Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

10.12.2009 | Von:
Adebowale Ogungbure

Fußball als politisches Mittel zum guten Zweck

Hervé Tcheumeleu, Herausgeber Lo´Nam - Deutsch-afrikanisches Monatsmagazin

amerun, Nigeria oder Südafrika? Die großen Fußballnationen Afrikas fehlen diesmal bei der WM, so Hervé Tcheumeleu im Video-Interview. Für den kamerunischen Journalisten steht dennoch fest, dass sich etwas bewegt im afrikanischen Fußball mit der Teilnahme "kleinerer" Staaten wie Togo oder Angola.

Jeder hat den Beweis im Fernsehen gesehen. Da wurde ich über die gesamte Spielzeit von 93 Minuten als "Bimbo", als "Affe" beschimpft. Das war nicht das erste Mal. Aber an diesem Tag war es sehr schlimm. Ich habe durchgespielt, ohne etwas zu unternehmen. Nach dem Spiel waren Leute um mich herum, haben mich bespuckt. Dann hat mich jemand von hinten geschlagen. Es standen plötzlich zwischen 15 und 18 Männer an der Eckfahne um mich herum. Und dann habe ich das gemacht [den Hitlergruß gezeigt; Anm. d. Red.]. Das ist keine Lüge. Ich habe das wirklich gemacht. Aber ich habe das nur aus Protest gemacht.

Ich habe immer gesagt, dass die deutschen Polizisten die besten auf der Welt sind. Aber dann [nach dem Spiel], musste ich mich auf der Polizeiwache [für den Hitlergruß] rechtfertigen, obwohl sie die Beweise gesehen haben müssen. Ich kam mir vor, als sei ich der Schuldige.

Der Journalist konstatiert trotz der gescheiterten Qualifikation der großen afrikanischen Fußball-Nationen für die WM 2006 einen Fortschritt im afrikanischen Fußball. (© 2006 Bundeszentrale für politische Bildung)




Die Mitspieler, die Fans, der Präsident des Vereins standen alle hinter mir. Vor allem die Fans haben sehr viel für mich gemacht. Es gab sogar eine Website, www.wir-sind-ade.de, die haben mich wirklich unterstützt. Und meinten: Egal, was passiert, mach' weiter. Wir stehen hinter dir. Hab' keine Angst. Und da habe ich bis heute weiter gespielt.

Ich bin ein junger Spieler, und ich will wieder in der ersten oder zweiten Bundesliga spielen. Aber wo, kann ich momentan nicht sagen, weil alles so schnell geht.

Redaktion: Marcus Pawelczyk
Kamera und Schnitt: Jörg Pfeiffer
Das Interview entstand auf dem Africafestival in Würzburg vom 25. bis 28. Mai 2006.