Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.

30.3.2009 | Von:
Dr. Rüdiger Wolter

Grundwasser - der verborgene Schatz

Zustand des deutschen Grundwassers

Um die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) umsetzen zu können, haben die Bundesländer 2004 erstmals eine umfassende Bestandsaufnahme über den Zustand des Grundwassers in Deutschland durchgeführt (Literatur). Bestimmt wurden diejenigen Grundwasserkörper, für die das Risiko besteht, dass sie die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie – den so genannten guten Zustand – bis zum Jahr 2015 nicht erreichen. Es wurde für jeden Grundwasserkörper geprüft, ob er gefährdet ist, da man zu viel Wasser entnimmt (schlechter mengenmäßiger Zustand) oder weil zu viele Schadstoffe darin enthalten sind (chemische Beschaffenheit).

Insgesamt hat die Bewertung gezeigt, dass rund 52 Prozent aller Grundwasserkörper 2015 in einem schlechten Zustand sind, wenn keine geeigneten Maßnahmen ergriffen werden. Da Deutschland insgesamt ein sehr (grund-)wasserreiches Land ist, gibt es in nur sehr wenigen Grundwasserkörpern (5 Prozent) Wassermengenprobleme. Ursachen für einen schlechten Zustand sind also ganz überwiegend Einträge von Schadstoffen in das Grundwasser.

Gefährdet und...

Messdaten aus dem EUA-MessnetzMessdaten aus dem EUA-Messnetz
Auch wenn das Grundwasser von mehr oder weniger mächtigen Boden- und Deckschichten überlagert wird, so können doch die verschiedensten (Schad-)Stoffe bis zu ihm vordringen und es verunreinigen. Weitaus am häufigsten sind Verunreinigungen durch Stickstoffverbindungen, am bekanntesten ist das überwiegend aus der Landwirtschaft stammende Nitrat. Nur ein Teil des Stickstoffs in Düngemitteln kann tatsächlich von den Pflanzen aufgenommen werden. Der Rest verbleibt im Boden und wird langsam in den tieferen Untergrund und ins Grundwasser verlagert. Unbelastetes beziehungsweise nur geringfügig belastetes Grundwasser enthält zwischen 0 und 10 mg/l Nitrat. Enthält Grundwasser mehr als 50 mg/l Nitrat, so kann es nicht mehr direkt genutzt werden, um daraus Trinkwasser zu gewinnen. In Deutschland wiesen im Jahre 2006 rund 11,7 Prozent der Messstellen Nitratgehalte von mehr als 50 mg/l auf (Messstellen des repräsentativen EUA-Messnetzes zur regelmäßigen Berichterstattung an die Europäische Umweltagentur (EUA) in Kopenhagen) (Abbildung).

Auch durch Pflanzenschutzmittel kommt es zu nennenswerten Belastungen. Sie stammen aus der Landwirtschaft, aber auch dem privaten und öffentlichen Bereich, wie zum Beispiel Gärten, Grünanlagen, Sportplätzen und Gleisanlagen.

Daneben gibt es eine Reihe weiterer Ursachen, durch die unser Grundwasser verunreinigt werden kann, etwa durch Versauerung. Die Schadstoffe, vorwiegend Schwefel- und Stickstoffverbindungen, werden über die Luft in den Boden und weiter ins Grundwasser eingetragen. Sie stammen meist aus Verbrennungsprozessen (von Kraftwerken oder Kraftfahrzeugen) und können über große Entfernungen transportiert werden. In den letzten Jahrzehnten hat man jedoch viel unternommen, um diese Schadstoffeinträge zu vermindern, zum Beispiel Entschwefelungsanlagen gebaut. Die Versauerung führt dazu, dass der pH-Wert des Grundwassers deutlich unter einen Wert von 7 (Neutralpunkt) sinkt und so zum Beispiel deutlich mehr Schwermetalle im Wasser gelöst werden können.

Daneben gibt es Einträge, die aus alten Industriegebieten, Deponien oder Altlastflächen stammen. Häufig findet man je nach früherer Nutzung Verunreinigungen durch Lösemittel, Kraftstoffe, Schwermetalle und vieles mehr. Daneben kommt es durch undichte Kanalsysteme zu einem Eintrag der verschiedensten Schadstoffe ins Grundwasser. Dazu gehören unter anderem Sulfat und Chlorid. Letztere können entlang von Straßen allerdings auch auf den Einsatz von Streusalz zurückgeführt werden. In Küstenregionen sind sie oft ein Hinweis auf den Zustrom von Meer- oder salzhaltigen Tiefenwässern. Dazu kann es zum Beispiel dann kommen, wenn die verfügbaren Grundwasservorräte zu stark genutzt werden und dadurch angrenzendes Salzwasser in die Brunnen gezogen wird.

