Skyline von Schanghai

Städtische Infrastruktur und Umwelt

24.9.2008
Im Zuge der weltweiten Nachhaltigkeits- und Umweltdiskussion bemühen sich auch viele Städte in Asien, Afrika und Lateinamerika, effiziente Wasser-, Abwasser- und Müllsysteme zu entwickeln, dies auch im Rahmen einer anspruchsvollen Umweltpolitik.

Städtische Infrastruktur und Umwelt in ausgewählten StädtenStädtische Infrastruktur und Umwelt in ausgewählten Städten (© bpb)

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    Der Mangel an Arbeitsplätzen und Wohnraum, ein überlasteter Verkehr, die prekäre Wasserversorgung sowie die unkontrollierte Abwasser- und Müllentsorgung sind in vielen Südmetropolen besonders kritische Problembereiche.

    Die Grundversorgung mit Wasser ist in allen Städten gegeben, weil es ohne Wasser kein Leben gibt. Gleichzeitig gibt es bei der Quantität und Qualität der Wasserversorgung aber enorme Unterschiede zwischen reichen und armen Städten und zwischen reichen und armen Stadtgebieten. Dabei entsprechen die statistischen Durchschnittswerte selten der Realität, weil der Wasserverbrauch in den reichen Quartieren extrem hoch und in den armen Stadtgebieten entsprechend niedriger ist. Während reiche Quartiere in der Regel an das Leitungssystem angeschlossen und relativ billig mit Wasser versorgt sind, muss man in informellen Siedlungen das Wasser oft teuer von privaten Wasserverkäufern oder Tankwagen kaufen. Bei Wassermangel leiden zuerst die armen Quartiere, während die Versorgung der reichen Stadtteile aufrecht erhalten wird, dies trotz einer eklatanten Wasserverschwendung etwa zur Bewässerung von Ziergärten und Golfplätzen, zur Autowäsche und zum Auffüllen der privaten Pools.

    In Abidjan und Lagos liegt der häusliche Wasserverbrauch bei 40 bis 45 Ltr./Pers./Tag, wobei in den informellen Siedlungen der Verbrauch auf die Hälfte sinkt. In Karatschi und Jakarta liegt der häusliche Wasserverbrauch mit 130 und 160 Ltr./Pers./Tag wesentlich höher, aber auch hier sinkt in den informellen Stadtgebieten der Wasserverbrauch auf die Hälfte. In den lateinamerikanischen Städten ist – je nach ökonomischer Situation und Infrastrukturausstattung – der Wasserverbrauch unterschiedlich, wie etwa in Montevideo und Lima (173 bzw. 108 Ltr./Pers./Tag). Natürlich klafft auch in Lateinamerika der Wasserverbrauch in den reichen und armen Quartieren weit auseinander.

    Vergleicht man dies mit Berlin (178 Ltr./Pers./Tag) und New York (448 Ltr./Pers./Tag), so bewegt sich der Wasserverbrauch in europäischen Städten in ähnlichen Bereichen wie in Lateinamerika, während in den USA der Wasserverbrauch extrem hohe Werte aufweist.

    Die Städte in den hoch entwickelten Ländern sind längst mit flächendeckenden Abwassersystemen ausgestattet, dies ist in den Entwicklungs- und Schwellenländern noch keineswegs der Fall. Allerdings sind sind die Daten hierzu so lückenhaft, dass sich kaum klare Aussagen ableiten lassen. Es wird aber deutlich, dass die meisten großen Städte in Asien, Afrika und Lateinamerika nicht über ein flächendeckendes Abwassersystem mit modernen Kläranlagen verfügen, sondern das Abwasser mehr oder weniger unkontrolliert in die nächstgelegenen Bäche, Flüsse, Lagunen oder ins Meer ableiten, was die Umwelt extrem belastet. Nicht nur in den Städten, auch im ländlichen Umland sind Bäche, Flüsse und Lagunen oft hochgradig kontaminiert, auch werden halb- oder ungeklärte Abwässer zur Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen genutzt.

    Ebenso gibt es meist keine effiziente Entsorgung des städtischen Mülls, sondern dieser landet auf offenen Müllkippen oder wird unkontrolliert verbrannt. Gleichzeitig findet man gerade in armen Städten ein hohes Maß an Müll-Recycling, also eine fast 100%ige Wiederverwendung von Metall, Glas, Papier und anderen Wertstoffen, selbst der organische Müll wird oft der Schweinezucht zugeführt. Das Durchwühlen der Müllberge, an dem auch Frauen und Kinder beteiligt sind, geschieht aber unter katastrophalen Bedingungen, auch wird das profitable Müllgeschäft vielfach von kriminellen Gruppen kontrolliert.

    Im Zuge der weltweiten Nachhaltigkeits- und Umweltdiskussion bemühen sich natürlich auch viele Städte in Asien, Afrika und Lateinamerika, effiziente Wasser-, Abwasser- und Müllsysteme zu entwickeln, dies auch im Rahmen einer anspruchsvollen Umweltpolitik, die manche Städte verfolgen. Dies hat auch schon zu beispielhaften Projekten in diesem Bereich geführt, wie etwa in Curitiba (Brasilien) und Seoul (Südkorea).

    Definition



    Der häusliche Wasserverbrauch wird in Liter pro Person und Tag gemessen. Dabei ist der industrielle und gewerbliche Wasserverbrauch einer Stadt nicht enthalten. Mit Abwassersystem ist die Klärung der Abwässer durch entsprechende Anlagen gemeint.

    Statistik



    Städtische Infrastruktur und Umwelt in ausgewählten Städten
    Häuslicher Wasserverbrauch, Abwassersystem und Müllbeseitigung, 2003

    Stadt Wasserverbrauch Liter/Pers./Tag in Klammern: inform. Siedlungen Klärung d. Abwässer (%) off. Müllkippen off. Verbrennung (%)
    Abidjan 40 (20) 45 72
    Lagos 45 (22)    
     
    Karatschi 132 (63) 10 71
    Jakarta 162 16 k.A.
     
    Lima 108 4 36
    Montevideo 173 34 100
     
    Berlin 178 100 k.A.
    New York 448 100 k.A.


    Quelle
    United Nations Human Settlement Programme / UN-Habitat, The Challenge of Slums Global Report on Human Settlements 2003; Table C.4 Environmental Infrastructure, S. 277
    »www.unhabitat.org/«

    Links



    »Water and Sanitation for the Urban Poor (WSUP)«

    »UNESCAP - Macroeconomic Policy and Development Division«

    »Worldbank - Urban Services to the Poor Thematic Group«

    »Worldbank - Water for the Urban Poor«

    Autor: Prof. Dr. Eckhart Ribbeck


     
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