Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

31.5.2006

Presseschau vom 31.05.2006

Heute in der Presseschau: Innenansichten über die Aussichten Englands, Spaniens und Italiens, den WM-Titel zu gewinnen. Außerdem ein Interview mit Gerald Asamoah über Rassismus in Deutschland. Und: Gerhard Mayer-Vorfelder äußert sich über seinen DFB-Nachfolger Theo Zwanziger.

Heute in der Presseschau: Innenansichten über die Aussichten Englands, Spaniens und Italiens, den WM-Titel zu gewinnen. Außerdem ein Interview mit Gerald Asamoah über Rassismus in Deutschland. Und: Gerhard Mayer-Vorfelder äußert sich über seinen DFB-Nachfolger Theo Zwanziger.

WM 2006

Der WM-Pokal steht ihnen zu wie ein Aston Martin

Thomas Hüetlin (Spiegel) schildert den wiedererlangten Übermut der Engländer:
"Wer die Champagnerlaune des englischen Teams dieser Tage erlebt, bekommt den Eindruck, die Mannschaft hätte den WM-Pokal bereits sicher in der Sporttasche und die vier Wochen in Deutschland seien nur noch eine Art Ehrenrunde, welche die Jungs absolvieren müssen, bevor sie das Ding endlich auspacken dürfen. Vorbei ist jener Schock, der sich über die Insel legte, als Ende April Chelsea-Verteidiger Paulo Ferreira Wayne Rooney umgrätschte, jener sich beim Sturz den vierten Knochen im rechten Mittelfuß brach und mit ihm die Hoffnungen der gesamten Fußballnation vom Platz getragen wurden. (...) Vorbei ist auch das jahrelange Theater um Sven-Göran Eriksson, einen Ausländer, dem die Engländer nie wirklich trauten. Schon klar, es gab schöne Momente, wie das 5:1 im Münchner Olympiastadion über den Erzrivalen Deutschland, aber richtig warm wurden die Fans mit der an Temperamentlosigkeit grenzenden Zurückhaltung ihres Nationaltrainers nie. Unvergessen und nicht vergeben sind auf der Insel Momente wie jene langen Minuten, als die Elf im WM-Viertelfinale der WM 2002 gegen Brasilien nach Ronaldinhos Platzverweis beim Stand 1:2 orientierungslos herumstolperte, Eriksson aber, statt die Initiative zu ergreifen, so still auf der Bank saß, als starrte er in die Asche eines Kaminfeuers. Richtig lebendig schien der Schwede nur, wenn es um Frauen oder um Geld ging. Sein Nachfolger und bisheriger Assistent, Steve McClaren, ist Trainer des FC Middlesbrough, eines Clubs, den jener vor fünf Jahren auf Platz 14 übernahm und genau auf dieser Position am Ende dieser Saison wieder abgab. Bei solchen Aussichten erscheint Eriksson auf einmal wieder wie eine Lichtgestalt – zumal jene 'goldene Generation' um David Beckham, Steven Gerrard, Frank Lampard, John Terry, Rio Ferdinand, Joe Cole und Michael Owen auf den letzten Metern zu der Überzeugung gelangt, dass der WM-Pokal ihnen ebenso zusteht wie jene Aston Martin und diamantbesetzten Uhren, die sie sonst für sich beanspruchen."

Sog
Georg Bucher (Neue Zürcher Zeitung) begründet den Optimismus der Spanier und klärt auf, von wem sie sich anstecken lassen: "Luis Aragonés verkörpert die kastilische Lebensart: den zuweilen schroffen, aggressiven Ton, Lebensfreude, Generosität und einen Schuss Bauernschläue. Wem, wenn nicht ihm, sollte es der Verbandspräsident Villar zutrauen, Spanien endlich aus dem Schatten grosser Nationen herauszuführen? Schon auf mehreren Klub-Bühnen war der 67-jährige Madrilene erfolgreich; nichts reizt ihn mehr als die Aussicht, ein Stück Nationalgeschichte zu schreiben, verschiedene Mentalitäten zu mischen und jenseits von Klubinteressen und Eitelkeiten ein Erfolgsteam zu formen. (...) So zerstritten die Spanier bisweilen sind, so gern sonnen sie sich im Erfolg von Landsleuten. Dann verwenden sie das Bild der Ananas, Symbol von Einheit. Auch der gute Lauf wird beschworen, heuer fast inflationär: Alonso in der Formel 1, Nadal im Tennis, Gibernau und Pedrosa auf Motorrädern, die Handballter aus Ciudad Real, die Futsal-Equipe von Boomerang – in etlichen Sportarten haben die Conquistadores Spitzenränge erobert, auch im Fussball: Sevilla und Barcelona in den europäischen Klubwettbewerben. Arsenal ist spanisch angehaucht. Die Vermutung liegt nahe, das Nationalteam werde in den gleichen Sog geraten, sich anstecken lassen vom Esprit der Winner."
Mehr in nzz.ch ...