... lange nachtragend

Da sich Grundwasser nur langsam im Untergrund bewegt, können die Auswirkungen von Schadstoffeinträgen eine geraume Zeit nachwirken. Verschmutzungen, die vor mehreren Jahrzehnten erfolgten – sei es durch die Landwirtschaft, Industrie oder andere menschliche Tätigkeiten –, können noch heute und teilweise auch noch über mehrere Generationen die Grundwasserqualität gefährden. Dies wird sehr deutlich an großflächigen Altlasten, etwa Industriestandorten, bei denen es schwierig oder gar unmöglich sein kann, die Verschmutzungen mit dem derzeitigen Stand der Technik und den verfügbaren finanziellen Mitteln zügig zu beseitigen.

Außerdem haben die Erfahrungen mit solchen Sanierungen aus den letzten 20 Jahren gezeigt, dass die Schadstoffbelastungen meistens nicht vollständig beseitigt werden konnten. Selbst wenn die Verschmutzungsquellen teilweise beseitigt werden, setzen diese über mehrere Generationen weiterhin Schadstoffe frei. Verschmutzungen zu vermeiden hat folglich für den Schutz unseres Grundwassers eine elementare Bedeutung.

Literatur

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU – Hrsg.) (2008): Grundwasser in Deutschland (im Druck), Berlin.

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU – Hrsg.) (2006): Wasserwirtschaft in Deutschland. Teil 1 – Grundlagen, Berlin.

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU – Hrsg.) (2005): Die Wasserrahmenrichtlinie - Ergebnisse der Bestandsaufnahme 2004 in Deutschland, Berlin.

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU – Hrsg.) (2003): Hydrologischer Atlas von Deutschland. Kap. 5.5 Mittlere jährliche Grundwasserneubildung, Bonn.

Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) (2003): CoMillimeterodity Top News, Grundwasser, No. 21, Hannover.

Länder Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) (2004): 2. Bericht zur Grundwasserbeschaffenheit – Pflanzenschutzmittel.

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


einfach POLITIK: aktuell

Fahrverbote für Diesel

Die Abgase von vielen Diesel-Autos sind noch viel schmutziger, als man bisher gedacht hat. In Hamburg gibt es deshalb Fahrverbote für ältere Diesel-Autos. Vielleicht bald auch in anderen Städten.

Mehr lesen

Dossier

Klimawandel

Globale Erwärmung und Klimawandel: diese beiden Worte sind in aller Munde. Wie konnte es überhaupt zum Klimawandel kommen? Und reichen die Bemühungen im Kampf gegen die globale Erwärmung aus?

Mehr lesen

Dossier

Bioethik

Wann beginnt das Leben? Was genau ist die Würde des Menschen? Gibt es ein Recht auf Selbstbestimmung am Lebensende? Und welchen moralischen Status haben Tiere? Die Bioethik setzt sich mit grundsätzlichen Fragen des Seins auseinander. Sie liefert Antworten für die politischen Entscheidungen der Gegenwart. Aber wirft auch neue Fragen und Probleme auf.

Mehr lesen

Spezial

"Plastic Planet"

"Nach der Stein-, der Bronze- und der Eisenzeit haben wir jetzt die Plastikzeit" - mit diesem Zitat beginnt eine Reise des österreichischen Regisseurs Werner Boote von den 1960er-Jahren, als Plastik immer mehr verbreitet wurde, bis in die heutige Zeit. Heute sind wir von Plastik umgeben.

Mehr lesen

Publikation zum Thema

Haben Tiere Rechte?

Haben Tiere Rechte?

Angesichts eines gewachsenen Verantwortungsbewusstseins gegenüber (Nutz-)Tieren beschäftigt sich das Buch aus interdisziplinärer Sicht mit unterschiedlichen Aspekten des gesellschaftlichen Mensch-Tier-Verhältnisses. Es enthält Analysen, beschreibt Herausforderungen und eröffnet neue Perspektiven.Weiter...

Zum Shop