Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.
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Wenn das Land vertrocknet – Dürre und Desertifikation


30.3.2009
Zunehmende Trockenheit gefährdet die Qualität der Böden – in südlichen Regionen, aber auch in Deutschland. Die Ursachen sind vielfältig, sie reichen von fehlenden Niederschlägen bis hin zum steigenden Wasserverbrauch durch steigende Bevölkerungszahlen.

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Spaziergänger machen am Freitag (02.12.2011) bei Bingen am Rhein Erinnerungsfotos von Schiffen, die durch das Niedrigwasser des Rheins fahren. Die Pegelstände des Rheins sind auch weiterhin niedrig. Foto: Fredrik von Erichsen dpa/lrs
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gehen , Niedrigwasser , Schiffe , Wetter , Schifffahrt , spazieren , JahreszeitenNiedrigwasser am Mittelrhein 2011 (© picture-alliance/dpa)

Die heißen Sommer der letzten Jahre haben die in Europa möglichen Folgen einer Dürre deutlich gemacht. Im Sommer 2003 kosteten Hitze und Dürre europaweit mehr als 30.000 Menschen das Leben. Auch in Deutschland verdorrten Felder und Wälder, Bäche trockneten aus, das Wasser des Rheins stand so niedrig, dass über Wochen kein Schiffsverkehr möglich war. Der wirtschaftliche Gesamtschaden dieses Hitzesommers hat den des Elbehochwassers von 2002 noch übertroffen. Die Folgen einer Dürre sind vielfältig und oft immens: Vegetationsschäden, Ernteeinbußen, Waldbrände, Niedrigwasser, erhöhte Schadstoffkonzentration in Gewässern, Trinkwasserknappheit, Krankheiten, Hungersnöte.

Probleme können schon nach wenigen Wochen Trockenheit auftreten



Dürren sind kein lokales Phänomen, sie betreffen größere Regionen, Ausdehnung und Dauer variieren dabei sehr stark. Sie werden entsprechend den verschiedenen Auswirkungen in den Natur- und Wirtschaftsbereichen unterschiedlich kategorisiert: meteorologisch durch das Niederschlagsdefizit, hydrologisch aufgrund der Wasserstände von Flüssen und Grundwasser, landwirtschaftlich aufgrund der Auswirkungen auf die Vegetation. Die Landwirtschaft reagiert auf Trockenheit meist schneller als große Gewässer. Dabei gilt für jedes Land ein eigener Maßstab. Großbritannien machen bereits drei niederschlagsfreie Wochen zu schaffen, während in manchen anderen Ländern weitaus längere Dürreperioden als normal gelten.

Welche Faktoren spielen eine Rolle bei der Entstehung von Dürren?



Wasser ist die Grundlage allen Lebens. Die Gesamtmasse des Wassers der Erde von rund 1,4 Milliarden Kubikkilometern hat sich seit Millionen von Jahren nicht geändert, wohl aber die geografische Verteilung und die Aufteilung in Eis, Wasserdampf und Flüssigwasser. Im 20. Jahrhundert verteilte sich die Gesamtmenge folgendermaßen: Ozeane 97 Prozent (Salzwasser), Eisschilde 2,3 Prozent, Landfläche mit Grundwasser, Seen und Flüssen 0,62 Prozent, Atmosphäre 0,001 Prozent. Obwohl der Niederschlag im Vergleich zum gesamten Wasservorrat der Erde verschwindend gering ist, liefert allein er das zum Leben auf den Kontinenten benötigte Süßwasser. Er füllt Seen, Flüsse, Gletscher und Grundwasser, wodurch Wasser auch in Trockengebieten und -zeiten für Natur und Mensch verfügbar ist.

Die Entstehung einer Dürre ist ein komplexer Vorgang, eine Voraussetzung ist länger anhaltender Mangel an Niederschlag. Dazu führt in unserer Region eine Wetterlage, bei der ein sehr breites Hochdruckgebiet über Mitteleuropa liegt und die feuchte Westwindströmung blockiert. Eine solche Lage kann wie im Sommer 2003 über Monate hinweg stabil sein. Niederschlag und Wolken bleiben aus, zudem beschleunigen hohe Sonneneinstrahlung und Temperatur die Verdunstung der zu Beginn noch vorhandenen Bodenfeuchte. Der Boden trocknet schneller und tiefer aus, sodass bald die kühlende Wirkung der Verdunstung fehlt, was zu einer weiteren Verstärkung von Dürre und Hitze führt.

Globale Kreisläufe wirken sich lokal aus



Generell sind Schwankungen der Zirkulation die Ursache für Trocken- oder Nassperioden. Das wohl bekannteste Phänomen ist "El Nino": Eine Umstellung der Hoch- und Tiefdruckzentren über dem tropischen Pazifik führt zu einer Verschiebung der großräumigen Windsysteme und Meeresströmungen. Die deutlichsten Auswirkungen zeigen sich im tropischen Südamerika zur Weihnachtszeit (El Nino = Christkind) mit relativ hohen Wassertemperaturen des Pazifiks (daraus folgt ein Fischsterben) sowie extremen Niederschlägen in den westlichen Anden. Diese Zirkulationsschwankungen stehen in einem weltweiten Zusammenhang. Während Peru und Ekuador von Regenfluten überschwemmt werden, leiden andere Gebiete, besonders Australien und Indonesien, unter außergewöhnlicher Trockenheit. El Nino tritt etwa alle vier bis sieben Jahre auf, ein besonders starkes Ereignis konnte zuletzt im Jahr 1997/1998 beobachtet werden.

Die Luft wird wärmer, die Niederschläge wechselhafter



Vielährig mittlere monatliche Niederschlagshöhe für Juni, Juli, August (nordhemisphärischer Sommer; Einheit: Millimeter pro Monat). Quelle: Deutscher WetterdienstVielährig mittlere monatliche Niederschlagshöhe für Juni, Juli, August (nordhemisphärischer Sommer; Einheit: Millimeter pro Monat). Quelle: Deutscher Wetterdienst
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die durchschnittliche globale Jahresmitteltemperatur um gut 0,7 Grad gestiegen. Die Erwärmung erfolgte nicht gleichmäßig, sondern mit einer ansteigenden Tendenz in den letzten 30 Jahren. In Deutschland stieg die durchschnittliche Temperatur sogar um fast 1 Grad Celsius. Die zehn absolut wärmsten Jahre traten seit 1990 auf. Für die Zukunft lassen die im Jahr 2007 vom Weltklimarat IPCC vorgelegten Ergebnisse eine weitere globale Erwärmung erwarten. Je nach Entwicklung der Treibhausgasemissionen wird die Lufttemperatur bis zum Jahr 2050 um weitere 0,5 bis 2,5 Grad Celsius ansteigen, bis 2100 gegenüber heute um etwa 2 bis 5 Grad Celsius.

Während die Klimamodelle für die Temperatur ein deutliches Änderungssignal mit hoher Schärfe liefern, ist die Änderung des Niederschlags im Mittel sehr gering, die Spannweite der Modellergebnisse aber wesentlich größer. Dies spricht für eine Zunahme sowohl der trockenen als auch der feuchten Wetterlagen. Demnach müssen wir mit einer höheren Variabilität des Niederschlags rechnen, also mit häufigeren Starkniederschlägen sowie auch mit häufigeren oder längeren Trockenphasen.


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