Die Erniedrigten

Peter Hartmann (Neue Zürcher Zeitung) beschreibt die Hoffnung der Italiener, nichts von ihrer Stärke einzubüßen:
"Es ist hundert Tage her, und Italien spielte wie der kommende Weltmeister, damals in Florenz. 'Deutschland in Stücke zerschlagen', eine 'Erniedrigung' der Klinsmänner, so las es sich nach dem 4:1. Die Squadra Azzurra ist fast dieselbe geblieben, aber nun ist sie die 'Erniedrigte' – der beispiellose Skandal um das 'System Moggi' belastet auch sie. Italien ist nicht Juventus, aber der genetische Baukasten, ein Teil der Identität dieser Mannschaft ist Juventus. Der Commissario Tecnico Marcello Lippi, dessen Sohn Davide als Agent tief im Sumpf steckt, arbeitete acht Jahre für Juventus, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass er nichts von den Machenschaften des Managers Moggi und von den übervollen Medizinschränken, die zum Dopingprozess führten, geahnt hat. Lippi baut auf einen Juve-Block, Capitano Cannavaro muss, wegen Verdachts auf Geldwäsche, immer wieder den Staatsanwälten zur Verfügung stehen, Torhüter Buffon steckt in einer Wettaffäre. Aber die Nationalmannschaft ist nun einmal der Italiener bevorzugtes Kind, 84 Prozent verfolgen ihre Auftritte mit patriotischer Leidenschaft, 72 Prozent lieben sie sogar mehr als ihren Herzensklub. Und der Hoffnungsträger heisst, wieder einmal, Alessandro Del Piero, der hamletische Juventus-Stürmer, der bisher an jedem Turnier unterging."
Mehr in nzz.ch ...

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Ronaldo, im Schatten von Ronaldinho?
Mehr in faz.net ...

tageszeitung: Die französische Nationalmannschaft wirkt verunsichert. Ein Grund dafür: Drei der wichtigsten Spieler stehen beim Skandalclub Juventus Turin unter Vertrag und vor einer ungewissen Zukunft
Mehr in taz.de ...

Ball und Buchstabe

Deutschland ist ein Land, in dem man sich als Ausländer wohl fühlen kann

Gerald Asamoah im Interview mit Michael Ashelm (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) über Rassismus in Deutschland:
"FAZ: Sie sehen sich rassistischen Parolen ausgesetzt. Eine Neonazi-Organisation verbreitet Poster und Hemden mit Ihrem Foto und der Parole "Nein, Gerald, du bist nicht Deutschland". Was unternehmen Sie dagegen?
Asamoah: Das hat mich sehr verletzt, aber ich bin zuerst nicht juristisch dagegen vorgegangen. Mit Unterstützung des DFB habe ich jetzt aber rechtliche Schritte eingeleitet und per einstweilige Verfügung generell die Veröffentlichung und Verbreitung dieses Plakats und des dazugehörigen Bildes untersagen lassen.
FAZ: Im neuen Verfassungsschutzbericht steht, daß rechte Straftaten um 27 Prozent zugenommen haben. Spüren Sie am eigenen Leib eine direkte Gefahr? Asamoah: Ich habe natürlich gegenüber vielen anderen Farbigen oder Ausländern in Deutschland den großen Vorteil, daß ich eine prominente Person bin. Bei mir traut sich keiner so schnell, mich in der Öffentlichkeit anzupöbeln, auch wenn er es vielleicht wollte. Ich selbst fühle mich nicht in Gefahr, aber ich habe Freunde, die sich im Moment nicht besonders wohl fühlen und auf der Straße beleidigt werden.
FAZ: Wie offenbart sich der Fremdenhaß im Fußballstadion, nachdem in Deutschland viel dagegen unternommen wurde?
Asamoah: In der Bundesliga passiert eigentlich nichts. Da bleibt es bei ein paar wenigen Idioten auf der Tribüne. Die schlimmsten Zeiten sind wohl vorbei, als ich zum Beispiel in Cottbus noch mit Bananen beworfen wurde. In deutschen Stadien hat sich die Situation ganz deutlich gebessert. Im Uefa-Pokal mit Schalke kam in Sofia aber wieder dieses Affengebrüll von der Tribüne, wenn ich am Ball war. Wie mit der Nationalmannschaft in der Slowakei. Daran werde ich mich nie gewöhnen. Das macht mich immer wieder traurig.
FAZ: Unterhalten Sie sich im Nationalteam über dieses Thema?
Asamoah: Natürlich wird mal darüber gesprochen. Aber jetzt in der WM-Vorbereitung möchte ich mich damit auch gar nicht belasten. (...)
FAZ: Ist die deutsche Gesellschaft aus Ihrer Sicht noch eine offene, fremdenfreundliche Gesellschaft?
Asamoah: Ja, schon. Natürlich hat Deutschland das Problem mit seiner speziellen Vorgeschichte, die immer wieder hoch kocht. Ich weiß auch, daß manche im Ausland sehr negativ über Deutschland denken und sagen, es sei ein Land der Rassisten. Es gibt auch Leute, die mich fragen, weshalb ich überhaupt für Deutschland Fußball spiele; für ein Land, das Schwarze nicht akzeptiert, sagen die dann. Aber ich fühle mich sehr heimisch in Deutschland. Deutschland ist ein Land, in dem man sich als Ausländer wohl fühlen kann. Ich lebe schon lange hier und habe mich nie richtig unwohl gefühlt."
Mehr in faz.net ...

