Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.

30.3.2009 | Von:
Torsten Mertz

Bodenbelastung durch Landwirtschaft

In der Erde wächst die Mehrzahl unserer Nahrungsmittel heran, eine intakte Bodenökologie ist wichtig. Doch vielfach werden die schweren Belastungen übersehen, denen die Böden ausgesetzt sind.

Ein Traktor fährt über eine kultiviertes Feld in dem fruchtbaren Salinas Valley, über das John Steinbeck oft in seinen Romanen schrieb. Die Bewohner des Landstrichs feiern im Jahr 2002 den verstorbenen Autor anlässlich des 40. Jahrestags seiner Nobelpreis-Verleihung vom Jahr 1962. (© AP)

Wir leben auf dem Boden, bauen unsere Häuser und Straßen auf ihm und deponieren unseren Müll im Erdreich. Ohne die maximal einige Meter mächtige fruchtbare Erde wäre kein Leben auf dem Land möglich, denn in ihr wachsen die Pflanzen, die uns und den Tieren als Nahrung dienen. Es ist also kein Zufall, dass wir unseren Planeten als "Erde" bezeichnen, ebenso wie die wichtigste Produktionsgrundlage unserer Nahrung, den Boden. Die Zerstörung der Böden ist ein großes vom Menschen verursachtes globales Umweltproblem – und zugleich eine Gefahr, die von der Öffentlichkeit nicht ausreichend wahrgenommenen wird.

Die fruchtbare Haut der Erde

Der Boden überzieht – außer dort, wo Gewässer die Erde bedecken und wo nacktes Gestein zutage tritt – den gesamten Planeten mit einer wenige Millimeter bis viele Meter mächtigen, belebten Schicht. Von ihr ist die Erzeugung von Lebensmitteln und sonstigen Agrarprodukten – abgesehen von der Fischerei – ebenso wie die Forstwirtschaft abhängig. Nahezu die gesamte Vegetation, einschließlich Grünland, Kulturpflanzen und Bäumen, benötigt den Boden für die Wasser- und Nährstoffversorgung sowie als Wurzelraum.

Böden sind das Ergebnis eines Zusammenwirkens von physikalischen, chemischen und biologischen Faktoren, die auf der Grundlage von Ausgangsgestein, Klima und Lebewesen ihre Zusammensetzung und Entwicklung bestimmen. Aus der Gesteinsverwitterung können neue Minerale entstehen, die Wasser binden und Nährstoffe absorbieren. So wird der Boden auch zu einem natürlichen Filter, der das Grundwasser vor Schadstoffen schützt, und zu einem Puffer, der beispielsweise Kohlendioxid aus der Atmosphäre speichern kann.

Von besonderer Bedeutung für die Fruchtbarkeit der Böden ist organische Substanz in Form lebender und toter Tiere sowie Pflanzen(-teile). Abgestorbene organische Substanz wird über die Bodenlebewesen abgebaut und zu dunkel gefärbten, organischen Verbindungen, den Huminstoffen, umgewandelt. Die im Boden lebenden Organismen reichen von einer Makrofauna (wie Säugetiere) über die Mesofauna (wie Regenwürmer) bis zu Mikrolebewesen. Letztere – Bakterien, Pilze und Algen – machen mit rund 80 Prozent den größten Teil der Bodenflora und -fauna aus. In den oberen 30 Zentimetern eines Quadratmeters Boden leben ungefähr 100 Billionen Bakterien und eine Milliarde Pilze. Die Bodenfauna und -flora ist wesentlich für die dauerhafte Fruchtbarkeit des Bodens.

Gefahr für unsere Lebensgrundlage

Rund 15 Prozent der Böden gelten heute weltweit als degradiert. Degradationen von Böden sind zunächst natürliche Prozesse. Durch Verwitterung sowie Zu- und Abfuhr von Stoffen mit Wasser und Luft verändern sich die Böden ständig. Diese Prozesse laufen aber nur in geringem Umfang und sehr langfristig ab. Intensive Bodennutzungsmaßnahmen beschleunigen die Degradation und führen zur Verringerung oder zum Verlust der biologischen und wirtschaftlichen Produktivität von Anbauflächen, Wiesen und Weiden, forstwirtschaftlich genutzten Flächen und Wäldern. Sie äußert sich in
  • von Wind oder Wasser verursachter Bodenerosion,
  • der Verschlechterung der physikalischen, chemischen, biologischen oder wirtschaftlichen Eigenschaften des Bodens,
  • dem Verschwinden des natürlichen Pflanzenbestandes.
Hauptursache der Bodendegradation sind Überweidung (rund 35 Prozent), Entwaldung (30 Prozent) und Übernutzung durch Ackerbau (27 Prozent). In dicht besiedelten Ländern wie Deutschland führt zudem die Versiegelung durch Siedlungs- und Straßenbau zum Verlust von Böden.Am stärksten gefährdet die Bevölkerungszunahme die Böden. Um die stetig wachsende Zahl Menschen zu ernähren, muss entweder die landwirtschaftlich genutzte Fläche um etwa 1,5 Prozent jährlich zunehmen, oder die Produktivität je Flächeneinheit müsste um diesen Anteil ansteigen. In den letzten Jahrzehnten hat jedoch Ackerland an Fläche kaum zugenommen. Denn in der gleichen Größenordnung wie Flächen – meist zu Lasten von Wäldern und Grasländern – hinzugewonnen wurden, gingen Flächen durch nachfolgende Degradation wieder verloren. Dieses Vorgehen lässt sich aber nicht beliebig fortsetzen: Zerstörte Böden regenerieren sich nur in geologischen Zeiträumen, ackerfähige Flächen sind begrenzt verfügbar, und somit müssen zunehmend Böden genutzt werden, die immer weniger gut geeignet sind.

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