Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.
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Einfluss von Klimaveränderungen auf die Biodiversität


30.4.2008
Vor allem die Umwandlung natürlicher Ökosysteme in Nutzflächen bedroht die biologische Vielfalt. Erschwerend kommt nun der Klimawandel hinzu. Die ohnehin geschwächten Ökosysteme können sich den neuen Lebensbedingungen nur schwer anpassen.

Einleitung

Biodiversität ist ein abstrakter Begriff und bezeichnet doch all das Lebendige in seiner Vielfalt, was uns umgibt, also unsere natürlichen Lebensgrundlagen.
Klimaveränderungen haben auf vielfältige Weise Einfluss auf die Artenvielfalt. Foto: APKlimaveränderungen haben auf vielfältige Weise Einfluss auf die Artenvielfalt. Foto: AP (© AP )
Biodiversität kann auf verschiedenen Ebenen betrachtet werden, ausgehend von der genetischen Vielfalt, welche die Grundvoraussetzung für Evolution ist, der Artenvielfalt und der Vielfalt von Ökosystemen. Das UN-Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) nennt drei Ziele: neben dem Erhalt der biologischen Vielfalt selbst sind deren nachhaltige Nutzung sowie die gerechte Aufteilung der sich aus der Nutzung der genetischen Ressourcen ergebenden Vorteile ebenbürtig. Der enge Bezug zur menschlichen Lebenswirklichkeit zeigt sich auch darin, dass ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt wird, der so genannte ökosystemare Ansatz, der auf ökologischer Grundlage ökonomische und soziale Interessen integrieren soll.

Biodiversität ermöglicht nicht nur menschliches Leben, sondern ist auch durch menschliche Aktivitäten bedroht. An erster Stelle der gefährdenden Einflüsse steht fast überall der Landnutzungswandel, also die Umwandlung natürlicher Ökosysteme in land- und forstwirtschaftliche Anbausysteme, Städte, Straßen oder Müllplätze. Die damit verbundene Verringerung des Lebensraumes, die Nährstoffbelastung durch Stickstoff und Phosphor und die Fragmentierung von Lebensräumen und der darin lebenden Populationen stellen die größte Bedrohung für die natürliche biologische Vielfalt dar. Erschwerend kommt nun der Klimawandel hinzu, der natürliche Ökosysteme zwingt, sich an schnell wandelnde Bedingungen anzupassen, obwohl diese häufig bereits so geschädigt sind, dass sie sich nicht in ihrer vollen Funktionalität an die veränderten Umweltbedingungen anpassen können.

Die Funktionalität von Biodiversität bezieht sich zum einen auf Prozesse, die innerhalb von Ökosystemen ablaufen und für ihre Existenz wichtig sind. Dazu gehören z.B. der Aufbau von Biomasse, das Bestäuben von Blüten zur Fruchtbildung und der Abbau von Streu. Zum anderen beschreiben die so genannten "ökosystemaren Dienstleistungen" Funktionalitäten in Bezug auf den Menschen. Biomasse wird als Nahrung, Energie und Quelle für Konstruktionsmaterial genutzt. Die Vegetationsdecke reguliert z.B. die Wassermenge und -qualität sowie das Mikroklima. In einigen Gebieten, insbesondere auf der Südhalbkugel, sind diese ökosystemaren Dienstleistungen bereits durch den Klimawandel beeinträchtigt, und die Menschen leiden unter Wassermangel, Überflutungen und Hunger. Der Schutz von Biodiversität muss daher eine stärkere Bedeutung in Politik und Öffentlichkeit erhalten und sinnvoll mit Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel verbunden werden.

Treibhausgase und globale Erwärmung

Die herausragende Bedeutung des jüngsten Berichtes des Weltklimarates IPCC hatten nicht die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die in ihm enthalten waren, sondern die Einstimmigkeit in der Feststellung, dass der Klimawandel a) bereits beobachtet wird, und dass er b) vom Menschen verursacht ist. Es gibt einen deutlichen und nicht mehr zu leugnenden Zusammenhang zwischen anthropogenen Emissionen von Treibhausgasen und der Erwärmung der Erde. Zu den Treibhausgasen gehören Wasserdampf, Kohlendioxid, Methan, Stickoxide, Schwefelhexafluorid und Fluorkohlenwasserstoffe. Diese Moleküle sorgen dafür, dass die Strahlungsenergie der Sonne nicht gleich wieder abgegeben wird, so dass wir statt lebensfeindlicher minus 18 Grad Celsius angenehme 15 Grad Durchschnittstemperatur auf der Erde haben. Inzwischen übersteigen die Konzentrationen der Treibhausgase aber die bisher beobachteten Schwankungen, was zu einer Erwärmung der Erde führt. Insbesondere Kohlendioxid steht im Mittelpunkt der politischen Verhandlungen, da die Emissionen im Gegensatz zum Wasserdampf direkt anthropogen verursacht sind. Ungefähr 80 Prozent der Kohlendioxidemissionen stammen aus der Verbrennung fossiler Kohlenstoffe wie Öl und Kohle sowie ca. 20 Prozent aus Landnutzungsänderungen, und zwar zum überwiegenden Teil aus der Abholzung der tropischen Regenwälder. Hinzu kommt noch das Methan aus Kuhmägen und von Reisfeldern, welches zwar in geringeren Mengen freigesetzt wird aber fünfundzwanzigmal klimawirksamer als Kohlendioxid ist.[1]

Ein großer Teil, nämlich ca. 30 Prozent des Kohlendioxides, wird bereits in den Ozeanen gespeichert. Das ist auf den ersten Blick gut für die Menschheit, da es sonst noch wärmer würde, aber schlecht für die Ozeane, zu deren Versauerung die Aufnahme von Kohlendioxid führt. Einige Algen und Korallentierchen können aufgrund des sinkenden pH-Wertes keine Kalkschalen mehr ausbilden und somit auch keine Korallenriffe, die Heimat für eine Vielzahl von Meeresorganismen sein können.


[1] Der WWF Deutschland hat gerade einen Bericht zur Emission der Treibhausgase Methan und Lachgas veröffentlicht: Harald von Witzke/Steffen Noleppa, Methan und Lachgas - Die vergessenen Klimagase. Wie die Landwirtschaft ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Ein klimaschutzpolitischer Handlungsrahmen, 2007, S. 1 - 95.



 

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