Deutsche Elf

Es wäre sehr wichtig für den deutschen Fußball, daß Klinsmann weitermacht

Gerhard Mayer-Vorfelder im Interview mit Michael Ashelm (Frankfurter Allgemeine Zeitung) über Theo Zwanziger, Jürgen Klinsmann und Matthias Sammer:

FAZ: Sie haben den neuen DFB-Sportdirektor Matthias Sammer als Übergangslösung für den Bundestrainerposten ins Spiel gebracht, falls Jürgen Klinsmann nach der WM aufhören sollte. Theo Zwanziger zeigte sich nicht einverstanden mit Ihnen. Welchen Grund hatte Ihre Aussage so kurz vor dem WM-Turnier?
Mayer-Vorfelder: Wir sind jetzt wieder in einer medialen Phase, in der einem die Worte im Munde gedreht werden. Ich habe das auf vielfache Nachfrage und in der Auseinandersetzung mit einer Aussage von Matthias Sammer getan, der sagte, es dürfe nicht mehr vorkommen, daß der DFB ohne Trainer dasteht. Das ist die Beschreibung der Quadratur des Kreises. Wenn ein Trainer wie vor zwei Jahren Rudi Völler nachts um halb zwölf zurücktritt, kann ich nicht zum Eisschrank gehen und einen tiefgekühlten Trainer herausholen. Ein überraschender Rücktritt und eine trainerlose Zeit kann immer wieder passieren – und wie ich es verstanden habe, soll der neue Sportdirektor doch genau dann einspringen.
FAZ: Sie gehen nicht davon aus, daß Jürgen Klinsmann weitermacht?
Mayer-Vorfelder: Es wäre wirklich sehr wichtig für den deutschen Fußball, daß er weitermacht. Ich habe in Genf die außergewöhnliche Professionalität gesehen, mit der er und sein Team arbeiten. Er hat die Bedeutung und Strahlkraft seiner Aufgabe erkannt und schätzengelernt. Ich habe ihm geraten, mit dieser jungen Mannschaft weiterzumachen bis 2008 oder 2010, um dann die Früchte seiner Saat zu ernten. Aber ich möchte nicht beschwören, daß er weitermacht. Ich schaue nicht in seine Gehirnwindungen.
FAZ: Jürgen Klinsmann kennen Sie recht gut. Wie sieht das mit Theo Zwanziger aus, wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Nachfolger?
Mayer-Vorfelder: Ich würde es als offenes Verhältnis beschreiben.
FAZ: Das kann nicht sein.
Mayer-Vorfelder: Nun, die Situation ist nicht ganz leicht für ihn – er muß sich als zukünftiger Präsident profilieren, dafür habe ich Verständnis. Ich bin sicher, daß er im September zum nächsten Präsidenten gewählt wird. Der Wechsel in Führungspositionen verursacht eben hier und da Spannungen, das ist doch nichts Neues. Wenn er mit mir über die Frage der Nachfolge in die Ämter bei Uefa oder Fifa geredet hätte, hätten wir sicher eine Lösung gefunden.
Mehr in faz.net ...

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Interview mit Jens Lehmann
Mehr in faz.net ...

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Porträt Philipp Lahm
Mehr in faz.net ...

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Porträt Bastian Schweinsteiger
Mehr in faz.net ...

tageszeitung: Werder Bremen und 1860 München wollen auf ihren Trikots für einen privaten Sportwettenanbieter werben. Das bayerische Innenministerium möchte das mit aller Macht verhindern
Mehr in taz.de ...

freistoss des tages

Mehr in faz.net ...

Die Fußball-Presseschau zur Fußball WM 2006 wird in Zusammenarbeit mit indirekter-freistoss.de erstellt. Dort können Sie auch einen E-Mail-Newsletter abonnieren und sich die Presseschau täglich in Ihr Postfach kommen lassen.