eine Website, www.wir-sind-ade.de, die haben mich wirklich unterstützt. Und meinten: Egal, was passiert, mach' weiter. Wir stehen hinter dir. Hab' keine Angst. Und da habe ich bis heute weiter gespielt.

Ich bin ein junger Spieler, und ich will wieder in der ersten oder zweiten Bundesliga spielen. Aber wo, kann ich momentan nicht sagen, weil alles so schnell geht.

Redaktion: Marcus Pawelczyk
Kamera und Schnitt: Jörg Pfeiffer
Das Interview entstand auf dem Africafestival in Würzburg vom 25. bis 28. Mai 2006.