Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.

30.3.2009 | Von:
Dr. Bruno Rudolf

Wenn das Land vertrocknet – Dürre und Desertifikation

Gletscher als Wasserspeicher gehen verloren

Die Erwärmung beeinflusst die Hydrosphäre unmittelbar: Infolge ansteigender Temperaturen fällt in den Bergen zunehmend mehr Niederschlag in flüssiger Form, während der Schneeniederschlag abnimmt. Die flüssigen Niederschläge fließen unmittelbar ab. Schon heute ist ein deutlicher Rückgang der Gebirgsgletscher festzustellen. Der Gletscher des Kilimandscharo etwa ist von 1962 bis 2000 um 55 Prozent geschrumpft. Die Gebirge sind als Wasserspeicher wichtig für die Wasserversorgung im Sommer. Durch geringere oder ausbleibende Schneeschmelze werden die Flüsse im Frühjahr und Sommer weniger Wasser führen.

Vieljährig mittlere monatliche Niederschlagshöhe für Dezember, Januar, Februar (nordhemisphärischer Winter; Einheit: Millimeter pro Monat). Quelle: Deutscher WetterdienstVieljährig mittlere monatliche Niederschlagshöhe für Dezember, Januar, Februar (nordhemisphärischer Winter; Einheit: Millimeter pro Monat). Quelle: Deutscher Wetterdienst
Derzeit ist noch nicht erkennbar, ob die durch die Erwärmung erhöhte Verdunstung durch mehr Niederschlag kompensiert wird. Auf globaler Skala ist allerdings von 1950 bis 2000 eine regionale Umverteilung zu erkennen: Über Afrika dehnten sich sowohl die tropische Regenzone als auch die subtropische Trockenzone nach Norden hin aus. Daher wurde Südeuropa trockener, während die Niederschlagsmengen über Nordeuropa zugenommen haben. Deutschland liegt im Übergangsbereich. Hier nehmen die Niederschläge im Winter zu und im Sommer ab.

Der Wasserverbrauch durch den Menschen ist gestiegen

Seit Jahrtausenden verändern die Menschen die Umwelt, um ihre Lebensgrundlage zu verbessern. Heute ermöglicht die Technologie tiefe Eingriffe in die Wassersysteme. Die Weltbevölkerung hat sich in den letzten 100 Jahren verdreifacht, die Städte haben riesige Ausmaße angenommen und die Komfortansprüche sind gestiegen. Künstliche Bewässerung ist heute notwendig, um den Nahrungsmittelbedarf zu decken. 70 Prozent des dafür notwendigen Wassers stammt aus Flüssen und Grundwasser. Dieses Wasser verdunstet und wird damit der Region entzogen. Um irreparable Schäden zu vermeiden, muss die Bewässerung nachhaltig erfolgen und dem Wasserangebot, der Herkunft und der Regenerationsfähigkeit der Wasserquellen angepasst sein. Dies gilt auch für den hohen Wasserverbrauch für industrielle Prozesse. Die Unterschiede in der Verteilung der Wasserressourcen sind groß. Asien beheimatet ca. 60 Prozent der Weltbevölkerung, verfügt aber nur über 36 Prozent der globalen Süßwasservorkommen. In Afrika leben 75 Prozent der Menschen in ariden oder semi-ariden Regionen. Aufgrund der klimatischen und gesellschaftlichen Bedingungen ist Wassermangel dort ein fundamentales Problem.

Anzahl und Dauer nehmen zu

Dürren hat es auf unserer Erde schon immer gegeben. Für Ägypten zum Beispiel gibt es Nachweise, die bis zu 5.500 Jahre zurückreichen. Im Zeitraum 1991-2005 waren weltweit etwa acht Prozent aller Naturkatastrophen Dürren. In Afrika leben 75 Prozent der Bevölkerung in oder am Rand von Trockenzonen, sie sind damit sehr dürregefährdet. Zwischen 1991 und 2005 traten 44 Prozent aller weltweiten Dürrekatastrophen in Afrika auf (27 Prozent davon alleine in Ostafrika), 28 Prozent in Asien, 17 Prozent in Amerika und 6 Prozent in Europa. Von 1994 bis 2003 waren Dürren und davon ausgelöste Hungersnöte für mehr als 320.000 Todesopfer weltweit verantwortlich. Seit den 1970er Jahren haben im Bereich der Trockengürtel der Erde Anzahl und Dauer der Dürren zugenommen. Die betroffenen Flächen haben sich mehr als verdoppelt. In den großen Flusseinzugsgebieten Zentralafrikas ist die verfügbare Wassermenge um 40 bis 60 Prozent zurückgegangen.

Wüsten wachsen an und verlagern sich

Von einer fortschreitenden Wüstenbildung (Desertifikation) sind besonders semi-aride und den Wüsten benachbarte Gebiete betroffen. Damit ist mehr als die Hälfte der Fläche von Afrika gefährdet. Das Vordringen von Wüsten steht jedoch nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit vergangenen Dürreperioden. Problematisch ist, dass immer mehr Menschen in dürregefährdeten Gebieten leben.

Die hohe und anwachsende Bevölkerungsdichte sowie die globale Erwärmung lassen erwarten, dass sich die Dürreproblematik künftig weltweit verschärft. Neben dem Klimawandel sind für eine weitere Desertifikation nachteilige großflächige Veränderungen verantwortlich wie zum Beispiel Oberflächenversiegelung, Trockenlegungen, Rodung großer Waldflächen, Monokulturen, Salzanreicherungen durch Bewässerung, Flussregulierung.

Richtlinien für globale Wasserpolitik

Wasser ist ein Allgemeingut. Sauberes Wasser aber wird immer knapper. International wurden unter Federführung der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) Richtlinien für eine sozial, ökonomisch und ökologisch verantwortliche Wasserpolitik aufgestellt. Eine wichtige Aufgabe ist, das Trinkwasser zu schützen und gerecht zu verteilen. Dazu sollten Wasserverschmutzung und Wasserverluste durch Lecks vermieden und der Wasserbedarf für industrielle Produktion verringert werden. Eine Kartierung dürregefährdeter Regionen ermöglicht es, eine angepasste Landnutzung und geeignete Vorsorgemaßnahmen zu planen. Die grenzüberschreitende Problematik bedingt dabei eine internationale Zusammenarbeit, um das Ausmaß der Folgen und Schäden von Dürreperioden möglichst gering zu halten. Dazu gehört auch, die globale Erwärmung so rasch und stark wie möglich einzugrenzen.

Eine weitere Aufgabe auf nationaler und internationaler Ebene liegt im Risikomanagement von Naturkatastrophen. Neben politischen und strukturellen Maßnahmen ist es wichtig, effektive Frühwarnsysteme einzurichten. Um die Bedingungen festzustellen, die zu einer Dürre führen können, werden Indizes verwendet, die auf beobachteten und vorhergesagten meteorologischen Daten beruhen. Diese Kennzahlen sind für verschiedene Wirkungsbereiche wie Oberflächengewässer oder Landwirtschaft spezifiziert. Die komplexen Beobachtungssysteme und Vorhersagemodelle der Wetterdienste sind heute in der Lage, auf der Basis mittelfristiger Wettervorhersagen frühzeitig Hinweise auf eine einsetzende Dürre und deren Wahrscheinlichkeit zu geben.

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