Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.

14.6.2009

Produktion potenzieller Umweltschutzgüter

Im Jahr 2007 produzierten die Unternehmen in Deutschland potenzielle Umweltschutzschutzgüter im Wert von 69,5 Mrd. Euro. Damit entfielen mehr als fünf Prozent der Industriegüterproduktion auf Umweltschutzgüter.

Produktion potenzieller UmweltschutzgüterProduktion potenzieller Umweltschutzgüter Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Angesichts stark steigender Rohstoffpreise, des Industrialisierungsschubs in den Schwellenländern und der Herausforderungen durch den Klimawandel wächst der weltweite Bedarf an Umwelt- und Klimaschutztechniken sowie Produkten, die die natürlichen Ressourcen schonen.

Nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) und des Umweltbundesamtes (UBA) produzierten die Unternehmen in Deutschland im Jahr 2007 potenzielle Umwelt- und Klimaschutzgüter im Wert von 69,5 Milliarden Euro – über ein Viertel mehr als noch zwei Jahre zuvor. Potenzielle Umweltschutzgüter – wie zum Beispiel Pumpen, Leitungen oder Mess-, Steuer- und Regelgeräte (MSR-Technik) – können Umweltschutzzwecken dienen, aber auch andere Funktionen erfüllen. Experten gehen davon aus, dass etwa 35 bis 40 Prozent dieser Güter – das entspricht einem Umsatz von 24 bis 28 Milliarden Euro – tatsächlich Umweltschutzzwecken dienen.

Im Jahr 2007 entfielen 5,3 Prozent der Industrieproduktion auf potenzielle Umweltschutzgüter. Während das Wachstum der Umweltschutzgüterproduktion bis 2002 allein durch das Auslandsgeschäft angetrieben wurde, legte in den vergangenen Jahren auch das Inlandsgeschäft zu: Von 2005 auf 2006 wuchs die Inlandsnachfrage um zehn Prozent – getrieben vor allem durch den Klimaschutz und den Boom bei erneuerbaren Energien. Schwerpunkt bleibt allerdings die Luftreinhaltung: Staubfilter, Katalysatoren, Filtersysteme und andere Güter machten 2007 gut 28 Prozent der Umweltschutzgüterproduktion aus. Auch Geräte der Umwelt-MSR-Technik (26,3 Prozent) und Techniken im Bereich Abwasser (20,6 Prozent) hatten hohe Anteile an der Produktion von Umweltschutzgütern.

Die Umweltschutzwirtschaft ist mittelständisch geprägt: Mehr als 60 Prozent der Betriebe im Umweltschutzmarkt hatten 2005 weniger als 50 Beschäftigte, drei Viertel der Betriebe weniger als 100. Relativ zu anderen Sektoren sind die kleinen und mittleren Betriebe allerdings trotzdem leicht unterrepräsentiert: 13 Prozent der Betriebe im Umweltschutzmarkt hatten mehr als 250 Beschäftigte – im Schnitt des verarbeitenden Gewerbes waren es nur 9,6 Prozent.

Bezogen auf den Umsatz ist der Anteil von kleinen und mittleren Unternehmen allerdings überdurchschnittlich hoch. Während beispielsweise im verarbeitenden Gewerbe die kleinen und mittleren Unternehmen (bis 250 Beschäftigte) 31 Prozent des Umsatzes erwirtschafteten, lag der entsprechende Anteil in der Sparte Umweltschutz bei knapp 60 Prozent.

Fast 80 Prozent der Produktionsbereiche in der Umweltbranche sind besonders forschungs- und wissensintensiv: Maschinenbau, MSR-Technik, Elektrotechnik, Elektronik sowie Chemie-, Kunststoff- und Gummiindustrie gehören zu den wichtigsten Sparten auf diesem Markt. In der Umweltwirtschaft betrug der Anteil von Forschung und Entwicklung (FuE) am Umsatz 2004 mehr als 5 Prozent – deutlich mehr als die 3 Prozent in der branchenübergreifenden Industrieproduktion. Die Anforderungen an die Qualifikation der Beschäftigten in der Umweltwirtschaft sind entsprechend hoch: Der Akademikeranteil liegt bei 30 Prozent – im Vergleich zu durchschnittlich 20 Prozent in anderen Zweigen der Wirtschaft.

Nach vorläufigen Ergebnissen exportierte die deutsche Industrie im Jahr 2007 potenzielle Umweltschutzgüter im Wert von 59,5 Milliarden Euro. Der Anteil an den Industriewarenexporten stieg auf fast 7 Prozent (2005: 6,4 Prozent). Beim Export stand die MSR-Technik mit 19,7 Milliarden Euro an erster Stelle. Es folgten Wasser- und Abwassertechnologien (17,8 Mrd. Euro) und Klimaschutztechnologien (12,8 Mrd. Euro). Als weltgrößter Exporteur potenzieller Umweltschutzgüter hatte Deutschland 2006 einen Welthandelsanteil von 16,1 Prozent – bei Industriewaren insgesamt lag der entsprechende Anteil bei lediglich 11,1 Prozent. Dahinter lagen die USA (14,9 Prozent) und Japan (9,2 Prozent).

Datenquelle

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), Umweltbundesamt (UBA): Umweltwirtschaftsbericht 2009; Statistisches Bundesamt; OECD: International Trade by Commodity Statistics (ITCS); Niedersächsisches Institut für Wirtschaftsforschung (NIW): www.niw.de

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