Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.

30.3.2009 | Von:
Michael Rode

Grenzübergreifende Gewässerpolitik für saubere Flüsse

Flüsse und Seen sind in den vergangenen Jahren spürbar sauberer geworden, doch "rein" sie sind noch nicht. Insbesondere Düngemittel aus der Landwirtschaft und der Klimawandel setzen einer gesunden Flussökologie weiter zu.

Industrieanlage am RheinIndustrieanlage am Rhein (© sensolux / Photocase)

Die Verschmutzung der Oberflächengewässer durch Nähr- und Schadstoffeinträge hat sich in den zurückliegenden Jahren zum Teil deutlich verringert. Hauptsächlich stammen die Nähr- und Schadstoffe aus der Landwirtschaft, kommunalen Kläranlagen, Kraftwerken, Verkehr und Industriebetrieben. Im Wesentlichen wurden die Einträge im Abwasser aus den Kommunen und der Industrie reduziert. Dieser Rückgang ist unter anderem auf eine Verringerung der in den neuen Ländern angesiedelten chemischen Industrie zurückzuführen, also schlicht auf Unternehmensschließungen. Die Gesamtstickstoffemissionen in die Oberflächengewässer Deutschlands lagen im Zeitraum 1998–2000 bei 688 Kilotonnen pro Jahr (kt/a) und verminderten sich gegenüber dem Vergleichszeitraum 1983–1987 um 400 kt/a. Trotzdem konnte das international vereinbarte Ziel nicht erfüllt werden, die Stickstoffeinträge in die Nord- und Ostsee zu halbieren.

Die Phosphoreinträge konnten im gleichen Zeitraum um 64 Prozent vermindert werden. Die Phosphatkonzentrationen haben zwar deutlich abgenommen, die Güteklasse II für Gesamt-Phosphor wurde 2004 aber dennoch nur an 27 Prozent der Fließgewässermessstellen erreicht. Nährstoffeinträge in die Gewässer können zu Algenblüten führen, wobei für Küstengewässer insbesondere Stickstoffeinträge relevant sind. Etwa 30 t/a an Pflanzenschutzmitteln werden an Oberflächengewässer abgegeben, wobei diese Zahl aufgrund der schwierigen und aufwändigen Frachtermittlung mit hohen Unsicherheiten behaftet ist. Das entspricht etwa 0,1 Prozent der angewandten Mengen.


Auch bei den Schwermetalleinträgen haben die diffusen Quellen (also solche, die nicht bis ins Detail rückverfolgbar sind) gegenwärtig einen dominierenden Anteil von etwa 72 Prozent bei Quecksilber, 76 Prozent bei Cadmium und Kupfer, 84 Prozent bei Blei und Chrom, 80 Prozent bei Zink, 82 Prozent bei Nickel und 94 Prozent bei Arsen. Als maßgebliche Eintragspfade wurden Kanalisationen und nicht an die Kanalisation angeschlossene Einwohner, die Erosion und der Grundwasserzufluss identifiziert.

Daneben hat sich beispielsweise in der Umgebung der Elbe die industrielle Produktion verändert oder erhöht, was die Gewässer durch einige prioritäre Stoffe stärker belastet. Dies betrifft insbesondere Blei (Pb) und Ethylendiamintetraessigsäure (EDTA). Blei kann über die Nahrungskette (Fisch) vom Menschen aufgenommen werden und ist giftig (schädigt vor allem das Nervensystem, die Nieren und das Herz-Kreislaufsystem). EDTA ist als synthetischer und trinkwassergängiger Stoff in den Gewässern unerwünscht.

Gewässerregion entscheidet über "Abwehrkräfte"

Der überdurchschnittliche Rückgang der Nähr- und Schadstoffeinträge in die Oberflächengewässer aus Punktquellen wie Siedlungsabwassereinleitungen hat dazu geführt, dass die Einträge aus diffusen Quellen und damit vor allem die aus der Landwirtschaft stammenden Belastungen an den Gesamteinträgen dominieren. Eine weitere stoffliche Belastung der Gewässer stellt die Versauerung dar. Dabei verringert sich durch säurebildende Schadstoffeinträge aus der Luft der pH-Wert. Die Versauerung betrifft vor allem die organisch gering oder unbelasteten Gewässeroberläufe, die in kalkarmen Gebieten liegen und ein schwaches Pufferungsvermögen haben.

Insbesondere für die Gewässersysteme in den neuen Bundesländern stellen Altlasten aus den früheren Industrieregionen ein Problem dar. Die an Sedimente und Schwebstoffe gebundenen Schwermetalle und organischen Schadstoffe werden vorzugsweise bei Hochwassern in die Gewässer transportiert. Da sich Sedimentation und Transport häufig abwechseln, werden die Schadstoffe nur sukzessiv in die Randmeere transportiert, oder sie lagern sich dauerhaft in den Auen ab. Derzeit ist nicht davon auszugehen, dass diese Belastungen rasch abnehmen.

Neues Problem Klimawandel

Zunehmend wird auch das Problem des Klimawandels für die Oberflächengewässer erkannt. Die Verdunstung steigt, weil sich die Temperatur erhöht, die sommerlichen Niederschläge nehmen ab. In Regionen mit ausgedehnten Feuchtgebieten kann sich dies negativ auf die Wasserstände auswirken und Feuchtbiotope sowie aquatische Ökosysteme schädigen. Veränderte Abflussregime wirken sich auf die Nähr- und Schadstoffkonzentrationen aus, konstante Einleitungen können weniger stark verdünnt werden, die Stoffkonzentrationen nehmen zu. Die durch Starkregen verursachten Hochwasser werden voraussichtlich zunehmen, die stoffliche Belastung aus dem urbanen Bereich kann ebenso steigen wie der Eintrag durch Erosion aus dem Bereich der Landwirtschaft. Genauere Untersuchungen hierzu liegen derzeit noch nicht vor.

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