Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.
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Regenwälder weiterhin in Not


30.3.2009
Für die Herstellung von Möbeln, Papier oder für die Landwirtschaft werden die Regenwälder immer weiter zerstört. Die Folgen der Abholzung sind enorm: Viele Tierarten sind vom Aussterben bedroht und der natürliche Wasserkreislauf wird nachhaltig gestört. Zahlreiche Schutzmaßnahmen zeigen bis jetzt wenig Erfolg.

Rauch quillt aus dem Amazonas-Regenwald in der Nähe der Stadt Sao Felix do Xingu, im nördlichen brasilianischen Bundesstaat Para. Rancher-, Soja-Bauern und Holzfäller verbrannten und rodeten im Jahr 2003 ein riesiges Gebiet des Amazonas-Regenwaldes; die Regierung hat jedoch verkündet, es sei gelungen, die Zerstörung zu verlangsamen.Brennender Regenwald in Brasilien. (© AP)

Die Regenwälder dieser Erde werden weiterhin zerstört. Sei es im Amazonas- oder im Kongobecken, in Südostasien, Mittelamerika, Madagaskar oder Australien, der Raubbau wird hier ebenso wie in den in nördlichen Breiten beheimateten borealen Wäldern fortgesetzt. Trotz ihrer enormen Bedeutung für die regionale Wirtschaft, die Artenvielfalt, den Wasserhaushalt, den Klima- und den Erosionsschutz gelingt es bisher nicht, die Wälder zu schützen.

In Brasilien wurden in den letzten 40 Jahren circa 17 Prozent des Regenwaldes vernichtet, eine Fläche doppelt so groß wie Frankreich. Von der ursprünglichen Waldfläche Asiens sind inzwischen weniger als 30 Prozent übrig. Allein Indonesien verlor zwischen 1990 und 2000 mit 28 Millionen Hektar rund ein Viertel seiner Waldfläche. Die Gründe für diese massive Vernichtung sind so vielfältig wie die Wälder selbst.

Holzeinschlag und Rodung



Im Namen wirtschaftlicher Entwicklung werden in Waldgebieten Wasserkraftwerke errichtet, wird nach Erdöl gebohrt und nach Bodenschätzen gegraben. Weitere treibende Kräfte der Zerstörung sind außerdem Papierproduktion, Landwirtschaft, Agroenergie sowie illegaler Holzeinschlag und -handel. Länder im Süden, wie Brasilien, Ecuador oder Indonesien, sind ebenso betroffen wie die im Norden liegenden Länder Kanada oder Russland.

Für Gartenmöbel, Parkettfußböden und Terrassenbeläge werden exotische Hölzer wie Teak, Meranti, Mahagoni, Merbau und viele andere verwendet. In holzproduzierenden Ländern wie Kamerun und Indonesien ist Schätzungen zufolge der Großteil des Holzeinschlags illegal und zudem extrem waldzerstörend. In manchen Ländern Südostasiens wird gar eine illegale Abholzungsrate von bis zu 90 Prozent angenommen.

Illegal ist etwa der Einschlag von geschützten Baumarten, der Einschlag unerlaubt großer Mengen oder in Schutzgebieten, die rechtswidrige Inbesitznahme von Waldgebieten oder die Ausfuhr von Holz trotz Exportverboten. Ein Beispiel dafür ist die Baumart Merbau, sie wird bis zu 50 Meter hoch; bis der Baum diese Höhe erreicht hat, vergehen etwa achtzig Jahre. In Südostasien ist Merbau weit verbreitet, durch massive Einschläge wird die Art mittlerweile jedoch als gefährdet eingestuft.

Landwirtschaft: Tierfutter- und Agrospritproduktion



Auch die Landwirtschaft trägt ihren Teil zur Zerstörung bei. Von 2000 bis 2006 wurde in Brasilien eine Fläche von der Größe Griechenlands gerodet. Brasilien holzt Flächen für Zuckerrohr und Baumwolle ab und hat sich zum wichtigsten Produzenten der eiweißreichen Sojabohne für die Mast europäischer Rinder, Schweine und Hühner entwickelt. Die weitere Ausdehnung der Sojaanbauflächen – derzeit etwa 22 Millionen Hektar – wird begleitet vom Ausbau der Straßen und Wasserstraßen. Damit sollen neue Flächen erschlossen und die Produkte zu den Exporthäfen geschafft werden können. Für die nächsten Jahre plant die brasilianische Regierung, die Zuckerrohrplantagen zu verfünffachen und die Sojaanbauflächen auf 60 Millionen Hektar auszuweiten.

Daneben erleben Agrotreibstoffe wie Palmöl oder Ethanol derzeit einen Boom. Im Bestreben weiterhin (auto-)mobil zu sein, zugleich aber weniger fossiles CO2 auszustoßen, soll die Klimabilanz der Autos aufgebessert werden, indem so genannte "Biotreibstoffe" auch aus ehemaligen Waldgebieten beigemischt werden.

Terrassierung einer gerodeten Regenwaldfläche zur Anlage von Ölpalm-Plantagen in Sarawak, Malaysia. Foto: Martin GlöckleTerrassierung einer gerodeten Regenwaldfläche zur Anlage von Ölpalm-Plantagen in Sarawak, Malaysia. Foto: Martin Glöckle
Malaysia und Indonesien sind die weltweit größten Produzenten und Exporteure von Palmöl. Das Palmöl wird in großflächigen Plantagen angebaut, für die Regenwald weichen muss. In Malaysia wachsen Ölpalmen auf über 4 Millionen Hektar. Indonesien will die derzeitige Plantagenfläche von circa 7 auf 26 Millionen Hektar im Jahr 2025 ausweiten. Dazu wurden bereits 12 Millionen Hektar Regenwald gerodet, wobei zunächst die Bäume verkauft und anschließend die Fläche für Plantagen bereitet werden sollen.

Eine weitere wesentliche Ursache der weltweiten Waldzerstörung ist der immense Papierverbrauch in den Industriestaaten. Während ein Afrikaner im Durchschnitt 6,5 kg Papier pro Jahr verbraucht, liegt der jährliche Konsum in Deutschland bei etwa 250 kg pro Kopf. Das Holz stammt mehr und mehr aus tropischen Regionen. Auf gigantischen ehemaligen Regenwaldgebieten werden Plantagen mit schnell wachsenden Bäumen wie Eukalyptus, Kiefern oder Pappeln angelegt.

Einige Beispiele: In Chile wurde ein Drittel des natürlichen Waldes in Holzplantagen umgewandelt; in Brasilien besitzen Papierfabriken annähernd zwei Millionen Hektar Plantagen und jährlich kommen etwa 100.000 Hektar neu hinzu. Diese Aufzählung lässt sich unter anderem über China, Thailand, Australien, Südafrika und Uruguay noch weiter fortsetzen.


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